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Album Reviews



 
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Walter Weidringer
Crescendo (Germany), March 2020

MOZART, W.A.: Entführung aus dem Serail (Die) [Opera] (La Scala, 2017) (NTSC)) 752008
MOZART, W.A.: Entführung aus dem Serail (Die) [Opera] (La Scala, 2017) (Blu-ray, HD) 752104

Giorgio Strehlers Inszenierung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ gibt es zum 20. Todestag des Theatermachers in einer Wiederaufführung an der Mailänder Scala auf zwei DVDs zu sehen.

20 Jahre nach dem Tod des großen Theatermachers Giorgio Strehler und zehn Jahre nach dem Tod seines Ausstatters Luciano Damiani ließ die Scala 2017 jene Entführung wieder aufleben, mit der Strehler 1965 bei den Salzburger Festspielen (u.a. mit Fritz Wunderlich) für Furore gesorgt hatte: Die aufgeschlossenen Kritiker feierten damals den Charme und die Grazie seiner Deutung aus dem Geist einer Goldoni-Komödie—mit einer Mischung aus Papier-und Marionettentheater sowie reizvollen Scherenschnittwirkungen. Die Mailänder Neueinstudierung bleibt zumal in den Dialogen um Nuancen zu steif, aber der hohe ästhetische Wert der Produktion lässt den damaligen Erfolg begreifen. Das Ensemble dominieren die in den Koloraturen souveräne, reif tönende Lenneke Ruiten als Konstanze und die stimmlich schlanke Sabine Devieilhe als Blondchen. Als einzige „Originalbesetzung“ von 1965 stand noch Zubin Mehta zur Verfügung, der vermutlich annähernd so musizieren lässt wie damals an der Salzach vor der Originalklang-Revolution: nobel, rund und gemessen. © 2020 Crescendo (Germany)



Ingrid Wanja
Opera Lounge, December 2019

MOZART, W.A.: Entführung aus dem Serail (Die) [Opera] (La Scala, 2017) (NTSC) 752008
MOZART, W.A.: Entführung aus dem Serail (Die) [Opera] (La Scala, 2017) (Blu-ray, HD) 752104

Hätte sie Schwimmen gelernt, würde wohl Konstanze mit einem kühnen Sprung das davon eilende Schiff verlassen haben und wäre zurück ans Ufer gelangt, um dem sehnsüchtig winkenden Bassa in die Arme zu fallen. In der Wiederaufnahme der Entführung aus dem Serail in der Salzburger Produktion Giorgio Strehlers aus dem Jahre 1965 in den Bühnenbildern von Luciano Damiani zu des Ersteren zwanzigstem und des Letzteren zehntem Todestag durch Mattia Testi an der Scala ist Belmonte ein rechter Schnösel, der mit herrischer Gebärde die Umarmung Pedrillos zurückweist, angeberisch noch angesichts des drohenden Todes auftritt und schließlich nicht Konstanze umarmend, sondern wie eine Galionsfigur posierend heimwärts segelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass Konstanze mit wehmutsvollem Blick zurück auf Küste und Bassa blickt, auch wenn dieser in der Gestalt von Cornelius Obonya ein rechtes Raubein und dazu noch launisch ist.

Das Besondere dieser Inszenierung ist, dass regelmäßig die Personen so beleuchtet werden, dass sie wie Schattenrisse, die zur Zeit Mozarts sehr beliebt waren, erscheinen, was die Sänger zum Abspreizen der Arme und zu graziösen Kopfhaltungen zwingt und was die gesamte Produktion zwar sehr anmutig, aber auch starr erscheinen lässt. Aufrechtes Stehen ist dem hohen Paar vergönnt, zu leicht gebückter Haltung ist das niedere verdammt. Damiani hat eine Bühne auf der Bühne kreiert, wechselnde Torpfosten und in der Mitte im Hintergrund die Küste, vor der ab und an ein Segelschiff seine Bahn zieht.

Ob Zubin Mehta, der auch die Entführung in Salzburg vor nunmehr fast 55 Jahren leitete, mit seinen Solisten zufrieden sein kann? Damals sangen Rothenberger, Grist, Wunderlich, Unger, Corena, der Bassa war Michael Heltau. Ein italienisches Orchester und nun gar das der Scala ist immer bei Mozart sehr erfrischend, die Sängersolisten sind sehr anständig, auch wenn sie nicht alle an die Qualität ihrer Vorgänger heranreichen.

Tobias Kehrer von der Deutschen Oper Berlin ist ein urkomischer Osmin, der urplötzlich seine gefährliche Seite hervorkehren kann. Die Stimme ist so tiefgründelnd wie geschmeidig und selbst bei einem superschnellen „Erst geköpft“ gibt es keine Atemprobleme. In betrunkenem Zustand verfällt er zum Vergnügen des Publikums aus der deutschen in die italienische Sprache. Höchst agil in der Darstellung ist der Pedrillo von Maximilian Schmitt, dessen Tenor noch etwas prägnanter sein könnte, aber eine über eine sichere Höhe verfügt. Mauro Peter, der den Belmonte singt, ist ein bekannter und gefragter Mozart- und Liedsänger. Sein Tenor zeichnet sich durch eine elegante Stimmführung aus, hochpoetisch klingt „war es ein Traum“, die kleinen Notenwerte werden strikt beachtet, und auch die berüchtigte Baumeisterarie bereitet keine Schwierigkeiten. Da er zudem ein attraktiver Mann ist, kann sich das Berliner Publikum auf seinen Tamino freuen. Zu possierlichem Kammerkätzchenspiel ist die Blonde von Sabine Devieilhe verurteilt, ihr Sopran ist eher ein lyrischer, der nur in der Extremhöhe etwas dünn klingt. Glasklare Koloraturen hat Lenneke Ruiten für die Konstanze, die eine empfindsame „Traurigkeit“ und eine sichere „Marternarie“ singt. Nur das dramatische „zum Schluss befreit mich doch der Tod“ klingt etwas angestrengt und hat wenig Nachdruck. Einen Extraapplaus kann sich der „Stumme“ von Marco Merlini erspielen. Insgesamt hat dann doch Salzburg die Nase vorn. © 2019 Opera Lounge





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