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Niels Kaiser
HR2 Mikado Spezial, February 2010

Anmoderationsvorschlag:
Mit Musicals wie „Anything goes“ oder „Kiss me Kate“ gehört Cole Porter zu den erfolgreichsten Musicalkomponisten überhaupt. Am bekanntesten sind seine Songs allerdings in den Interpretationen von Jazzmusikern wie Louis Armstrong oder Ella Fitzgerald. Die Originale kennt man kaum. Genau so wie sein einziges Musical, das er für eine Fernsehproduktion schrieb. 1958 wurde es in den USA gesendet—und sofort wieder vergessen. Danach hat Porter nie wieder komponiert. Eine Beinamputation raubte ihm jeden Lebensmut und sechs Jahre nach Aladdin ist er gestorben. Wenigstens die Musik zu „Aladdin“ ist jetzt wieder aufgetaucht. Niels Kaiser hat sich die CD schon einmal angehört, auf der der Meister auch selbst spricht.

BEITRAG:

O-Ton Cole Porter:
„This is Cole Porter saying that after many years of writing songs for theatre and motion pictures I find it very exiting writing for our newest entertainment medium television…“

Total aufregend ist es, für das neue Unterhaltungsmedium Fernsehen zu schreiben. Das sagte der ungekrönte King of Broadway Cole Porter, als am 21. Februar 1958 um halb acht am Abend sein Märchenmusical „Aladdin“ als TV-Show im amerikanischen Fernsehen aufgeführt wurde. Die Geschichte aus 1001 Nacht spielt im exotischen China, und so, wie Puccini einst mit „Madame Butterfly“ die fernöstlichen Orientalismen in die Welt der Oper einführte, so halten diese nun Einzug in den Broadwaysound.

„Platz da für den Kaiser von China und für seine Tochter, die schöne Prinzessin!“, so singt der Studiochor. Die Prinzessin ist natürlich in den armen Aladdin verliebt, so gehört sich das im Märchen und im Musical. Und davon hat die Prinzessin vorhin auch schon gesungen, in Gestalt der italienischen Sopranistin Anna Maria Alberghetti, die später auch in „West Side Story“ oder „Cabaret“ mitwirkte. Aber auch Lampenputzer Aladdin ist hin und weg von seiner Prinzessin. Ihn verkörpert der in den 50ern äußerst populäre Teenagerdarsteller Sal Mineo.

1958 stand Cole Porters Stern schon nicht mehr ganz so hoch. Gesundheitlich war Porter schwer angeschlagen, seine letzten Broadway-Shows hatten zwar Erfolg, wurden von der Kritik aber nicht mehr besonders gut aufgenommen. Schließlich blieben ihm nur noch Film—und Fernseharbeiten. Das war aber nicht unbedingt das Schlechteste. Auch andere Broadwaygrößen wie Lerner und Loewe oder Rodgers und Hammerstein schrieben seinerzeit Märchenmusicals fürs Fernsehen. „Aladdin“ ist aber nicht nur Märchen, Herzschmerz und Exotik. Es gibt auch witzige Comedy-Songs wie das Lied vom Supermarkt in Old-Peking, wo man nicht nur Nudel-, sondern auch Pudelsuppe kriegen kann.

Das Lied vom Supermarkt in Peking ist der einzige Song aus „Aladdin“, der heute noch bekannt sein könnte. Barbara Streisand hat ihn zum Beispiel auf ihrer ersten Platte nachgesungen. „Aladdin“ aber war alles andere als ein Erfolg, auch wenn Porters Musik hier nicht besser und nicht schlechter ist als die seiner Broadway-Shows. „Aladdin“ wurde im Fernsehen nie wiederholt und erschien auch später nicht auf Video oder DVD. 1959 gab es noch einmal eine Aufführung an einer Londoner Bühne und immerhin war die Musik zwischenzeitlich auf Tonträgern erhältlich. Ansonsten aber geriet Porters letztes Werk in Vergessenheit

Erschienen ist „Aladdin“ nun auf CD in der Reihe Naxos-Musicals. Im Hause Naxos hat man sich schon seit einigen Jahren Verdienste erworben, wenn es um die Restaurierung historischer Muscialaufnahmen geht. Herausragend waren zuletzt die Wiederver-öffentlichungen von Bernsteins „West Side Story“ oder auch Porters „Kiss me Kate“ mit den Uraufführungs-Besetzungen. Diese Aufnahmen sind auch vorher—genau so wie „Aladdin“—schon auf CD erschienen, aber sie klangen noch nie so gut. Schade ist nur, dass man in den schmal gehaltenen Booklets so gar nichts über die gelungenen Restaurierungsarbeiten erfährt, auch Fotos von den Aufführungen sucht man vergeblich. Dafür sind die CDs aber grundsätzlich randvoll gepackt mit akustischem Zusatzmaterial, in diesem Fall sind das die Demo-Aufnahmen zu „Aladdin“, die fast noch besser klingen als die Show selbst und der Soundtrack zu Porters letzter Filmmusik „Les Girls“ von 1957 mit Gene Kelly.





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