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ouverture - Das Klassik-Blog, April 2016

Konstantin Scherbakov spielt derzeit für das Label Marco Polo die Klaviermusik von Leopold Godowsky (1870 bis 1938) ein. Über den Lebensweg des Pianisten wurde in diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Er gehört ohne Zweifel zu den bedeutend- sten Klaviervirtuosen aller Zeiten. Außerdem hat Godowsky auch phantastische Musik komponiert, überwiegend für Klavier, die allerdings Interpreten einiges abverlangt—wahrscheinlich wird sie deshalb so selten gespielt.

Godowsky gilt als „Genie der linken Hand“. Er vertrat die Auffassung, die linke Hand habe „der rechten gegenüber vieles voraus, und es ist unrichtig zu glauben, daß die linke Hand weniger zur vollendeten Ausbildung befähigt sei als die rechte“, so schrieb er in seinem Geleitwort zu den 22 Studien für die linke Hand allein: „Die linke Hand bietet den Vorteil, den stärkeren Teil der Hand für den mehr hervorzuhebenden Teil der Melodie zur Verfügung zu haben, ebenso wie die stärkeren Finger die Oberstimme bei Doppelnoten und Akkorden führen. Dazu kommt, daß die linke Hand, die den unteren Teil der Klaviatur beherrscht, mit weniger Anstrengung und mehr Elastizität einen volleren, weicheren Ton—qualitativ und quantitativ der rechten Hand überlegen—hervorbringt.“

Um diese Stärken zur Geltung zu bringen, schrieb schrieb Godowsky nicht nur „normale“ Klaviermusik, sondern auch eine ungewöhnlich große Zahl Stücke ausschließlich für die linke Hand. Scherbakov lässt sich davon nicht schrecken; so enthält CD 11 neben den Six Pieces for both hands auch eine Suite sowie Prelude and Fugue for the left hand alone, dazu zwei Stücke namens Märchen und Moto Perpetuo sowie die brillanten Sympho- nic Metamorphoses on themes from the Gypsy Baron, ebenfalls für linke Hand allein. Auf CD 13 finden sich die Six Pieces in der ursprünglichen Version für linke Hand allein, sowie eine Vielzahl von Adaptionen und Bearbeitungen. Darunter befindet sich auch die sensible Übertragung von Der Schwan aus Karneval der Tiere von Godowskys verehrtem Lehrer Camille Saint-Saëns. Wie viel dieses Stück Godowsky bedeutet haben muss, bemerkt man daran, dass er sich dieses Arrangement auf seinem Sterbebett von einem Freund vorspielen lassen haben soll.

Die CD endet erneut mit Melodien von Johann Strauss, diesmal sind es Themen aus Die Fledermaus. Ein großartiges Programm, exzellent gespielt von Konstantin Scherbakov. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man daher sehr gespannt sein. © 2016 ouverture - Das Klassik-Blog





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