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Album Reviews



 
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Martin Demmler
Fono Forum, February 2020

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Ruth Renée Reif
Crescendo (Germany), December 2019

90 Alben in allen Farben des Regenbogens enthalten über 150 Werke. Um dem enzyklopädischen Anspruch gerecht zu werden, waren die Editoren bestrebt, auch all die unvollendeten Kompositionen, Fragmente und alternativen Werkfassungen aufzunehmen, die in der Neuen Beethoven-Gesamtausgabe verzeichnet sind.

So findet sich auf den Alben neben Aufnahmen von Herbert Blomstedt, der Pianisten Boris Giltburg und Jenö Jandó, der Geigerin Takako Nishizaki, des Bassisten Kurt Moll und vielen anderen bekannten Künstlern eine Reihe von Ersteinspielungen. Zudem wurden Transkriptionen von Beethoven-Werken mit einbezogen, die entweder von Beethovens eigener Hand oder der seiner Zeitgenossen stammen. Nicht zuletzt besticht die Box natürlich mit ihrem beispiellos günstigen Preis. Als Bonus gibt es zwei freie Downloads der Liszt-Transkriptionen von Beethovens Sinfonien und Liedern. © 2019 Crescendo (Germany)




Remy Franck
Pizzicato, October 2019

Seinem von Klaus Heymann propagierten enzyklopädischen Ansatz folgend, hat Naxos die Complete Edition von Beethovens Oeuvre auf 90 CDs herausgebracht, inklusive sämtlicher unvollendet gebliebener Werke sowie alternativer Fassungen und Beethovens Transkriptionen eigener Werke für verschiedene Besetzungen. Kein Wunder, dass es in diesem Set jede Menge Weltersteinspielungen gibt. Und das alles für 100 Euro! Die Liste der CDs und die Namen der beteiligten Musiker stehen am Edne dieses Beitrags.

Beginnen wir vorne, d.h. mit den Symphonien. Zu hören sind die Aufnahmen mit der Nicolaus Esterhazy Sinfonia, 1992 aus Mitgliedern des Ungarischen Sinfonieorchesters und anderer ungarischer Orchester gegründet, zunächst als reines Aufnahmeorchester für Naxos.

Der Dirigent Bela Drahos geht den Beethoven-Zyklus recht entspannt an, mit klarem und präzisem Spiel, sehr farbig und mit schöner Präsenz der Holzbläser. Die Tempi sind meistens moderat, genau wie die Dynamik. Es gibt sicher attraktivere und spannendere Gesamteinspielungen der Symphonien, aber diese hier ist ohne Experimente doch ein gutes Middle of the Road-Angebot. Hier unsere 1996 in der Druckausgabe veröffentlichte Rezension der Neunten.


BEETHOVEN, L. van: Symphony No. 9, “Choral” (Papian, Donose, M. Fink, Otelli, Nicolaus Esterhazy Sinfonia, Drahos)

Eine gute Neunte!

Ich finde keinen Grund ihn zu verurteilen, sagte Pilatus zu den Juden, nachdem er Jesus verhört hatte. Ich finde keinen Grund, etwas Schlechtes über diese Neueinspielung der Neunten Symphonie Beethovens zu schreiben. Sie ist erfüllt von kommunikativer Frische, schlüssig sowohl in der völlig unmanieriert und in allen Hinsichten gemäßigten Lesart als auch in den durchwegs schnellen Tempi. Und der Dirigent Bela Drahos hat Solisten, Chor und Orchester zu einer wirklich guten Leistung angespornt.

Gewiss, mit den besten der Spitzenaufnahmen kann sich die Einspielung nicht messen, aber ist sie weitaus besser als manche  Interpretation, die mit bekannten Namen wirbt (Ich denke z.B. an Abbados Salzburger Aufnahme bei Sony). Es ist eine unprätentiöse, ehrliche und rundum überzeugende Interpretation, viel gute Musik für wenig Geld! Im Detail seien noch die exzellenten Bläserleistungen zu würdigen sowie die strahlende Sopranstimme von Hasmik Papian, jener Sängerin, die uns hier in Luxemburg in so manchen denkwürdigen Opernaufführungen schon so viele schöne Stunden bescherte.

Ouvertüren und Tänze vervollständigen das symphonische Angebot. Die Klavierkonzerte gibt es mit Stefan Vladar und der Capella Istropolitana unter Barry Wordsworths. Sicher nicht der größte Wurf, aber doch nicht unattraktiv, da Vladar angenehm rhetorisch spielt.

Hier eine 1997 in unserer damaligen Druckausgabe veröffentlichte Rezension.


BEETHOVEN, L. van: Triple Concerto / Piano Concerto, Op. 61a (Dong-Suk Kang, Kliegel, Jandó, Nicolaus Esterházy Sinfonia, Drahos)

Tripelkonzert als Sinfonia Concertante

Der ungarische Flötist und Dirigent Bela Drahos sieht das Tripelkonzert aus der Sicht der Sinfonia concertante. Virtuose Ausflüge sind eher selten und die drei Solisten Kang, Kliegel und Jando fühlen sich eher als ein Teil des Ganzen. Und so bietet diese hochmusikalische Version eine interessante Alternative zu den großen sinfonischen und virtuosen Interpretationen.

In der Klavierversion des Violinkonzerts bedauert man den etwas harten, unflexiblen Anschlag Jeno Jandos, während die Nicolaus Esterhazy Sinfonia  unter Bela Drahos auch hier sehr gute Arbeit leistet.

Takako Nishizaki spielt das Violinkonzert sowie die beiden Romanzen in ihrer virtuosen und zugleich sensiblen Art, sehr unterstützend begleitet von der Slowakischen Philharmonie. Interessant auf dieser CD, der 13. im Set, ist ein Fragment für ein Violinkonzert in C-Dur, ein Teil eines Allegro con brio-Satzes, der zwischen 1790 und 1792 entstand. Der sehr gefällige, Mozart-nahe Satz wird von dem heute 32-jährigen Jakub Junek kraftvoll-rhetorisch gespielt.

Der Löwenanteil der Solo-Klavierwerke gehört dem ungarischen Pianisten Jeno Ando. Er spielt einen durchaus guten, wenn auch nie wirklich außergewöhnlichen Beethoven, wobei ihm die kleineren Stücke, die Bagatellen, deutschen Tänze etc. besonders gut gelingen, weil es ihm ganz offensichtlich Spaß machte, diese Miniaturen aufzuwerten.

Naxos hat letztlich aber vorgezogen, drei der Sonaten der Jando-Gesamtaufnahme durch Einspielungen von Boris Giltburg zu ersetzen. Hier die entsprechende Pizzicato-Rezension:


BEETHOVEN, L. van: Piano Sonatas Nos. 8, 21, 32 (Giltburg)

Persönlich und ausdrucksvoll

Boris Giltburg ist ein anspruchsvoller Pianist. Für sein neues Beethoven-Album ließ er, wie Naxos mitteilte, eigens ein Klavier seiner Wahl einfliegen. Er bestimmte ebenfalls über jedes Detail des Aufnahmeprozesses mit, heißt es beim Label: « In der Person von Andrew Keener stand ihm auch bei seinem Beethoven-Album wieder ein Nestor der Producer-Szene zur Seite, der von Yehudi Menuhin über André Previn bis hin zu Marc-André Hamelin die größten Künstler der klassischen Musik aufnahmetechnisch betreut hat. Mit Phil Rowlands wurde ein Tonmeister verpflichtet, der in den 1980er-Jahren sein Handwerk bei den legendären Aufnahmen der ‘Academy of St Martin-in-the-Fields’ gelernt hat. » Giltburg hat auch selber einen sehr detaillierten Text über die gespielten Werke für das Booklet der CD verfasst, in der er seine durchaus persönlichen, gut durchdachten und fein nuancierten Interpretationen begründet.

Giltburg erreicht in den drei Sonaten dieses Programms, dass man ihm genauestens zuhört und gespannt verfolgt, welche Akzente er setzt, welche Kontraste er herausarbeitet, welche fein ausgewogenen agogische Biegungen, welche subtilen Farbveränderungen er vornimmt. Sein Beethoven lebt von geistiger Freiheit, aber auch von einer glücklichen Verbindung von Energie und Sensibilität.

Die Diabelli-Variationen werden von Konstantin Scherbakov gespielt. Hier die 1987 erschienene Pizzicato-Rezension.


BEETHOVEN, L. van: Piano Variations (Scherbakov)

Uneinheitliche Beethoven-Interpretationen

Wie schon bei seiner Debut-Aufnahme für EMI (Johann Strauss-Transkriptionen) kann der junge Konstantin Scherbakov nur teilweise überzeugen. Und wie schon bei den Walzer-Transkriptionen stört sein ungemein schwerfälliger Anschlag, der sich auch hier unangenehm durch die ganzen Diabelli-Variationen zieht. Einige lichte Momente in den langsamen Variationen  können das Gesamtresultat nicht verbessern, und die beiden seltenen Füller (Variationen zu Rule Britannia, Variationen zu God save the King) allein sind nicht unbedingt ein Grund, sich diese CD anzuschaffen. Zumindest erscheint Scherbakovs Spiel hier etwas angenehmer als bei den Diabelli-Variationen, jedoch wird man den Eindruck des Unfertigen nie ganz los.

Sergio Galli und Carl Peterson teilen sich die restlichen kleineren, oftmals rekonstruierten Stücke und Skizzen, die meisten davon in Ersteinspielungen. Wer glaubt, das sei eine Sisyphusarbeit, irrt, denn es ist schon interessant, Beethoven beim Suchen und Probieren zu begleiten.

Beethovens Förderer Graf Waldstein hatte ihn 1791 beauftragt, ein Ritterballett zu komponieren, das der Graf selbst produzierte und co-choreografierte. Waldsteins Ballett zeigt die mittelalterlichen deutschen Liebhaber von Krieg, Jagd, Liebe und Trinken in acht kurzen Pantomimen, die Beethoven illustrativ in Musik setzte.

Der aus Honkong stammende Klaviervirtuose Warren Leew spielt die Klavierversion der Geschöpfe des Prometheus.

Die Cellosonaten haben mit der Cellistin Kliegel und der Pianistin Nina Tichman bewährte Interpretinnen, die die Sonaten beseelt und eloquent spielen. Auch die kleineren Cellostücke werden von der Kliegel bedeutsam aufgewertet. Hier eine Rezension aus der Druckausgabe von Pizzicato im Jahre 2002.


BEETHOVEN: Cello Sonatas Nos. 1 and 2, Op. 5 / 7 Variations, WoO 46

Reines Musikglück

Beethovens Cellomusik ist zur Herausforderung für alle Interpreten geworden. So darf es denn nicht wundern, dass auch Maria Kliegel, die Hausinterpretin von Naxos, zusammen mit der amerikanischen Pianistin Nina Tichmann sich nun diesem bedeutsamen Repertoire für Cellisten zugewandt hat und eine erste CD mit Frühwerken Beethovens veröffentlicht hat.

Auffallend ist, wie gut die beiden Musikerinnen aufeinander eingespielt sind. Da spürt man eine echte, verständnisvolle Partnerschaft. Jede der beiden ermöglicht es der anderen, sich vollkommen zu entfalten. Wichtiger aber erscheint mir noch, wie gut die Musikerinnen aufeinander hören und eingehen können. Beeindruckend sodann der Kontrast zwischen dem warmen Tongebung Maria Kliegels und ihrer gekonnten Phrasierung, die das Liedhafte betont, und als Widerpart und zugleich als echte Partnerschaft, Nina Tichmann, die auf Strenge und klare Strukturierung hält und der Cellistin damit ein umso sichereres Fundament bietet, als beide Interpretinnen sich durch ihre rechte Musikalität auszeichnen.

Eine Überraschung ist schon die erste Einspielung: ein Arrangement der bekannten Horn-Sonate für Cello und Klavier, die temperament- und klangvoll dargeboten wird. Besonders schön werden dann die langsamen Einleitungssätze der beiden zweisätzigen Sonaten von Opus 5 aufgebaut. Das beseelte Spiel mit seinen vielen feinen Schattierungen führt mit Konsequenz und Zielstrebigkeit zu den vitalen, schon fast vor Unbeschwertheit ausufernden Allegros. Das ist Können auf sehr hohem Niveau!

Ebenso beeindruckend sind die sieben wunderschönen Variationen zum ‘Zauberflöten’-Thema des Pamina-Papageno-Duetts: ‘Bei Männern, welche Liebe fühlen’, die man selten so innig, fein und ‘zärtlich’ gehört hat: Fast zwanzig Minuten reines Musikglück, auch und gerade, weil die Klangbalance zwischen beiden Instrumenten optimal von den Tontechnikern eingestellt worden ist.

Zu den Höhepunkten der Naxos-Beethoven-Box gehören die Einspielungen der Klaviertrios mit dem Xyrion Trio.


BEETHOVEN, L. van: Piano Trios, Vol. 1 - Piano Trios Nos. 5, 6, 10 (Xyrion Trio)

Spitzen-Trio

Es ist eine reine Freude, sich diese Naxos-CD abzuhören. Drei hochkarätige Musikerinnen, Nina Tichman, Klavier, Ida Bieler, Violine, Maria Kliegel, Cello, stehen für Qualität, Spielfreude und Virtuosität. Und obwohl hier kaum neue Wege gegangen werden und uns dieser Beethoven sehr bekannt vorkommt, verpassen die drei Solistinnen dem Komponisten einen neuen Look.

Ausgehend von einer großen Beethoventradition werden hier Unmittelbarkeit und Spontaneität großgeschrieben. Man folgt den bekannten Linien, verpasst der Struktur allerdings eine Verjüngungskur. So sportlich und mitreißend hat man die Trios wohl schon lange nicht mehr gehört. Und dabei wirken die Interpretationen an keiner Stelle plakativ, sondern in der Ausführung immer ernsthaft und ehrlich. Geschärfte Kontraste, präzise Linienzeichnung, feine dynamische Abstufungen in den schnellen Sätzen wechseln mit subtiler Gestaltungsfähigkeit und weit ausschweifender Melodik in den langsamen Passagen, was natürlich insbesondere in dem wundervollen Largo des Geistertrios hervorragend zur Geltung kommt. Die äußerst dynamisch gespielten Variationen op. 44 sind eine willkommene Zugabe. Wir freuen uns schon auf die nächste CD dieser frischen Gesamteinspielung, der ich ohne zu Zögern Referenzcharakter zugestehe.


BEETHOVEN, L. van: Piano Trios, Vol. 2 - Piano Trios Nos. 1, 2, 9 (Xyrion Trio)

Spielfreude pur

Das Xyrion Trio setzt die Naxos-Reihe mit den Beethoven-Trios mit unvermindertem Elan fort. Das Scherzo des 1. Trios aus dem Opus 1 muss man gehört haben, um zu ermessen, wie ‘burschikos’ und keck die drei Damen gegen etablierte Standards gehen und der Musik eine ungeahnte Frische geben. Das abschließende Presto derselben Sonate (oder jenes des zweiten Trios) steht dem Scherzo in Nichts nach. Die Spielfreude von Nina Tischman, Ida Bieler und Maria Kliegel ist umwerfend! Wenn Sie mal schlechter Laune sind oder müde, dann legen Sie diese CD ein: das ist ‘das’ Gegenmittel!

Doch auch zu seelenvoll sensibler Hingabe ist das Trio bereit, die langsamen Sätze liefern davon ein faszinierend differenziertes und nuancenreiches Zeugnis voller Sinnlichkeit.

So macht Kammermusik Freude, so erlangt sie eigentlich erst ihren Sinn, denn das Xyrion Trio will gar nichts demonstrieren, uns nicht primär verblüffen, sondern nur teilhaben lassen an der Musik!


BEETHOVEN, L. van: Piano Trios, Vol. 3 - Piano Trio No. 3 / Symphony No. 2 (arr. for piano trio) (Xyrion Trio)

Kammermusikalische Gretchenfrage

Das Cover ziert ein Bild von Caspar David Friedrich: ein wolkenverhangener Himmel und am Horizont dennoch ein Lichtstreifen. Der Blickfang der CD passt wunderbar zur Deutung, die das Xyrion-Trio von Beethovens c-Moll-Trio abliefert. Die drei Musikerinnen geben der klassischen Raffinesse den Vorzug gegenüber einer allzu dramatischen Ausgestaltung. In die dunklen Momente bringen sie immer wieder helle Klangepisoden ein. Sie gestalten das musikalische Geschehen der vier Sätze durchaus kraftvoll, energisch zupackend in einer konsequenten Entwicklung von kristallinen, glasklaren Episoden hin zu starker Expressivität. Sehr schöne Augenblicke erleben wir auch in der Trio-Fassung der 2. Symphonie. Der Komponist selbst hat diese Fassung gewissermaßen zum Hausgebrauch eingerichtet. Sie kann allerdings weder mit dem symphonischen Gehalt des Originals noch mit den eigentlichen Trio-Kompositionen Beethovens mithalten. Ob es also klug war, dieses Werk dem Klaviertrio aus Opus 1 an die Seite zu stellen? Diese Frage müssen sich die Produzenten stellen lassen.


BEETHOVEN, L. van: Piano Trios, Vol. 4 - Piano Trios Nos. 4, 8 (Hausmann, Kliegel, Tichman)

Unterschiedlich gut

Solide Aufnahmen der Beethoven-Trios für Klavier, Klarinette und Cello, in denen die beiden Damen auf dem Klavier resp. dem Cello eine sehr gute Figur machen und mit einem extrem dynamischen und virtuosen Spiel glänzen, während der Klarinettist Ib Hausmann etwas  zu brav und fantasielos aufspielt.

Beethovens Klavierquartette sind kaum bekannt. Es sind Stücke, die er im Alter von nur 15 Jahren komponierte. Man mag darin noch die Nähe zu Haydn und Mozart sehen, aber die Werke sind doch kühn und innovativ genug, um schon richtiger Beethoven zu sein.

Das New Zealand Piano Quartet spielt zwar recht lebendig und zupackend, aber technisch nicht immer so, wie man das heute erwarten darf. Besonders die Bratsche schmerzt…Hat denn niemand diese Intonationsprobleme vor der Veröffentlichung mitbekommen?

Die Streichtrios und -Quartette werden in den zwischen 1995 und 2008 entstandenen Einspielungen vom Kodaly Quartet gespielt.

Wie die ebenfalls aus Ungarn stammenden Symphonien sind dies Interpretationen, die kein Risiko eingehen und es etwas an Brio und Dynamik fehlen lassen. Dafür entschädigen eine sehr solide Technik,  ein fein homogener Klang, viele liebevoll herausgearbeitete Details und schönen warmen Farben.

Die restliche Streicher-Kammermusik wird vom Fine Arts Quartet dargeboten


BEETHOVEN, L. van: String Quintets, Opp. 29 and 104 / Fugue, Op. 137 (Fine Arts Quartet, Sharon)

Feiner Beethoven

Das Streichquintett in C-Dur op. 29 ist, wie im Booklet zu lesen ist, « eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Kammermusikgeschichte ». Entstanden ist das Werk zwischen den besser bekannten frühen und mittleren Quartetten, aber es ist durchaus kein Aschenputtel. Das zeigt diese sehr lebendige, wendige und kräftig konturierte Aufnahme mit dem Fine Arts Quartet, das auch mit dem originellen Quintett und Beethovens eigener Transkription seines frühen Klaviertrios in c-Moll und der Fuge in D-Dur in engagierten und fein ausbalancierten Interpretationen überzeugt.

Die Violinsonaten werden in den noblen, fein und sensibel musizierten Interpretationen von Takako Nishizaki und Jeno Jando angeboten.

Die übrigen Kammermusikwerke werden größtenteils in sehr guten Interpretationen mit diversen Solisten und Ensembles gespielt.

Beethoven-Freunde und Liebhaber von Flötenmusik werden sich über die Aufnahmen freuen, auf denen Patrick Gallois seine eigene Aufführungsversion der Variationen über Volkslieder op. 105 &107 für Flöte & Klavier spielt. Die mit vielen Verzierungen angereicherte Musik wird von Gallois und Maria Prinz am Klavier mit viel Frische und Spontaneität dargeboten.

Leif Segerstams Ruf als Beethoven-Dirigent ist fest etabliert. Ihm fällt die Aufgabe zu, in dieser Edition große Bühnenwerke und Chorkompositionen zu dirigieren.

Dazu gehört Beethovens Ballett-Musik Die Geschöpfe des Prometheus, eigentlich eine forsche Musik. Das wird in dieser erfrischenden, sehr handlungsbezogenen bzw. suggestiven Darstellung durch Leif Segerstam mehr als deutlich. Es ist dies eine wohltuend auf die dem Stück inhärente Dramatik konzentrierte Interpretation. Dennoch kommt es nirgends zu übertriebenen Darstellungen. Die Musik klingt ebenso natürlich wie inspiriert. Spürbar ist auch das Engagement des Turku Philharmonic, das sich dem Stück mit Hingabe und spürbarer Spielfreude widmet.


BEETHOVEN, L. van: Fidelio (I. Nielsen, Winbergh, K. Moll, Hungarian Radio Chorus, Nicolaus Esterházy Sinfonia, Halász)

Großartige Fidelio-Aufnahme

Man muss schon sehr weit zurückdenken, um eine wirklich gelungene Fidelio-Aufnahme in der reichhaltigen Diskographie der einzigen Beethoven-Oper auszumachen. Heutzutage scheint es genau so schwierig zu sein, einen ‚Fidelio’ gut zu besetzen wie einen ‚Tristan’ oder einen Ring. Nun trifft eine Neuaufnahme ein, die sich sofort unter den allerbesten (Furtwängler, Klemperer, Fricsay, Karajan und Bernstein) platzieren kann.

Michael Halasz setzt auf ein kleineres Orchester, was seiner Interpretation etwas an Dramatik nimmt und der die Oper in der direkten Linie von Mozarts ‚Don Giovanni’ zu sehen scheint. Das Klangbild ist luftiger, die Musik optimistischer in ihrer Aussage; insgesamt ist dieser Fidelio sehr klassischer angelegt.

Sängerisch ist die Einspielung vorzüglich. Inga Nielsen ist eine junge und rundum überzeugende Leonore, die zwar im zweiten Akt etwas in den Schatten von Gösta Winbergh gerät. Winbergh, der seine Karriere langsam aber sicher aufbaut, ist die eigentliche Entdeckung dieses Fidelio. Ein Heldentenor ohne stimmliche Schwierigkeiten, leuchtend in der Farbgebung und mit viel Metall in der Stimme. Darüber hinaus ist er immer wieder zu mozartschen Feinheiten fähig, die ihn als vielleicht derzeit besten Florestan ausweisen.

Alan Titus, der neue Bayreuther Wotan, ist ein persönlichkeitsstarker Pizarro, dessen Bösartigkeit einmal nicht durch stimmliche Unartigkeiten dargestellt wird, sondern der in seinen Arien immer der Gesangslinie verpflichtet bleibt. Kurt Moll ist als Rocco über alle Kritik erhaben, obwohl seine Stimme nicht über Abnutzungserscheinungen hinwegtäuschen kann.  Das Buffo-Paar ist mit Edith Lienbacher und Herwig Pecoraro sehr jugendlich und frisch besetzt. Lediglich der schmalbrüstige Wolfgang Glashof als Don Fernando ist enttäuschend. Alles in allem ist diese Fidelio-Produktion wärmsten zu empfehlen.

Leif Segerstam dirigiert auch König Stephan op. 117, ein äußerst selten zu hörendes Werk. Der Text stammt von August von Kotzebue und bezieht sich auf die Gründung des Ungarischen Reiches durch dessen ersten König Stephan I. Der Titelheld wird durch einen Schauspieler dargestellt, dessen Reden von Beethoven als Melodram vertont wurden. Claude Obalski spricht diese Rolle sehr einfühlsam. Das Turku Philharmonic spielt vital und dynamisch. Einen guten Eindruck hinterlässt auch der Chor Key Ensemble.

Selbstverständlich enthält die Edition auch die  Originalversion von Beethovens einziger Oper aus dem Jahr 1805, mit dem Titel Leonore. Hier griff das Label auf die alte Dresdner Aufnahme von 1976 unter Herbert Blomstedt zurück, gewiss eine der besten Einspielungen dieser Fassung, mit Edda Moser als Leonore und Richard Cassilly als Florestan. Die Staatskapelle Dresden musiziert unter Blomstedt mit guter Beachtung der Orchestrierung, die eigentlich gefälliger ist als in der bearbeiteten Fassung. Der Leipziger Rundfunkchor singt großartig.

Nicht so gut gefällt mir Leif Segerstams Aufnahme der Egmont-Schauspielmusik, die ein bisschen behäbig daherkommt. Und Matti Salminen ist zwar ein prominenter, aber nicht unbedingt überzeugender Sprecher.

Segerstam dirigiert danach das Fragment Vestas Feuer, eine interessante Arie für Tenor und Bass. In der knapp 13 Minuten langen Bühnenmusik zu J.F. Dunckers Leonore Prohaska, wird die Geschichte von einer jungen Frau erzählt, die, verkleidet als männlicher Soldat, in einem Befreiungskrieg kämpft. Es ist typischer Beethoven, nur überrascht hier die Verwendung einer Glasharmonika. Segerstam dirigiert dieses Stück sehr ausdrucksvoll.

Die komplette Bühnenmusik mit Narration von Die Ruinen von Athen op. 113 liegt als Welt-Ersteinspielung vor, immer noch unter der Leitung des unermüdlichen Leif Segerstam, der die Musik sehr stimmungsvoll und farbig, anmutig und wo nötig auch feierlich gestaltet.

Die 73. CD enthält die Kantate Der glorreiche Augenblick, die für die Eröffnung des Wiener Kongresses komponiert wurde, sowie die etwas häufiger gespielte Chorfantasie op. 80. Die Einspielung unter Hilary Davan Wetton, mit dem Royal Philharmonic und dem City of London Choir ist durchaus erfolgreich und packend.

Es folgt die Missa Solemnis, die wir 2004 im Pizzicato wie folgt rezensierten:


BEETHOVEN, L. van: Missa Solemnis (L. Phillips, Redmon, J. Taylor, Baylon, Nashville Symphony and Chorus, Schermerhorn)

Temperamentvolle Missa Solemnis

Die jüngste in der langen Reihe der Aufnahmen von Beethovens ‘Missa Solemnis’ zeichnet sich gleich mehrfach aus: Schermerhorn weist jeden Pathos resolut von sich und sucht das ‘Solemnis’, das ‘Feierliche’ eher in klanglicher Opulenz und einem glühenden musikalischen Eifer. Entsprechend engagiert und laut wird gesungen, zu laut manchmal. Und wenn Sekundärlinien, Farben und Nuancen bei Schermerhorn eine große Rolle spielen, so fehlt es seiner Interpretation doch an Atem, den Solisten, dem Chor und dem Orchester auch an Präzision. Und unter dem Strich kann sich diese temperamentvolle Interpretation höchstens im Mittelfeld, nicht aber unter den sehr guten Einspielungen der ‘Missa Solemnis’ platzieren.

Leif Segerstam dirigiert auf der CD Nr. 75 eine Reihe von kaum bekannten Chorwerken (darunter die sehr gefühlvoll musizierte Krönungskantate für Leopold II.) sowie die schön ausgewogen und expressiv aufgeführte C-Dur-Messe.

Dass Segerstam für Beethovens Chorwerke ein gutes Gespür und das richtige stilistische Empfinden mitbringt, zeigen auch die Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II., die sogenannte Trauerkantate, und das Oratorium Christus am Ölberge.


BEETHOVEN, L. van: Christus am Ölberge / Elegischer Gesang (Haapamäki, Myllys, Spångberg, Chorus Cathedralis Aboensis, Turku Philharmonic, Segerstam)

Segerstam mit hervorragendem Beethoven-Oratorium

Ludwig van Beethoven hat sein Oratorium ‘Christus am Ölberge’ 1803 in nur 14 Tagen in einer besonders hektischen Phase seines Lebens geschrieben. Das Libretto begreift die Ölberg-Szene und die Gefangennahme Christi nach dem Neuen Testament. Die Uraufführung fand bei einer denkwürdigen Mammutakademie am 5. April 1803 im Theater an der Wien statt, bei der auch die 2. Symphonie und das 3. Klavierkonzert zum ersten Mal erklangen.

« Wenn die Ouvertüre das Hauptgefühl concentriert aussprechen soll, welches das ganze übrige Stück zunächst beleben wird: so ist, schon in dieser Hinsicht, die vorliegende ein Meisterstück », schrieb der begeisterte Rezensent der Allgemeinen musikalischen Zeitung. Dennoch erlangte das Oratorium nie eine größere Popularität, was eigentlich unverständlich ist, denn das dramaturgisch gut aufbereitete Werk hat alles, um Freunden der Gattung zu gefallen.

In dieser Veröffentlichung zeigen sich Leif Segerstam, Chor, Orchester und Solisten als homogenes und suggestiv arbeitendes Ensemble, welches dem Geist des Stückes stilsicher gerecht wird.  Segerstam dirigiert oft recht langsam und sehr ausdrucksstark, mit wunderschön ruhigen Passagen und einem dramatischen Schlussteil.

Jussi Myllys hat eine leichte, weiche, aber prägnante Stimme, die sich für die Rolle des Christus gut geeignet. Die große, cremige, runde Stimme von Hanna-Leena Haapamäki ist sehr flexibel. Auch Niklas Spangberg ist in der Rolle des Petrus eine gute Besetzung. Der Chor ist hervorragend und sehr gut im Klangbild platziert, um eine maximale Dramatik zu erzielen.

Der Elegische Gesang op. 118 ist ein passender Füller für diese attraktive CD.

11 CDds sind für das umfassende und immer noch wenig bekannte Liedschaffen Beethovens reserviert. Die Lieder erklingen hier mit ungekürztem Text und in sämtlichen Fassungen, gemäß der Gesamtausgabe der Beethoven-Werke.

Dieser musikalische Kosmos, der immer noch wegen der Vielzahl der symphonischen Werke, der Kammermusik und der Sonaten kaum wahrgenommen wird, ist überraschend vielfältig und musikalisch von höchster Qualität. Die Lieder sind oft vom Klavier, häufig aber auch von anderen Instrumenten oder Ensembles begleitet.

Ein Heer von Sängern und Instrumentalkünstlern hat sich dieser Lieder angenommen und präsentiert sie auf den 11 CDs auf oft hohem, meistens gutem und hin und wieder auch unzureichendem Niveau. Zu den Interpreten gehören auch so bekannte Künstler wie Hermann Prey, Georg Poplutz, Siegfried Lorenz, Rainer Trost und Pamela Coburn.

Auf der zweitletzten CD begegnen wir wieder Leif Segerstam mit den Arien und anderen Werken für Stimme und Orchester. Die Stimmen sind nicht herausragend gut, können aber weitgehend zufriedenstellen.

Lustig geht’s dann auf der letzten, der 90. CD zu, mit den Kanons und Musikalischen Späßen, zum Teil auf Beethovens eigene Texte. Ein köstlicher Abschluss! © 2019 Pizzicato





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