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Stefan Pieper
Klassik heute, August 2019

Die Worte, mit denen André Parfenov im Booklet die Leistung Johann Sebastian Bachs würdigt, sind genauso hellsichtig, wie er auf dieser neuen Naxos-CD die Goldberg-Variationen spielt. So stellt er die genialen Symbiose aus vertikalen und horizontalen Konstruktion heraus, gibt seiner Hochachtung Ausdruck, dass bei aller logisch-genialen Stimmführung auch immer die harmonische Mischung einen emotionalen Wesenskern trifft. Solch ehrfürchtiges Verständnis des Notentextes ist hier der Schlüssel für eine Interpretation, die eine Aussage transportiert und auch spielerisch keine Wünsche offen lässt: Wie er die Goldberg-Varationen in ihren Tiefendimensionen durchdringt, wie er den strukturellen Bezugen und formalen Geniestreichen mit allen heutigen pianistischen Mitteln zu Leibe rückt—das produziert ein durch und durch erfrischendes, aufklärerisches Hörerlebnis! Parfenovs Sache ist nicht das museal-historisierende, sondern umso mehr ein temperamentvoller Zugriff, der aus dem Heute kommt, das, in ausgesuchten Momenten den Spannungslevels emphatisch steigert. Doch bleibt Parfenov dabei ein gründlich Analysierender und Forschender, der über die innere Mechanik dieser Kompositionen das Staunen nicht verlernt hat.

André Parfenov ist ein kreativer Musikschöpfer und -vermittler, der sich nicht einfach mit der konventionellen Interpretenrolle abfindet. Gerne improvisiert er im Konzert, ebenso bereichert er als fantasievoller Komponist die musikalische Gegenwart. In seinen eigenen New Goldberg Variations beantwortet er im zweiten Teil dieses Programms Bachs Zyklus durch betont freigeistige, sehr abwechlungsreiche, teilweise skizzenhaft verdichtete Stücke. Denn es wäre doch vermessen, Bachs ohnehin vollkommenes Schaffen nochmal abzukupfern und damit einfach nur virtuose Spielchen zu treiben. Davon distanziert sich Parfenov so weit wie möglich, wenn hier zwar noch thematisches Material aus den „Originalen“ variiert wird, dieses aber in ganz anderen, bewusst subjektiv gehaltenen Kontexten weiterlebt. In klanglicher Verfremdung wird die Introduktion zitiert, danach folgen freigeistige, virtuose Abschweifungen, gerne auch mit explosiven Temperamentsausbrüchen, funkeln postromantische oder impressionistische Klangflächen, kommen später auch atonale Verfahren ins Spiel. Und analog zu Bach, der im Kern eine rhythmisch treibende Musik schreibt, fühlt sich Parfenov zu swingender Jazzidiomatik inspiriert, was die eigene Spiellust noch weiter anstachelt. Das schließt auch erfrischend unkonventionelle Tango-Passagen mit ein, wie sie ebenfalls zu Parfenovs Markenzeichen gehören.

Fazit: Parfenov würdigt in diesen Stücken Bach aus dem Blickwinkel des 21. Jahrhunderts heraus, wo alle Errungenschaften und Paradigmenwechsel der Musikgeschichte frei verfügbar offen liegen. Hieraus kreativ zu schöpfen, ist ein viel aufrichtigeres Unterfangen, als einen großen Meister zu imitieren, der sowieso immer konkurrenzlos bleiben wird. © 2019 Klassik heute




Hans Ackermann
kulturradio vom rbb, July 2019

Der Pianist André Parfenov interpretiert Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen—und präsentiert im Anschluss auch gleich noch seine eigenen “New Goldberg Variations”.

Das Thema der originalen Goldberg-Variationen lässt der 1972 in Russland geborene Pianist noch weitgehend unangetastet. Doch gleich nach der versonnenen Aria schlägt die Moderne buchstäblich mit voller Wucht zu.

Neue Variationen

“Quarten” hat Parfenov diese erste Variation überschrieben. Das barocke Vorbild ist in dieser Paraphrase nur noch ganz entfernt hinter mächtigen Akkorden zu erahnen. In den folgenden Variationen präsentiert der Pianist dann ein offenkundig nicht nur von Bach inspiriertes Werk, in dem unbegrenzt scheinende stilistische Fähigkeiten aufblitzen—mal impressionistisch verträumt wie Debussy, dann wieder spätromantisch-elegisch wie Rachmaninow. Und in der siebten Variation meint man, fröhliches Pop-Piano zu hören, gefolgt von einer verhangenen Jazzballade.

Die akademische Avantgarde ist mit einer “Serie” vertreten, eine “Toccata” führt die “New Goldberg Variations” schließlich in ein tänzerisches Finale. Über einem leicht verfremdeten lateinamerikanischen Grundrhythmus verbindet sich dort die Freiheit des Jazz mit der klanglichen Vielfalt der zeitgenössischen Moderne.

Altes Vorbild

Bevor André Parfenov auf diesem Album seine eigene Meisterschaft im modernen Kontrapunkt vorführt, spielt er zunächst Bachs originale Goldberg-Variationen—und zeigt sich auch hier als stilsicherer und authentischer Interpret. Sein Bach ist schlank und direkt, kraft-und klangvoll, gespielt ohne übertriebene Ehrfurcht, aber mit großem Respekt. Ihn habe interessiert, was Bach wohl “beim Anblick des leeren Notenblattes” empfunden haben mag—diesen schöpferischen Akt, diese “Genesis” nachzuempfinden, ist André Parfenov auf dieser CD mit beiden Goldberg-Variationen hervorragend gelungen. © 2019 kulturradio vom rbb





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