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Album Reviews



 
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Thomas Baack
Klassik heute, January 2020

Im Jahre 1881 taten sich der Mitbegründer des Stuttgarter Konservatoriums und Professor für Klavier dortselbst Sigmund Lebert sowie Vincenz, der jüngste der drei Lachner-Brüder und Franz Liszt für Herausgabe der fünf Klavierkonzerte Ludwig van Beethovens zu einem Team zusammen. Diese erfolgte in dreierlei Form: a) mit von Liszt bearbeitetem Orchesterpart für zweites Klavier, b) für Klavier und Streichquintett mit Kontrabass in der Bearbeitung Lachners, c) mit vollständigem Orchestermaterial. Der Solo-Klavierpart wurde von Lebert und Liszt gemeinsam eingerichtet.

Kammermusikfassungen für Salon und reisende Virtuosen

Konzert-Bearbeitungen für zwei Klaviere sind auch noch heute als Einstudierungshilfen kaum verzichtbar. Aber wieso eine Fassung des Orchesterparts für zwei Violinen, Viola, Cello und Kontrabass? Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert des Klaviers, des einzigen Mediums, das sich vor der Erfindung des Phonographen zur Wiedergabe komplexerer Werke eignete. Viele Laien spielten das Instrument auf hohem Niveau, hätten aber Probleme gehabt, ein vollständiges Orchester in ihren großbürgerlich weiträumigen Salons unterzubringen. Außerdem bereisten Klaviervirtuosen auch kleinere Städte, die über kein eigenes Orchester verfügten, jedoch häufig mit ein paar befähigten Streichern aufwarten konnten. Für diese Situation hatte bereits Johann Nepomuk Hummel Klavierkonzerte seines Lehrers Mozart eingerichtet. Auch existieren zeitgenössische Berichte, dass Chopin seine Konzerte in dieser Besetzung aufführte.

Neue Erkenntnisse durch reduzierte Besetzung?

Durch die auf fünf Solostreicher reduzierte Orchesterbesetzung—Lachner empfahl durchaus auch eine Mehrfachbesetzung—werden in den Mittelstimmen vielfach Details hörbar, die in Aufführungen mit größerem Klangapparat zumeist untergehen. Auch erlaubt die geringere Klangmasse der Solistin einen differenzierteren und kammermusikalischeren Gestaltungsansatz. Durch das geschickte Arrangement Lachners vermisst man Bläser und Pauke keineswegs. Somit sind die Bearbeitungen—zumal das Notenmaterial im Internet kostenlos zur Verfügung steht—auch heute für angehende Pianisten, die sich auf ein Hochschulstudium vorbereiten, für informelle Konzerte durchaus von Interesse.

Hanna Shykayeva gestaltet den Solopart souverän, artikuliert deutlich,—wobei ihr auch ihr exzellentes jeu perlé zugutekommt—und mit feiner Differenzierung der Dynamik. In diesem Ansatz wird sie vom Utrecht String Quartet und Luis Cabrera am Kontrabass optimal unterstützt. Erstaunlich, welchen Farbenreichtum und—wo im Tutti gefordert—welche dynamische Wucht die fünf Streicher hier entwickeln.

Die Aufnahme ist außerordentlich gut durchhörbar, detailliert und farbensatt. Das Booklet bietet die nötigen Hintergrundinformationen.

Fazit: Wer Beethovens drittes und viertes Klavierkonzert einmal in anderer Form hören möchte, sollte hier zugreifen. Besonders im Jubiläumsjahr, in dem wir uns vor Wiedergaben der Originale im Radio und im Konzert kaum werden retten können. © 2020 Klassik heute



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2020

Der tüchtige Musikus Lachner aus Oberbayern hat von zahlreichen Klavierkonzerten Mozarts Bearbeitungen für Klavier und Streichquartett ( in einigen Fällen erweitert um einen Kontrabass) vorgelegt. Das war Ignaz Lachner, der ältere Bruder von Vincenz. Vincenz Lachner (ja er hat mehr und Besseres als Männerchöre geschrieben), Komponist und Dirigent u.a. am Kärntnertortheater in Wien und später in Mannheim, unternahm gemeinsam mit Sigmund Lebert das Projekt, alle Klavierkonzerte Beethovens zu bearbeiten. Im Erstdruck der Ausgabe von 1881 steht zu den Zwecken und multiplen Aufführungsmöglichkeiten folgendes: „Beethovens Klavier-Concerte für Klavier allein sowie mit Begleitung eines zweiten Pianoforte, eines Streichquintetts (oder Orchesters) für das Studium und für den Concertsaal.“

Bei dem nun von NAXOS vorgelegten Album handelt es sich um eine Tonträger-Novität dieser äußerst reizvollen Kammermusikversionen. Es ist als erste Folge eines vollständigen Zyklus von Vincenz Lachners Transkriptionen aller Beethoven-Konzerte konzipiert. Zur Zeit der Entstehung ging es um die optimale Verbreitung von Werken als auch um die Befriedigung des hausmusikalischen Bedarfs, hatte sich doch das Klavier im Biedermeier als Hauptinstrument in bürgerlichen Häusern etabliert. Im Beethoven-Jahr 2020 soll und darf auch Raum sein für historische und neue Bearbeitungen extrem bekannter und populärer Werke wie den Klavierkonzerten des Jubilars.

Die weißrusssiche Pianistin Hanna Shybayeva konzertiert seit ihrem 11. Lebensjahr. Mit dieser Einspielung setzt sie fort, was sie mit dem Kammermusikprojekt „Symphonic Intimacy“ und dem Ysaÿe Streichtrio begann: Sie hat sich gemeinsam mit dem Utrecht String Quartet und dem Spanier Luis Cabrera (Kontrabass) die Klavierkonzerte Nr. 3 und 4 von Beethoven in der Streichquintettfassung von Lachner vorgenommen.

Wie wenig doch bei dieser erstaunlich volltönenden Version das Orchester abgeht. Natürlich steht das Klavier noch mehr im Vordergrund als bei einem groß besetzten Konzert. Hanna Shybayeva pflegt einen temperamentvollen, kraftvoll zupackenden und dennoch kristallin klaren Stil, der perfekt mit dem orchestral aufspielenden niederländischen Ensemble harmoniert. Beethoven wird hier nicht überästhetisiert, er ist nicht nivelliert geschönt, sondern fasziniert gerade in all seiner Aufgerautheit, den dicht kontrastierenden Affekten, der so individuell getönten martialisch bis zarten Gestik. © 2020 Online Merker




Norbert Tischer
Pizzicato, November 2019

Vinzenz Lachner hat sich, wie Bruder Ignaz, für die Transkription großer Meisterwerke für kammermusikalische Ensembles stark gemacht. Die Pianistin Hanna Shybayeva hat nun zusammen mit dem Utrecht String Quartet und dem Kontrabassisten Luis Cabrera Vinzenz Lachners Arrangements von Beethovens Klavierkonzerten Nr. 3 & 4 eingespielt. Diese Aufnahme ist die erste Folge eines vollständigen Zyklus von Lachners Transkriptionen aller Beethoven-Konzerte.

Die Frage, ob der Musikfreund heute solche Aufnahmen braucht, stellt sich allein schon deswegen, weil die Zielsetzung der Bearbeitungen früher eine andere war: sie sollten die Werke einem breiteren Publikum zugänglich machen. Das ist natürlich heute nicht mehr notwendig.

Dennoch kann eine solche Aufführung etwas bringen, wenn tatsächlich die musikalischen Eckwerte stimmen. Und das ist in diesen Einspielungen gegeben. Der Dialog zwischen der Pianistin und den Streichern funktioniert bestens, und die letztgenannten tragen maßgeblich zur Ausdruckskraft der Musik bei. Bemerkenswert ist auch bei gleichzeitiger Dichte und Fülle, die Transparenz des Streicherklangs. Das Quartett und der Kontrabassist setzen dabei nicht unbedingt auf Schönklang, sondern langen auch mal kräftig zu, dass die Saiten ächzen. Aber sie können genau so lyrisch spielen. Hanna Shydayeva spielt sich nie in den Vordergrund und ist immer darauf aus, mit ihren Kollegen zusammen Beethovens Botschaften zu fokussieren. © 2019 Pizzicato





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