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Album Reviews



 
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Norbert Tischer
Pizzicato, August 2014

Für ‘Music for Two’ (1984/87) erfand John Cage ungeahnte Klangmöglichkeiten im Klavier. Manchmal klingt der Flügel wie eine Flöte, manchmal wie ein Schlagzeuginstrument, dann wieder wie ein Schiffswrack, dessen leerer Rumpf, durch Wellen bewegt, grunzende Töne von sich gibt… Xenia Pestova und Pascal Meyer sind wahre Meister im Umsetzen dieser Klangvorstellungen des Komponisten, und es gelingt ihnen eine faszinierende Interpretation von pathetischer Größe.

Der Kontrast zwischen dem Ernst dieser Komposition und den ‘Three Dances for prepared piano’, die bereits 1945 entstanden, könnte nicht größer sein. Die drei Tänze, die in gewisser Weise schon minimalistisch sind, benutzen die Klaviere als (exotische) Schlagzeuginstrumente, mehr oder weniger virtuos, immer aber drängend und motorisch. Das Duo spielt mit raffinierten Klangfärbungen und einem atemlosen Drive. Die Bahamas und Jamaika sind genau so nah wie Java und Bali… © 2014 Pizzicato



Rainer Aschemeier
The Listener, August 2014

CAGE, J.: Works for 2 Keyboards, Vol. 1 (Pestova, Meyer) 8.559726
CAGE, J.: Works for 2 Keyboards, Vol. 2 (Pestova, Meyer) 8.559727
CAGE, J.: Works for 2 Keyboards, Vol. 3 (Pestova, Meyer) 8.559728

Auf diese CD-Rezension freue ich mich seit Monaten, denn das, was ich hier besprechen möchte, ist nicht weniger als der seltene Fall einer echten, wahren, dauerhaften und genialen Referenzeinspielung. Und dabei reden wir nicht von „nur“ einer CD, nein, wir reden von einer ganzen Serie. Drei Teile umfasst die Reihe „John Cage—Works for two pianos“, die in Regie des sehr geschätzen Kollegen Remy Franck (u.a. Herausgeber des luxemburgischen First-Class-Klassik-Magazins pizzicato ) produziert wurde.

Die ausführenden Interpreten sind Xenia Pestova und Pascal Meyer, besser bekannt als das Pestova/Meyer Piano Duo. Alles, wirklich alles, an dieser John Cage-Edition ist absolut phänomenal. Das geht von der von Grund auf überzeugenden Interpretation von Pestova und Meyer bis hin zur ausgeklügelten Klavierpräparation (bei den Stücken für präpariertes Klavier) sowie bis zum durchgehend überzeugenden Klangbild dieser Aufnahmen.

„Works for Two Keyboards“—erschienen in der seit langem schon hervorragende Standards aufweisenden Serie „American Classics“ bei Naxos—ist eine in vielerlei Hinsicht löbliche Unternehmung. Das bezieht sich nicht nur auf die stupende Qualität dieser Produktion, sondern auch auf den Repertoirewert. Immerhin sind Cages Werke für zwei Klaviere/präparierte Klaviere/Spielzeugklaviere nicht gerade das am meisten eingespielte Œuvre des umstrittenen US-Amerikaners. Dabei stellt sich aber heraus, dass einige Kompositionen Cages (wenn man das so bezeichnen kann, denn auch im Segment für zwei Klaviere regiert bei Cage in vielen Fällen die Aleatorik, also der Zufall) zu seinen besten, wenn vielleicht auch nicht unbedingt zu den besonders visionären gehören. Seine „Three Dances“ für präparierte Klaviere etwa (enthalten auf Teil II der Edition), sein gigantisches, in dieser Einspielung fast 43 Minuten umfassendes „number piece“ „Two2“ (enthalten auf Teil III) sowie die „Music for amplified toy pianos“ und „A Book of music for two prepared pianos“ (beide enthalten auf Teil I) sind in meinen Augen veritable Hauptwerke Cages, die jeder, der sich für die Musik des Komponisten und Pilzkenners begeistern kann, unbedingt gehört haben sollte.

Fazit: Genial, genial, genial. Wenn nur alle John Cage-Produktionen so gelungen wären, wie diese Reihe aus drei CDs, die man sich schnellstens ins Regal stellen sollte. Cages Musik bleibt faszinierend, gerade auch deswegen, weil man nie sicher sein kann, wie sie verstanden werden kann. Vermutlich ist das beste Mittel zum Zugang dieser Musik, den Verstand einfach auszuschalten und sich dem reinen Klangeindruck hinzugeben. Ich denke, damit käme man Cages Intentionen in mancher Hinsicht am nächsten. © 2014 The Listener





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