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Album Reviews



 
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swy
donaukurier.de, October 2013

George Gershwins „Rhapsody In Blue“ ist wohl nichts weniger als das frühe 20. Jahrhundert im Klangzusammengefasst. Auch fast ein Jahrhundert nach seiner Entstehung hat das Stück nichts von seiner Faszination verloren. Nun liegt est in einer neuen Einspielung des Buffalo Philharmonic Orchestra in preiswerter Form vor. Wobei der Preis nichts über die Qualität aussagt. Denn so eindringlich und energisch geformt wie Rhapsody in Blue hier unter der Dirigentin JoAnn Falletta interpretiert wird, hat man das Werk selten gehört. © 2013 donaukurier.de



Rainer Aschemeier
The Listener, June 2013

Seit Langem ein Highlight im Produktportfolio des Naxos-Labels ist die CD-Reihe „American Classics“. Betrachtet man die gesamte Serie im Überblick, spricht viel dafür, dass wir es dabei mit der bislang vielleicht qualitätvollsten Edition im unüberschaubar weitläufigen Naxos-Universum zu tun haben.

Nun erscheinen geballt auf einer CD einige der größten orchestralen „Hits“ aus dem George Gershwin-Werkkatalog. Wer Gershwin hört, denkt natürlich sofort an die „Rhapsody in Blue“. Dabei ist weithin wenig bekannt, dass das Stück von Gershwin einst für eine kleine Besetzung komponiert wurde, während das Stück, das heute allerorten von den Symphonieorchestern gegeben wird, eigentlich ein Arrangement von Ferde Grofé ist – also von jenem amerikanischen „Impressionisten“, der mit seinen Suiten, die jeweils amerikanischen Großregionen und/oder Naturmonumenten gewidmet sind, zu denjenigen gehörten, die wussten, wie man durch gekonnte Orchestrierung Eindruck schindet.

Grofés „Rhapsody“-Variante hat sich in ihrer nunmehr 89-jährigen Geschichte als immens wandlungsfähig gezeigt. Sie ist nicht nur ein Brillierobjekt für Pianisten in aller Welt, sondern legt auch offen und ehrlich die Qualitäten eines Orchesters bloß. Denn Gershwin bzw. Grofé haben das Orchester hier wie eine riesige Big-Band behandelt, hoben immer wieder Instrumente solistisch oder als „Sections“ aus dem Ensemblesound heraus.
Wenn ein Orchester Schwächen in einzelnen Abteilungen hat, hört man es deswegen in diesem Stück (ähnlich übrigens wie bei Maurice Ravels „Boléro“) besonders gut. Am Rande bemerkt: Ich empfehle „Anfängern“, die sich in der Beurteilung unterschiedlicher Einspielungen etwas einüben möchten, immer zuerst Gershwins „Rhapsody“ und Ravels „Boléro“ als „Studienobjekte“.

Nun also liegt hier eine Neueinspielung des Gershwin-Grofé-Klassikers durch das Buffalo Philharmonic Orchestra unter JoAnn Falletta vor. Falletta gilt in den USA (zumal x-fach Grammy-nominiert) als Star der US-Klassik. International hat sie sich als derzeitige Chef-Dirigentin des Ulster Orchestra und als Gastdirigentin beim Niederländischen Rundfunk ebenfalls einen guten Ruf erworben.

Das Buffalo Philharmonic überzeugt auf dieser neuen CD durchaus – und zwar mehr, als es manch renommierteres angebliche Weltklasse-Ensemble vorgemacht hat. Besonders die Blechbläser des Orchesters sind eine Wucht: So jazzig, rhythmisch, einfach „groovy“, dazu mit einem samtweichen Sound gesegnet, der sich weniger strahlend und brillant daherkommt, als vielmehr schön fett und satt.
Es ist meiner Meinung nach kein bloßes Klischee, dass US-amerikanische Orchester bei diesem Repertoire häufig eine bessere Figur machen, als internationale Ensembles außerhalb der USA. Das Ensemble aus Buffallo zeigt einmal mehr, dass bei einer US-Einspielung der „Jazz-Faktor“ dieser Musik viel deftiger ausgekostet wird, als bei den deutlich häufiger impressionistisch-symphonisch angelegten Pendants aus Europa.

Wer bei der „Rhapsody“-Einspielung aus Buffallo nach Schwächen sucht, wird an drei Stellen fündig: Das größte Problem ist sicherlich Solist Orion Weiss, der hier nicht nur an manchen Stellen etwas bemüht wirkt, sondern vor allem eine relativ unpersöhnliche, nicht gerade vor Individualität strotzende Aufnahme vorgelegt hat. Des Weiteren kann mich das vergleichsweise langsame Tempo der Aufnahme, die mit 18:28 min. zu den derzeit verfügbaren Aufnahmen mit der längsten Spieldauer dieses Stücks gehört, nicht überzeugen. Immer wieder kommt es zu Längen, die man womöglich hätte umschiffen können, wenn man ein etwas zügigeres Tempo vorgelegt hätte. Drittens erweist sich die Besetzung des Orchesters als nicht gut ausbalanciert: Die Bläser überdecken stellenweise die Streicher. So gern, wie ich die Bläser des Orchesters aus Buffalo auch höre: Die Streicher dürften hier einfach nicht so kurz kommen.

Bei den anderen Stücken auf der CD wissen vor allem die erstaunlich starke und kaum bekannte Ouvertüre „Strike Up the Band“ und das kurze Stück „Promenade“ zu gefallen. Hier kann das Buffalo Philharmonic seine tollen Jazz-Qualitäten voll entfalten und die hervorragenden Bläser des Ensembles können zeigen, was sie alles können – und das ist wirklich 1A mit Sternchen.

„Catfish Row“, Gershwins Suite aus Material der Oper „Porgy and Bess“ erfährt in Buffalo eine sehr gelungene Interpretation. Allerdings ist das Stück selbst in meinen Ohren wesentlich weniger reizvoll als eine Alternative, die man gehabt hätte, nämlich das „Symphonic Picture“ aus „Porgy and Bess“ – eine vergleichbare Suite mit noch mehr „Gassenhauern“ und einem besseren Arragement, die etwa vom Detroit Symphony Orchestra unter Antal Dorati bei DECCA in den 1990ern eingespielt wurde.

Fazit: Die neue Gershwin-CD von JoAnn Falletta und dem Buffalo Philharmonic Orchestra weiß durchaus zu begeistern, kann aber auch einige (leichte) Schwächen nicht verhehlen. Für Gershwin-Sammler gibt es einige sehr schöne Raritäten in tollen Interpretationen zu entdecken. Ansonsten muss man manchen Aufnahmen hier leider eine gewisse Betulichkeit bescheinigen. Das Orchester spielt vor allem in der „Rhapsody in Blue“ wie mit angezogener Handbremse. Dabei sind – wie sich hier auch zeigt – die Big-Band-Qualitäten des Buffalo Philharmonic ganz außergewöhnlich gut – ebenso wie der erneut hervorragende Sound aus den Händen von Tim Handley – seit Langem Naxos‘ bester Ton-Mann. © The Listener





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