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Album Reviews



 
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Clemens Haustein
Fono Forum, April 2017

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Alain Steffen
Pizzicato, March 2017

Die Dirigentin Marin Alsop ist bekannt dafür, dass sie sich engagiert für amerikanische Musik einsetzt. Zusammen mit dem ‘Baltimore Symphony Orchestra’ bietet sie eine sehr analytische und für meinen Geschmack etwas zu kühle Leseart der beiden ersten Symphonien von Leonard Bernstein an. Die Mezzosopranistin Jennifer Johnson Cano überzeugt in der der ersten Symphonie ebenso wie der Pianist Jean-Yves Thibaudet in der Zweiten, ‘The Age of Anxiety’. Insgesamt zwei sehr gute Einspielungen, wenn ich persönlich auch Bernsteins eigene Aufnahmen und die mit Leonard Slatkin sowie John Axelrod vorziehe. © 2017 Pizzicato



Ingobert Waltenberger
Online Merker, February 2017

Es ist DAS Album der vielleicht besten Dirigentin in den USA geworden. Nach der Kaddish Symphonie die zweite Auseinandersetzung vonMarin Alsop mit dem symphonischen Schaffen Leonard Bernsteins. Alsop, seit 2007 mit der musikalischen Leitung des renommierten Baltimore Symphony Orchestra betraut (ihr Vertrag läuft bis 2021!), hat echte Pionierarbeit geleistet. Die Präzision und breite Ausdrucksspanne, die Klarheit und Durchsichtigkeit des Klangs, die Macht der Tutti und die immer rein der Musik geschuldete Dramatik und Intensität, das Drängende und Packende der symphonischen Welt Bernsteins, das Leuchten und Lodern im Glauben an die Kraft der Musik, machen diese CD zu einem tiefen Erlebnis.

Assistiert von Jennifer Johnson Cano, einem klang—und charaktervollen Mezzo, im dritten Satz der ersten Symphonie Bernsteins, den Lamentations of Jeremiah, sowie dem französischen Pianisten Jean Yves Thibaudet in der zweiten Symphonie, ersteht die gesamte Klangwelt Bernsteins, wie neu und nie gehört. Und es zeigt sich, nicht die West Side Story oder andere populäre Bühnenwerke, nein, die Symphonie war das ureigenste Ausdrucksmittel dieses genialen Dirigenten, Musikpädagogen, Showmasters mit dem Stab und ganz in der abendländischen Musiktradition verhafteten Tausendsassas. Heute sind diese in den 40-er Jahren entstandenen Kompositionen aktueller denn je, die zweite Symphonie hat Bernstein 1965 noch einmal revidiert. Die Klagen des Jeremias rund um das zerstörte Jerusalem wecken massive Assoziationen ausgelöst von Fernsehbildern von ausgebombten Städten im Mittleren Osten.

Die zweite Symphonie besteht aus einem Prolog, den zwei mal sieben Variationen „The Seven Ages“ und „The Seven Stages“ sowie den abschließenden drei Sätzen des Teils 2 „The Dirge“, „The Masque“ und „The Epilogue“, aufbauend auf W. H. Audens 80-seitigem Poem „The Age of Anxiety“. Und wieder verblüfft, wie Maestra Alsop diese Reihe an rein instrumentaler, den Konversationen dreier Männer mit einer Frau, die sich in einer New Yorker Bar abspielen, nachempfundenen Musik in spannende Klangrede wandelt. Eine Oper ohne Worte ist diese Koussevitzky gewidmete Symphonie geworden. Stilistisch ist dieses Meisterwerk eine Symbiose aus Reminiszenzen aus der Alten Welt (Britten, Shostakovich, Schoenberg lassen grüßen) vermischt mit Anleihen aus der Jazzmusik, im Charakter insgesamt Filmmusik nicht unähnlich. Die neue Aufnahme zeigt auch hier Referenzcharakter, besser hat das auch Bernstein selber nicht dirigiert. © 2017 Online Merker



Werner Theurich
Spiegel Online, May 2015

Niemand besseres als der französische Pianist Jean-Yves Thibaudet lässt sich wohl für den Solopart denken, denn zwischen Eric Satie und George Gershwin, dazu Klassiker wie Chopin, Brahms, Schumann und Liszt repräsentiert Thibaudets Repertoire seit Jahrzehnten genau die musikalische Bandbreite, die den idealen Background für Bernsteins Universalmusik liefert und ihm schon zwei Grammy-Nominierungen einbrachte.

Gemeinsam mit der US-amerikanischen Dirigentin Marin Alsop spielte er schon Gershwins Pianokonzerte ein, und Alsops temperamentvoller Zugriff treibt Thibaudet auch im Falle Bernstein zu Höchstleistungen. Nicht nur in technischer Hinsicht: Die Bewusstseinsreise des “Age of Anxiety” (“Das Zeitalter der Angst”) nach dem erzählenden Gedicht von W.H. Auden komponiert, bietet dem Klavierpoeten Thibaudet beste Voraussetzungen für eine kongeniale Interpretation. Audens lyrische Darstellung eines Abends dreier Männern und einer Frau, die gemeinsam und dennoch einsam nach dem Zweiten Weltkrieg durch die New Yorker Nacht ziehen, gießt Bernstein in musikalische Form. Marin Alsop hat ihr Baltimore Symphony Orchestra, das sie schon seit 2007 leitet, bestens im Griff und serviert eine vielfarbige Tondichtung, die in dieser Version durchaus mit den Interpretationen des Komponisten mithalten kann.

Eine Vorkämpferin am Pult

Sie war und ist auch eine Vorkämpferin: Marin Alsop, 1956 in New York geboren, gehört zu den immer noch wenigen weiblichen Dirigenten, die sich einen festen Platz in der Szene erobert haben. Auch in Deutschland machten erfolgreiche Gastspielen in München, Berlin und Köln sie zu einer hoch angesehenen Künstlerin am Pult, wie sie auch als erste Frau das Abschlusskonzert der traditionsreichen Prom-Reihe in London leitete. Für Bernsteins Großwerk jedenfalls ein Glückfall, ebenso wie für den verdienten Virtuosen Thibaudet. Also keine Angst vor der “Anxiety”. © 2017 Spiegel Online





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