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Album Reviews



 
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Katharina Eickhoff
SWR2 Radio, May 2017

Richard Danielpour hat ganz brav und zeitgemäß als Serialist angefangen, aber er hat, wie vor ihm schon Copland oder Bernstein, gemerkt, dass das einfach nicht seine Sprache war, dass ihm der „amerikanische Weg“, die amerikanische Musiktradition eben doch näher waren: eine Musik, die sich aus dem zusammensetzt, was die USA geformt hat. Aus Folksongs und Broadway, aus Aaron Coplands Präriemusik, dem Jazz und, ja, zum Teufel, auch der Popmusik, die das Leben unserer letzten 50 Jahre geprägt hat wie nichts sonst aus der Kultur,—und die erfreuliche Tatsache, dass Bob Dylan nun den Literaturnobelpreis gekriegt hat, zeigt ja, dass ein paar Leute das so langsam auch anerkennen.

Danielpour schreibt Musik, die verstanden werden will, auf Worte, die gehört werden sollen. Stücke, die nicht als l’art pour l’art auf fragmentierte Textbrösel den zweiunddreißigeinhalb unterschiedlichen Schwingungsmöglichkeiten eines Tons hinterher lauschen, sondern die den Versen vertrauen, die sie transportieren, und die diese Verse an den Mann bringen wollen.

Zwei Zyklen mit Orchesterliedern sind auf dieser neuen CD zu hören, und die stellen die Texte in geradezu altmodischer Orchesterlied-Tradition in den Mittelpunkt. Danielpours Vorlagen stammen von den beiden vielleicht größten Dichtern der englischen Sprache in der neueren Zeit, vom Iren William Butler Yeats und dem Amerikaner Walt Whitman, sie erzählen von den seelischen Verwüstungen des Kriegs und von der Verwirrung der Menschen, und sie sind, so wie Danielpour sie präsentiert, aktueller denn je. Den Liedzyklus „Songs of Solitude“ nach Yeats zum Beispiel hat Danielpour im Schock nach den Anschlägen des 11. September zusammengestellt.

William Butler Yeats war der Meinung, dass Geschichte sich zyklisch wiederholt; wir stellen gerade fest, dass er wohl recht hat, und so gesehen sind auch Yeats’ Gedichte immer wieder von Bedeutung. „The Second Coming“, Die Wiederkehr, ist eins seiner berühmtesten. Entstanden ist „The Second Coming“ am Ende des Ersten Weltkriegs, aber es war auch eines der in der Öffentlichkeit meistrezitierten Gedichte in den Monaten nach 9/11.

Whitman begegnet uns im zweiten großen Zyklus, „War Songs“, der auch auf die Ratlosigkeit Amerikas im Umgang mit seinen Veteranen zielt, den Männern und inzwischen auch Frauen, die im Krieg gewesen sind, die einen in Vietnam, die anderen im Irak und dann wieder im Irak. So viele sind traumatisiert zurückgekommen, und Amerika fiel nichts Besseres ein, als sie mit Tranquilizern ruhigzustellen und ihre Hoffnungslosigkeit zu ignorieren, derweil bei öffentlichen Anlässen phrasenhaft und in hohlen Worten ihre Heldentaten gepriesen wurden.

Thomas Hampson schont seine immer noch prachtvolle Stimme bei diesen Live-Aufnahmen nicht, er schmeißt sich mit aller Leidenschaft in die oft rezitativisch wirkenden Gesangslinien, und weil er, wie Richard Danielpour es ausdrückte, „ebenso sehr ein Gelehrter wie ein Sänger ist“, weiß er um die Bedeutung jedes einzelnen Wortes und kann sie in Klang und Tonfall verwandeln. Und er ist auch nach vielen Jahrzehnten im Stargeschäft noch nicht so abgebrüht, als dass ihn eine Gedichtzeile von Walt Whitman nicht mal eben noch aus der Fassung bringen könnte.

Die Liederzyklen von Richard Danielpour haben mit Thomas Hampson natürlich den besten Fürsprecher und Vor-Sänger haben, der sich denken lässt, zumal er hier so richtig gut bei Stimme ist. Und ziemlich gut klingt auch die auf zeitgenössische amerikanische Musik spezialisierte Nashville Symphony unter Leitung seines Chefs Giancarlo Guerrero. © 2017 SWR2 Radio



Rolf Fath
Opera Lounge, November 2016

Thomas Hampson, ein Schwergewicht des Liedgesangs, ist auf Naxos zu erleben. Und das nur, weil ihm Richard Danielpour zwei Lied-Zyklen für seinen hohen Bariton maßgeschneidert hat: 2002 Songs of Solitude auf Gedichte von William Butler Yeats und 2008 War Songs auf Gedichte von Walt Whitman, die Hampson im März 2015 in der „Music City“ Nashville, dem Zentrum der Country Music, mit dem Nashville Symphony unter Giancarlo Guerrero sang, von wo auch der um das New-Yorker-Orchestergemälde Toward the Splendid City ergänzte Live-Mitschnitt stammt. Auch hier lohnt es sich, das Beiheft zu lesen, in dem Danielpour von den Tagen nach dem 11. September 2001 und den Auswirkungen auf sein Schaffen erzählt. Der Krieg und seine Schrecken sind in den Zyklen und ihrer sprechenden, oft filmmusikhaft lautmalerischen, rauen und aufwühlenden Anlage allgegenwärtig. Hampson ist nicht nur in dem monumentalen, orchestral intensiv ausgemalten Come up From the Fields Father, dessen Umfang dem der anderen vier Lieder der War Songs entspricht, ein versierter Gestalter und eindrucksvoller Text-Exeget, der die dramatischen Schilderungen zu lodernden Anklagen verdichtet. © 2016 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, October 2016

Zwei Zyklen von Orchesterliedern aus der Feder von Richard Danielpour (*1956) sind auf dieser CD zu hören. Die ‘Songs of Solitude’ entstanden 2002 als Hommage an die Opfer der Terrorattentate vom 11. September 2001. Danielpour weilte zur Zeit der furchtbaren Ereignisse im Haus von Aaron Copland, und zu dem Zeitpunkt bekamen die Texte des irischen Schriftsteller William Butler Yeats für ihn eine ganz starke Bedeutung. Der von Ärger und Resignation gleichermaßen geprägte Zyklus für eine hohe Bariton-Stimme wurde für Thomas Hampson geschrieben, der ihn auch in dieser Naxos-Aufnahme singt.

Die ‘War Songs’ wurden zum 150. Jahrestag der Beendigung des amerikanischen Bürgerkriegs komponiert. Die Texte stammen aus Walt Whitmans Kriegsgedichten und haben Danielpour stärker zu einem tonmalerischen Komponieren angeregt als die Texte der ‘Songs of Solitude’. Wie der Komponist sagte, seien für seine starke Implikation auch Photos aus dem US-Einsatz im Irak verantwortlich gewesen.

Thomas Hampson singt beide Zyklen sehr einfühlsam und in den ‘War Songs’ mit einem ausgeprägten Sinn für das Drama in der Musik. Giancarlo Guerrero und das ‘Nashville Symphony’ begleiten feinfühlig und kleiden Hampsons expressive Stimme in einen nicht weniger ausdrucksvollen Orchesterklang.

Nach so viel Trauer und bedrückter Stimmung wirkt die kurze, farbige Tondichtung ‘Toward the Splendid City’ wie eine Befreiung. © 2016 Pizzicato



Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath), October 2016

In dem 2002 vollendeten Liederzyklus ( 6 Lieder), mit Texten von William Butler Yeats, Songs of Solitude verarbeitet Richard Danielpour die Geschehnisse von 9/11. Zu seinem Liederzylus War Songs (5 Lieder), welcher 2008 vollendeten wurde und auf Texten von Walt Whitman basieren, haben ihn Bilder getöteter junger Männer und Frauen während des Irak Krieges inspirierten. Die letzte Komposition ist ein sinfonisches Werk über seine Heimatstadt New York ( Toward the splendid City) zu der er ein eher zwiespältiges Verhältnis hat. Bei den beiden Liederzyklen handelt es sich um Welt Ersteinspielungen. Bei der Musik handelt es sich um typische amerikanische moderne Klassik, melodisch und dennoch modern instrumentiert. Das Nashville Symphony findet unter der Leitung von Giancarlo Guerrero einen wunderbaren Klangteppich. Die Lieder wurden im März 2015 aufgenommen und die Stimme von Thomas Hampson klingt hier wie vor 25 Jahren, rund, ebenmäßig ohne die mittlerweile mehr und mehr zu Tage tretenden charakteristisch anmutenden Verschleißerscheinungen. Die Texte klingen wie aus der Sicht eines Erzählers wiedergegeben keineswegs wie die wirklich betroffenen Menschen. © 2016 Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath)



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, October 2016

Als Antwort auf die Ereignisse von 9/11 schrieb der bekannte amerikanische zeitgenössische Komponist Danielpour kurz nach dem 11.9.2001 einen Zyklus von sechs Orchesterliedern nach Gedichten von William Butler Yeats, die „Gesänge der Einsamkeit“. In einem meditativen Prolog mit liturgischen Anklängen à la Pärt wird melancholisch über die Zeiten des Kriegs meditiert. Ganz anders im zweiten Gesang „Blood and the moon“, wo ein mächtiges Orchester und eine betonte brutale Rhythmik dem Solist Gelegenheit gibt, sich sarkastisch gegen den Missbrauch blutiger arroganter Macht aufzulehnen. Im „Drinking Song“ fragt sich unser Held, ob Weisheit das Eigentum der Toten und mit dem Leben unvereinbar sei? Fast musicalhaft wie in der West Side Story beginnt der vierte Song „These are the Clouds“. Wolken legen sich über die untergehende Sonne, der Majestät, die angesichts der Gräuel ihr brennendes Auge schließt. Das fünfte Lied „The Second Coming“ spannt einen weiten ruhigen kontemplativen Bogen um die wahrlich kluge Frage, warum es den besten an Überzeugung mangelt, während die Übelsten vor passionierter Intensität nur so glühen. Gespenstisch beginnt sich die Sphinx zu bewegen und der Erzähler sinniert, ob das Biest nach Bethlehem kriecht, um dort nach 20 Jahrhunderten Schlaf geboren zu werden. Im ruhig ausklingenden Epilog wird getrauert, dass bei all dem Tod durch Brand und flammenden Atem alle Antinomien aufgehoben werden in der Reue des Herzens und Vergehen alles Irdischen. „But if these be right, what is joy?“

Thomas Hampson, der Sänger der Uraufführung vom 22.10.2004 in Philadelphia,ist auch 2015 der ideale Künstler, um der poetischen und inhaltlichen Wucht dieses Zyklus in allen Facetten gerecht zu werden. Der herbstlich getönte Luxusbariton passt bestens zu den mehrheitlich transparent instrumentierten Liedern. Sein Vermögen, das Wort in sinnlichen und sinnvollen Klang zu gießen, ist nach wie vor exemplarisch. Die Träne im Timbre ist selbst dort gewahrt, wo das Schicksal angeklagt und der blutige Lauf der Menschheit mit staunendem Unglauben konfrontiert wird. Richard Danielpour hat zu den Yeats-Gedichten höchst sangbare Musik geschrieben. Wenngleich da und dort Anklänge an musikhistorische Vorbilder auszunehmen sind, ist es dennoch eine unverkennbar amerikanische Musik mit hoher Dichte und Intensität geworden. Schöner wurde in Musik noch kaum getrauert.

Auslöser für den zweiten Zyklus „War Songs“ waren Fotos von jungen Männern und Frauen, die im Irak Krieg getötet wurden. Danielpour hat den Zyklus nach Texten von Walt Whitman im Auftrag des Nashville Symphony Orchesters zur Erinnerung an das 150 jährige Ende des Bürgerkrieges geschrieben. Sparsamer an Mitteln und Drastik im Vergleich zu den Songs of Solitude, gleicht der Zyklus einem modernen 5-sätzigen Requiem. Die musikalische Antwort zur universellen Botschaft des Todes durch Kriege, des menschlichen Leids, der Trauer ohne Fass und Boden findet ihren Höhepunkt im berührenden fünften Gesang „Come up from the Fields Father“ mit obligater Cellobegleitung (herausragend: Anthony LaMarchina). Eine Frau holt ihren Mann vom Feld, um mit ihm den gerade eingetroffenen Brief ihres Sohns Pete von der Front zu lesen. Er ist verwundet und tröstet die Eltern damit, das es ihm bald besser gehen wird. Aber zu diesem Zeitpunkt ist er schon tot. Die Mutter, die das spürt, sehnt sich nichts sehnlicher als unbemerkt aus dem Leben schwinden und ihrem toten Sohn zu folgen zu können. Wie Thomas Hampson diese Gesänge mit unendlichem Legato, wissender Hingabe und musikalischer Finesse sondergleichen vorträgt, lässt staunen. Ein vokales Monument an menschlicher Würde und Kraft.

Als Abschluss zwar interessant zu hören, aber inhaltlich nicht zwingend das orchestrale Porträt New Yorks, „Toward the Splendid City“, das Richard Danielpour 1992 in Seattle und New Mexico verfasst hatte. Getrieben, wie er selbst sagt, von seiner Hassliebe zu New York, ist eines jener bunten musikalischen Statements zu dieser mythischen Stadt entstanden, schwungvoll und nostalgisch, pauschal und mit klingenden genreartigen Details zugleich; musikalisch letztlich doch dem „American Dream“ verhaftet.

Auf jeden Fall ist das Nashville Symphony unter der einfühlsamen Leitung von Giancarlo Guerrero ein optimal disponierter Klangkörper, dessen Tugenden in der technisch hervorragend aufgenommenen CD voll zur Geltung kommen können. © 2016 Online Merker





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