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Rolf Fath
Opera Lounge, December 2017

Es ist wie mit den Gurkensandwiches beim britischen Afternoon Tea. So richtig satt machen sie nicht. Auch nicht die Lieder, genauer Songs, von Arthur Benjamin und Edgar Bainton, die Naxos als World Premiere Recordings auf einer CD vorstellt (8.571377 ). Da gehören einfach noch ein paar gehaltvollere Scones oder kleinere Pies dazu. Auf keinen Fall Muffins. Gut vierzig Lieder auf eine Gesamtspielzeit von 80 Minuten verteilt, bedeutet nur mehr oder weniger als eine Minute für viele der Songs. Kleine Episoden, gefällige Wendungen, die die Konversation nicht stören. Alle stammen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als die beiden Komponisten, deren Leben interessanterweise in gegenläufiger Richtung verlief, einen ersten Höhepunkt ihres Schaffens erreichten.

Benjamin (1893–1960) wurde in Sydney geboren, in London ausgebildet, unterrichtete am Konservatorium seiner Geburtsstadt und kehrte 1921 endgültig nach London zurück, das er nur während des Zweiten Weltkriegs für einen Aufenthalt in Vancouver verließ. Nach einer gediegenen Ausbildung hielt sich der in London geborene Edgar Bainton (1880–1956) gerade in Deutschland auf, wo er die Bayreuther Festspiele besuchen wollte, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Bainton wurde inhaftiert und kümmerte sich während seiner vier Jahre im Lager von Ruhleben um das Musikleben, kehrte nach England zurück, hielt sich dann in Kanada, Indien und Australien auf, wo er sich 1934 niederließ und als Pädagoge am Konservatorium in Sydney und als Dirigent des späteren Sydney Symphony Orchestra wertvolle Aufbauarbeit leistete.

Benjamins erstes Lied Man and Woman stammt aus dem Jahr 1918 und gibt seine Gefühle angesichts seiner ersten romantischen Beziehung zu einer Frau wieder, „a one-off experience that was never to be repeated“, wie die Pianistin Wendy Hiscocks lakonisch im Beiheft bemerkt. Die letzten Lieder, in denen er auf wirkungsvolle Weise die Rhythmik jamaikanische Melodien aufgriff, entstanden in den späteren 1940er Jahren. Den Großteil jedoch komponierte er in den 20er Jahren in seinem Haus in einem Dorf in Surrey: friedvolle, liebliche Lieder, die so leicht in die Ohren gehen wie man sie wieder vergessen hat. Die Mezzosopranistin Susan Bickley gestaltet sie mit Temperament und griffigem Stimmeinsatz, Christopher Gillett verfügt über einen schmalen, reifen Charaktertenor typisch britischer Prägung, an dessen Klang man sich erst gewöhnen muss.

Aus der selben Periode, zwischen 1912 und 1938, stammt der Großteil von Baintons Liedern, dazu gehören die frühe Lullaby (1912) für seine Töchter, das von der Gefangenschaft gezeichnete Twiglight (1918), die Ben Jonson-Vertonung Slow, Slow, Fresh (1920), die am ehesten als einer seiner Hits gelten könnte, sowie die schöne James Joyce-Vertonung mit dem poetischen Zeilen Strings in the Earth (Saiten in der Erde). Das passt zu dem Landsitz in Somerset, wo die Aufnahme im März dieses Jahres (2017) entstand. © 2017 Opera Lounge





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