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alte-musik-forum.de, February 2015

Die neuste Folge von Glen Wilsons Streifzügen durch die Musik für Tasteninstrumente vor 1650 führt uns nach Italien. Andrea Antico muss man sehen wie Pierre Attaingnant, er war kein Komponist, sondern Verleger. Der aus Dalmatien stammende Antico dürfte aber im Unterschied zu seinem französischen Gegenpart über weniger gute Notenkenntnisse verfügt haben, gilt eher als zweitrangig, was seine verlegerische Tätigkeit allgemein betrifft, aber er verfügte über die richtigen Beziehungen, um ein Druckprivileg vom Vatikan zu erhalten. 1517 erschien eine Sammlung von frottole, einer damals in Italien blühenden Musikrichtung, die volkstümlich daherkommende Meldodien mit relativ einfacher harmonischer Begleitung verband—Wilson gibt dem Leser seines Begleittextes eine sehr schöne Einführung, die hilft, die historische Stellung und Bedeutung dieser Musik zu verstehen. So ist der Verleger zwar auf dem Titelbild seiner Sammlung abgebildet, der wahre Arrangeur dürfte aber einer der besten Tastenspieler seiner Zeit gewesen sein, der mit der Musik eines Josquin ebenso vertraut gewesen sein muss wie mit den neusten populären Melodien. Antico erwies ihm durch schlampigen Druck ohne Korrekturlesen aber einen Bärendienst—die vielen Unzulänglichkeiten des Notentextes dürften mit ein Grund sein, dass nur zwei Exemplare erhalten blieben.

Glen Wilson hat sich die Mühe gemacht, die Stücke in eine spielbare und für den Hörer erquickliche Fassung zu bringen, was ihm ausgezeichnet gelungen ist—hier finden sich vor allem eher kurze Tänze und unterhaltsame Melodien, die sozusagen suitenartig gespielt werden müssen, um gut anhörbar zu sein. Die Textvorlagen dieser instrumentalen Arangements umspannen alles von vulgären Lieder bis zu Petrarca, Hor che'l ciel e la terra z.B. sollte später von Monteverdi meisterhaft vertont werden; entsprechend weit ist auch das formelle Spektrum dieser Stücke.

Ausser Anticos Druck zog Wilson noch ein etwa zur gleichen Zeit in Venedig entstandenes Manuskript heran; diese beiden Quellen sind zusammen mit dem Codex Faenza die ältesten erhaltenen Quellen von Musik für Tasteninstrumente, deren Kenntnis für den heutigen Hörer durch Wilsons lebendiges Spiel auf zwei wunderbar klingenden und aufgenommenen Instrumenten sehr bereichert wird. Für eine Vervollständigung unseres Hörbildes der Instrumentalmusik der Renaissance sozusagen unentbehrlich. © 2015 alte-musik-forum.de





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