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Christoph Vratz
Fono Forum, January 2017

Wer alles im CD-Schrank zu besitzen glaubt, ist hier goldrichtig. Entlegene Opern-Arrangements für Geige und Cello mit aller Leidenschaft und Spiel-Lust festgehalten. © 2017 Fono Forum



Cornelia de Reese
kulturradio vom rbb, October 2016

Darf ich vorstellen: Franz Schubert—aus Dresden, nicht aus Wien

Wer eine CD in den Händen hält, Franz-Schubert-Fan ist und sich wundert, dass plötzlich originale Werke für Violoncello und Violine auf den Markt kommen, gerät ins Stutzen. Für diese Instrumentenkombination hat Franz Schubert doch gar nichts hinterlassen!?

Doch. Nur sind es keine Werke von dem Franz Schubert, an den wir heute an erster Stelle denken. Es ist nicht der Wiener Komponist, der in der Beethoven-Haydn-Nachfolge geschrieben hat (und der hat nur ein paar Duos für zwei Violinen hinterlassen). Sondern es ist ein Dresdner Namensvetter. Franz Schubert, der fast zur selben Zeit gelebt und gearbeitet hat, als Virtuose und Komponist.

Post aus Weimar

Der bekannte Schubert hat die Lebensdaten 1797 bis 1828, wurde also gut 30 Jahre alt. Der Dresdner Schubert lebte von 1808 bis 1878, war also zehn Jahre jünger als der Wiener—und hat auch deutlich länger gelebt. Der Wiener hat den Dresdner Franz Schubert nicht gekannt. Aber der Dresdner litt immer mal unter diesem Irrtum.

Die schönste Verwechslungsgeschichte ist jene, der zufolge der Dresdner Franz Schubert Post aus Weimar bekam—aus dem Hause Johann Wolfgang von Goethe. Allerdings war es eine unkommentierte Rücksendung, die aus lauter losen Notenblättern bestand. Diese Blätter sollten an "Franz Schubert" zurückgesandt werden, und der einzig bekannte Franz Schubert im Hause Goethe war eben jener aus Dresden.

Dieser hatte die Noten aber gar nicht geschickt, hat sich das Paket dann genauer angeschaut und musste feststellen: Da steht Franz Schubert drauf, aber das muss ein Schubert aus Wien sein, dem diese ganzen Lieder gehörten, die Goethe offensichtlich nicht haben wollte. Goethe hatte sich der Noten gar nicht angenommen—dieser wurde tagtäglich mit solchem Material überschüttet: ein jeder wollte den Zuspruch des großen Meisters.

Was tat der Dresdner Franz Schubert? Der fürchtete sich vor dem Verlust seines guten Rufes: Diese Geschichte mit dem Goethe-Brief machte natürlich sofort die Runde in Dresden—und der Dresdner Franz Schubert wollte auf gar keinen Fall mit jenem Schubert, der bei Goethe kein Gehör gefunden hatte, verwechselt werden.

Er betrieb dann Schadensbegrenzung: Schubert schaltete eine Anzeige in der Zeitung, in der er sich verwahrte—gegen diesen Schreiberling in Wien, der unter seinem guten Namen Noten verschickte, für die sich keiner interessierte, die nur seinen guten Namen in Verruf brächten.

Mittlerweile ist er der vergessene Schubert, der viele Werke hinterlassen hat, die auf CDs zu finden sind—im Fach "Kuriositäten".

Gemeinschaftswerke

Franz Schubert aus Dresden hat etliche Werke mit Friedrich Kummer gemeinsam geschrieben. Sie waren Musikkollegen—Franz als Geiger, Friedrich als Cellist. Beide waren in Dresden tätig, spielten regelmäßig in Kammermusik-Formationen, gern auch mit den Schumanns zusammen, und eben als Duo, weil sich beide musikalisch außerordentlich gut verstanden haben müssen. So kamen etliche Reisen zu Stande, sie waren deutschlandweit unterwegs, auch mal in Prag und Wien (dann aber schon nach dem Tod des Wiener Franz Schuberts).

Die beiden schrieben Werke mit großem Showeffekt. Sie sind absolut in ihrer Zeit verhaftet, als kleine Wohnzimmerkonzerte könnte man sie verstehen. Oftmals sind sie an Opern gekoppelt—eine absolute Modeerscheinung der Zeit: Themen aus Bühnenwerken zu nehmen und zu bearbeiten, oftmals in Variationsreihen.

Das ist so komponiert, dass immer wieder ein Orchesterpart nachgeahmt wird, auf den sich die Solostimme sattelt. So konnten sich beide Solisten abwechselnd in Szene setzen. Hohe Virtuosität wird da vorgeführt, in—für uns empfundener—überbordender Länge…angefüllt mit viel Biedermeier-Seligkeit im Dreiertakt…

Musik, die im weitesten Umkreis von Schumann und Mendelssohn entstanden ist. Der Dresdner Franz Schubert hat auch Chopin in Paris während seiner Ausbildung kennengelernt—von ihm hat er den Trick mit dem Namen übernommen: indem er den Vornamen ins Französische übersetzt hat und dann als François Schubert publizierte, vermied er die zunehmende Verwechslungsgefahr.

Die heutigen Interpreten

Sie kennen sich schon von anderen Violine-Cello-Projekten. Sie haben bereits einige CDs aufgenommen mit Literatur für diese Besetzung. Es ist den beiden also ein besonderes Bedürfnis, sich dieser doch recht seltenen Kammermusik-Kombination zu widmen. Das ist Musik für Freaks, das musikalische Niveau ist solide.

Die CD lebt von der Entdeckung: Franz Schubert—ein Namensvetter aus Dresden. © 2016 kulturradio vom rbb




Uwe Krusch
Pizzicato, September 2016

Nein es ist keine Spielerei. Zwar hieß auch dieser Schubert einmal Franz (Anton) Schubert (wie sein Vater). Mit dem berühmten Franz Schubert ist er jedoch weder verwandt noch verschwägert. Deswegen nahm er während seiner Zeit in Paris den neuen Vornamen François an. Ähnlich hielt es Friedrich August Kummer.

Beide Künstler waren in Dresden Orchestermusiker. Sie traten aber auch als Duo auf und begeisterten mit ihrem Zusammenspiel das Publikum. Die Duoarbeit beschränkte sich nicht nur auf die Aufführung von Werken, sondern sie schufen auch die Werke gemeinschaftlich. Von den präsentierten sechs Duos sind vier Kooperationen.

Vier Werke sind Opernparaphrasen, zwei Variationen über Themen aus der Schweiz bzw. der Steiermark.

Die beiden Solisten Friedemann Eichhorn, und Alexander Hülshoff sind bereits mit anderen Aufnahmen in dieser Besetzung oder in anderen Kontexten hervorgetreten. Auch hier liefern sie handwerklich exzellent und musikalisch betörend unterhaltende Musik auf höchstem Niveau. Spielfreude pur. © 2016 Pizzicato



Guido Krawinkel
Klassik heute, August 2016

Zugegeben, das ist nicht unbedingt das Repertoire, das man sich als Nicht-Streicher freiwillig anhört: eine ganze Stunde lang Duos für Violine und Violoncello. Opernparaphrasen rauf und runter zudem, schon sehr spezieller Stoff. Nach dieser Stunde dürfte man allerdings anderer Meinung sein. Speziell? Trocken? Mitnichten!

Friedemann Eichhorn, Violine, und Alexander Hülshoff, Violoncello, haben Duos von Frédéric Kummer und François Schubert eingespielt—und das ist kein Druckfehler! Denn gemeint ist nicht der Wiener Komponist Franz Schubert, sondern sein Fast-Namensvetter François aus Dresden. Verwechslungen und Missverständnisse könnten da vorprogrammiert sein, doch dies wird im Booklet klargestellt. Auch wird über die Hintergründe dieser Musik berichtet, die wie so oft bei Kummer und Schubert bis auf zwei Duos op. 67 in einer Gemeinschaftsproduktion entstanden sind.

Thematisch basieren die Duos bis auf eine Ausnahme auf Opern von Bellini, Hérold und Auber. Gattungsbedingt geizen die beiden Komponisten hier nicht mit haarsträubenden technischen Kabinettstückchen, die den Interpreten wirklich alles abverlangen. Dies ist wie so oft im 19. Jahrhundert Virtuosenliteratur ersten Ranges, die das Publikum durch die Zurschaustellung der technischen Fertigkeiten der Interpreten beeindrucken soll. Eichhorn und Hülshoff meistern diese Hürden mit Bravour. Ihr Spiel ist makellos, versiert, brillant und darüber hinaus auch musikalisch unglaublich mitreißend. Es hat etwas geradezu ansteckendes, denn auch nach einer Stunde Spieldauer mit Streicherduos wird man des Zuhörens nicht müde. Da legt die CD gerne noch eine Ehrenrunde im CD-Player ein… © 2016 Klassik heute





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