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alte-musik-forum.de, February 2015

Wie soll man diese Darbietung eines der schönsten Stücke der Literatur für zwei Cembali, Wilhelm Friedemann Bachs Concerto a duoi cembali concertati BR WFB A 12 beschreiben? Bei mir hinterlässt sie sehr gemischte Gefühle: die repetierten Noten in den linken Händen im ersten Satz, die man ob der Melodien darüber sonst kaum zur Kenntnis nimmt, wirken bei den Amerikanerinnen seltsam vordringlich und fast schon betulich gleichmäßig betont, geben der Musik einen etwas zopfigen Geschmack. In den dialogischen quasi ritornellartigen Zwischenspielen verwenden sie reichlich ritardandos und vermeintlich verspielte Verzierungen. Der Andante bezeichnete zweite Satz geht geradeaus voran, wirkt trotz gleichen Tempos wie in anderen Aufnahmen etwas schneller und wenig elegant, die leicht melancholische Note, die dieses Stück in sich trägt, hört man praktisch nicht. Das furiose Unisono am Anfang des dritten Satz spielen sie mit angezogener Bremse—von Presto keine Spur. Da ist fast jede andere Aufnahme des Stückes empfehlenwerter; diese hier ist nicht uninspiriert, sondern einfach nur in vielen Details fehlgeleitet, als ob wesentliche Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis, was Tempogestaltung und Phrasierung betrifft, noch nicht in der US-amerikanischen Ausbildung angekommen sind. Hier wird vor allem aus den Noten selbst nach verallgemeinerten Prinzipien interpretiert, anstatt die aufführungspraktischen Konventionen der Zeit zur berücksichtigen, eine Haltung, die auch Julia Browns Darbietung der drei Solo-Sonaten prägt. Aber sie zeigt hier auch, dass sie durchaus anders kann—einzelne Sätze sind in sehr gut gewähltem Tempo relativ geradlinig durchgespielt, was die kompositorische Substanz weit besser vermittelt. Ihre Version der Sonata F-Dur BR WFB A 10 ist eine empfehlenswerte Darbietung—den auch in einer Flötenfassung existierenden Mittelsatz nimmt sie etwas langsamer als Léon Berben und bringt seine empfindsame Seite viel schöner zur Geltung. Der dritte Satz ist dann aber leider nur ein Allegro, nicht ein Presto wie gefordert—insgesamt hat Mrs. Brown mit extremen Tempi so ihre Probleme, ist nicht die hochkarätige Virtuosin, die diese Musik oft fordert. Mit den virtuosen Figuren am Anfang von BR WFB A 2a kämpft sie ein wenig, wirkt aber nicht verhaspelt wie Berben. Im Adagio der D-Dur Sonate, das sie mit einem sehr schönen Grundgestus und -Tempo spielt, verändert sie an einer Stelle durch zu starke Agogik den vom Komponisten intendierten Rhythmus.

Der Klang ihres Cembalos ist direkt und klar—im direkten Vergleich der beiden Instrumente in der Sonate für Cembali, in der Barbara Baird einen Mietke-Nachbau spielt, muss man zu dem Schluss kommen, dass Julia Browns Cembalo von Richard Kingston wohl ein franko-flämisches Modell ist—Mrs. Bairds etwas kernigerer und grundtönigerer Klang passt deutlich besser.

Partiell also etwas besser wie in den vorangegangenen Folgen, aber immer noch kein überzeugender Schritt zu einer zufriedenstellenden Gesamtaufnahme der Claviermusik Wilhelm Friedemann Bachs…Julia Brown bekommt bezeichnenderweise immer von der konventionell orientierten Klassikpresse gute Kritiken, denn im wesentlichen interpretiert sie wie ein Pianist, der Chopin auf dem Pult hat. Wilhelm Friedemann als auf die Romantik vorausweisender—noch so ein Klischee, das seine deutlichen barocken Wurzeln verdrängt. © 2015 alte-musik-forum.de





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