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Michael Straeter
Deutsche Liszt-Gesellschaft, June 2017

Wenn auch weite Teile von Liszts Schaffen eher selten aufgeführt werden: So unbekannt und so selten im Repertoire zu finden wie die meisten Opern des deutsch-französischen Komponisten Giacomo Meyerbeer (1791–1864) sind sie glücklicher—und verdienterweise nicht mehr. Les Huguenots, Robert le Diable, L’Africaine (eigentlich Vasco da Gama)—viel mehr ist von den siebzehn Opern Meyerbeers nicht wirklich bekannt. Schon die von Liszt mehrfach bearbeitete und etwa in seiner Fantasie und Fuge über den Choral Ad nos, ad salutarem undam (Searle 259) zitierte Oper Le Prophète ist heute kaum in einer Aufnahme zu finden, geschweige denn auf der Bühne. Aber auch Liszt selbst hat sich nur der genannten vier Werke aus Meyerbeers Opernschaffen angenommen. Außer den Réminiscences des Huguenots (einer grande fantaisie dramatique, Searle 412, drei Fassungen 1836–42) und einer Liedtranskription (Le Moine, Komposition Meyerbeers auf ein Gedicht des Franzosen Émilien Pacini, Searle 416) hat Liszt noch drei weitere Bearbeitungen geschaffen, die auch die vorliegende Aufnahme enthält: Zwei unter dem Titel Réminiscences de Robert le Diable—Grande fantaisie sur deux motifs de l’opéra de Meyerbeer zusammengefasste Stücke (Searle 412a/413), die dreiteiligen Illustrations du Prophète, Searle 414 sowie die unmittelbar nach der postumen Uraufführung der Oper 1865 erschienenen zweiteiligen Illustrations de l’opéra L’Africaine de Meyerbeer (Searle 415). Dass Liszt jedoch vor allem den Komponisten und nicht allein den Publikumsmagneten Meyerbeer geschätzt hat, mag man vielleicht aus dem Umstand schließen, dass er noch 1865, ein Jahr nach Meyerbeers Tod und viele Jahre nach dem Ende seiner eigenen Konzertreisen eine umfangreiche Meyerbeertranskription vorgenommen hat; zu einem Zeitpunkt also auch, als für ihn bereits Wagners Opern in den Vordergrund getreten waren. Und Wagner war bekanntlich einer der hasserfülltesten Gegner und Antipode Meyerbeers.

Der Brasilianer Sérgio Gallo hat in der Naxos-Reihe der vollständigen Klavierwerke Liszts (Nr. 40) diese drei großangelegten und dramaturgisch wie technisch anspruchsvollen Werke eingespielt. Für diejenigen, die die meist aus Liszts konzertierender Epoche stammenden Werke nicht kennen, ist Gallo ein idealer Vermittler. Technisch makellos, interpretiert er die seinerzeit bejubelten und bekannten Stücke äußerst transparent und mit großer dramaturgischer Übersicht, nie forciert oder überfrachtet, mit kluger Ökonomie in der Dynamik und den Tempi. Ebenso klug unterlässt es Gallo, uns Liszt den Klaviervirtuosen vorführen zu wollen zuungunsten jenes Komponisten Liszt, der mit seinen Illustrationen, Reminiszenzen und Fantasien für das Klavier eine ganze Gattung und Epoche geprägt hat.

Dabei beherrscht Gallo durchaus auch alle Künste eines klangmächtigen Verführers, wie er beispielsweise im diabolischen Nonnenballett der Valse infernale aus Robert le Diable oder dem inbrünstigen Gebet der Matrosen in Seenot aus L’Africaine beweist. So brillant Gallo jedoch die Details auch ausleuchtet, so sehr behält er dabei stets den Blick für die Balance des Ganzen. Sérgio Gallo zeigt sich als an Ésprit und Finesse überaus reicher Interpret und als kundiger und treuer Führer durch Meyerbeer-Liszts Grande Opéra, wie man nur wenige findet. © 2017 Deutsche Liszt-Gesellschaft





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