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Rainer Aschemeier
The Listener, November 2013

Wie viele Musiker der etwas jüngeren Generation ist auch Jaap van Zweden einer mit zwei Laufbahnen. In den 1990er-Jahren zählte er zu den weltweit gefragten Violinsolisten. In den späten 1990er-Jahren trat van Zweden dann eine erfolgreiche Dirigentenlaufbahn an und ist heute Musikdirektor des Dallas Symphony Orchestra sowie des Hong Kong Philharmonic Orchestra.

Beim Naxos-Label erscheint nun – überraschend, wie ich finde – eine Nachlese seiner Tätigkeit als Konzertsolist. Dabei spielt Jaap van Zweden Schostakowitschs berühmtes erstes Violinkonzert Op. 77 mit der Niederländischen Radiophilharmonie unter Edo de Waart sowie Wolfgang Rihms Stück „Gesungene Zeit“ aus den Jahren 1991/92 mit dem Concertgebouw Orkest unter der Leitung von Zoltán Peskó.

Beide Aufnahmen sind Liveeinspielungen, wobei das Schostakowitsch-Konzert 1994 in Utrecht mitgeschnitten wurde und das Rihm-Stück 1995 im Concertgebouw Amsterdam. Beide Einspielungen sind vorzüglich, und zwar nicht nur interpretatorisch, sondern auch klanglich.

Edo de Waart wird seinem guten Ruf auch auf diesem Album wieder einmal gerecht. Seit seinem Karrierebeginn zählt de Waart zu den zwar namhaften, jedoch eminent unterschätzten Dirigenten im globalen Klassikgetümmel. Hier zeigt sich, was für ein toller Schostakowitsch-Interpret er ist. Er legt besonderes Gewicht auf die eher hellen Nuancen des Violinkonzerts und steht damit im Kontrast zur russischen Schule, die in der Regel die mittleren und tiefen Register, vor allem im Bereich der Celli und Blasinstrumente betont. Edo de Waart setzt hingegen auf luzide Transparenz, motivierte Tempi und vorbildliche Präzision, die das vorzügliche niederländische Radioorchester brillant exekutiert. Jaap van Zwedens eher heller, schneidender Ton passt hervorragend zu dieser Werkauffassung. Auch er ist ein wunderbarer Rhythmiker und steht der Präzision seiner niederländischen Orchesterkollegen in nichts nach. Gleichwohl wird mit diesem Album noch einmal klar, dass van Zweden als Violinist handwerklich zwar makellos war, jedoch nur eine moderate interpretatorische Individualität zu vermitteln vermochte.

Ähnliches gilt für Rihms „Gesungene Zeit“. Kompositorisch ergänzt es sich erstaunlich gut mit dem Schostakowitsch-Konzert. Die Violinstimme, von Rihm einst für Anne-Sophie Mutter geschrieben, liegt van Zweden besonders gut. Denn auch er ist ein eher höhen-mitten-betonter Geiger mit einem gelegentlich „scharf“ wirkenden Ton. Das Concertgebouw Orkest ist, wie zu erwarten war, erste Wahl und liefert eine makellose Vorstellung ab. Dirigent Zoltán Peskó hat die Partitur gut im Griff, die mit ihren zahllosen crescendi und decrescendi sicher kein einfach zu erabeitendes Werk repräsentiert.

Fazit: Diese CD liefert grundsolide Aufnahmen beider Werke in einem hervorragenden Klangbild in höchst reizvollen Liveaufnahmen. Es gibt bessere Einspielungen, jedoch zählt dieses Album definitiv mit zur Oberklasse des Verfügbaren – was den Rihm angeht, würde ich hier sogar von der momentanen Referenzeinspielung sprechen wollen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass hier noch mal einer „einen drauf setzt“.

Es ist vielleicht uncharmant an dieser Stelle den berühmt niedrigen Naxos-Preis zu zitieren, doch es stimmt einfach: Für rund acht Euro bekommt man nirgendwo anders so gut interpretierte und vor allem so hervorragend klingende Aufnahmen dieser Werke. Super! © The Listener





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