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Werner Theurich
Spiegel Online, January 2015

Ist das Debussy, Alban Berg oder doch eher Monteverdi? Ein Cocktail mit wechselndem Rezept: Der italienische Komponist Gian Francesco Malipiero (1882–1973) lässt sich keiner Schule zuordnen, sein Werk lässt sich stilistisch oft nicht eindeutig verorten. Das verwirrt schon mal, interessant und überraschend klingt seine hierzulande nicht übermäßig bekannte Musik allemal.

Das Malipiero-Gefühl kann man frisch und authentisch anhand einer neuen CD erfahren, auf welcher der Dirigent und Namensvetter Francesco La Vecchia mit dem Orchestra Sinfonica di Roma sich zunächst Malipieros große “Fantasie di ogni giorno” vornimmt: ein Zwanzig-Minuten-Kraftakt, mit welchem der Komponist 1953 wieder neue Wege mit seiner Musik beschreiten wollte. Dazu entfachte er eine enorme Bandbreite an Ideen und Ausdruck, behielt aber stets Proportionen und Form im Auge, balancierte zwischen Strenge und kühlem Feuer. Eine Wundertüte an Ideen, manchmal irritierend, fordernd, oft aber mit der breiten Pinselfarbe eines imaginären Filmsoundtracks gemalt. Alles andere als alltäglich jedenfalls, wie der Titel (“ogni giorno”) scheinbar ankündigt.

Ganz anders faszinieren die beiden Tonträger-Premieren, die La Vecchia für diese Produktion ausgewählt hat: Zwei wesentlich archaischer anmutende Passacaglien für Orchester, 1952 entstanden, von denen vor allem die zweite, nur fünf Minuten kurze mit straffem Rhythmus unmittelbar wirkt. Malipiero spielt in der freien Passacaglia-Form mit den Instrumentengruppe, dreht und wendet die Themen wie ein intellektueller Jongleur.

Vertrackte Polyrhythmik, strenge und klare Melodieführung, plötzliche Soundwechsel und Pointen machen es dem Hörer nicht immer leicht, aber so gestaltete der Tonkünstler Malipiero eben seine aus reicher Repertoirekenntnis entwickelten Stücke: Es sind geplante Abenteuer, durchdachte Expeditionen auf der musikalischen Landkarte, oft mit harmonisch traditionell gestylten Rastplätzen. Die großen Vorbilder Malipieros stammen schließlich aus dem Erbe von Vivaldi, Scarlatti und Monteverdi, dazu etwas Gregorianik. Interpretiert und strukturiert aus der Kenntnis Strawinskys gelingt Malipiero damit ein musikalischer Erlebnispark, der trotz aller Artenvielfalt dennoch streng geführt wirkt. Schließlich war Malipiero nicht nur Komponist, sondern auch Musikwissenschaftler. Er gab die Werke Monteverdis und Vivaldis heraus, war Leiter von Musikinstitutionen in Venedig und Rom.

Dieser wissenschaftlich Hintergrund floss in sein Werk. Malipiero war kein Revolutionär, der zerstörte, um zu erschaffen. Er ging respektvoll mit der Tradition um, tüftelte wie ein Forscher im Labor. Wie so ein Ergebnis klingen kann, zeigt auch die Perlenschnur der kleinen “Concerti” auf der neuen CD: die zweite hier enthaltene Ersteinspielung. © 2015 Spiegel Online





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