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alte-musik-forum.de, September 2015

Das 1536 in Valencia gedruckte Libro de música de vihuela a mano intitulado El Maestro ist ein musikhistorisch bedeutendes Werk, es stellt die erste Veröffentlichung von ausdrücklich für die vihuela de mano bestimmter Musik dar; daneben gibt es nur noch ein einziges etwas älteres Stück in Manuskriptform. Der um 1500 geborene Luys de Milán war Zeit seines Lebens mit dem spanischen Hof in Valencia verbunden, war nicht nur als Musiker tätig, sondern schrieb zwischen 1535 und 1561 auch ein Handbuch für Spiele und eine lebhafte Schilderung des Lebens am Hof Philipps II., El cortesano. El Maestro ist aber seine bedeutendste Veröffentlichung und in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Obwohl er keine Verzierungen ausschreibt, bietet er detaillierte Anweisungen zur Aufführungspraxis, verwendet als erster Beschreibungen in Worten zur Differenzierung der Tempi, die sehr unterschiedlich und präzise sind, beschreibt mit dem “tañer de gala” eine Art des Rubato. Auch Vokalmusik enthält der Druck, die Melodien wechseln zwischen polyphonen und homophonen Passagen, wobei nicht immer klar ist, ob die in roter Farbe gedruckte Gesangslinie vokal oder instrumental ausgeführt werden soll; offenbar waren beide Möglichkeiten vorgesehen. Einige Stücke gibt es in zwei Fassungen, darunter eine sehr einfach gehaltene, die vom Ausführenden ganz offensichtlich selbst verziert werden sollte.

Unter der Instrumentalmusik des Drucks stehen 40 Fantasias, von denen wir hier 22 zu hören bekommen—dies war in jener Zeit ein sehr weit gefasster Begriff, den Milan, so könnte man den Eindruck gewinnen, schlicht als Bezeichnung für Instrumentalmusik verwendet: Die hier ebenfalls erklingenden 6 Pavanas sind die einzigen Stücke, die nach einem Tanz benannt sind; Milan bescheibt sie in seiner Einleitung ebenfalls als ‘fantasias’! Er sieht den Ursprung der Pavana in Italien (wo sie als ‘Paduana’ auftaucht, benannt nach der Stadt Padua) und meint, die ‘sonada’, also der ‘Klang der’ fünften und sechsten Pavane sei italienisch—tatsächlich lassen sich deren Melodien auch in Italien nachweisen. (Es ist übrigens die früheste Verwendung des Begriffs, der heute noch, aber in völlig veränderter Bedeutung, als ‘Sonate’ im Gebrauch ist.)

Diese Musik braucht ganz offensichtlich einen ‘fantasievollen’ Interpreten, der sich traut, eine Art des Rubato zu entwickeln, die angemessen,aber nicht übertrieben ist, und genau das gelingt José Antonio Escobar ganz ausgezeichnet—die so genau bezeichneten Tempi von Milans Fantasias sind oft überraschend rasch, durchbrochen von virtuosen Passagen, die hier in schöner Relation zum Grundtempo gespielt sind.

Der Chilene Escobar ist eigentlich Gitarrist, auf der modernen Gitarre ausgebildet, aber sein erster Lehrer Ernesto Quezada war Lautenist und er weckte in ihm das Interesse an der Geschichte des Instruments und damit der Vihuela, die man als Vorläufer bezeichnen könnte—es folgten Studien bei Spezialisten wie Hopkinson Smith, Eduardo Egüez und Carlos Rivera, die hörbar auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Er ist hier zu den Wurzeln seines Instruments zurückgegangen und hat eine sehr ansprechende und persönliche Spielweise entwickelt, die frei von unangemessenen Versuchen ist, moderne Gitarrentechniken auf das ältere Instrument zu übertragen. (Aber der geneigte Hörer möge sich auch seine Anthologie mit moderner, absolut hinreissender Gitarrenmusik aus Kolumbien bei Naxos anhören.) © 2015 alte-musik-forum.de





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