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Maximilian Trapp
Gitarre und Laute, February 2016

Dies ist Anton Baranovs Platten-Debüt! Er ist 1984 in St. Petersburg geboren, hat dort auch studiert und schließlich die angesehensten Gitarrenwettbewerbe gewonnen. 2013 war für den Sieger des GFA (Guitar Foundation of America)-Wettbewerbs in Louisville/Kentucky neben Geld- und diversen anderen Sachpreisen die Produktion dieser CD ausgeschrieben. Baranov hat gewonnen, sein Landsmann Artyom Dervoed, von dem hier schon die Rede war, wurde Zweiter.

Baranov spielt auf seiner Debüt-CD ausschließlich lateinamerikanische Gitarrenmusik…und unter den Werken, die er ausgesucht hat, ist nicht eines, das, sagen wir, zu den überstrapazierten Opera gehört. Die „Sonata Porteña“ von dem Argentinier Javier Bravo (geb. 1972) ist sogar eine Ersteinspielung.

Die Vokabel „porteño/porteña“ geht zurück auf das spanische „puerto“ (= Hafen) und bezeichnet unter anderem Menschen, die in Hafenstädten geboren sind oder leben—speziell in der Hafenstadt Buenos Aires. Wir kennen das Wort aus den „Estaciones Porteñas“ von Astor Piazzolla, den „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“.

Der Komponist Javier Bravo ist ein Porteño und der Musik seiner Heimatstadt verpflichtet…gleichzeitig klassischen Vorbildern. So ist die Satzfolge Allegro ma non troppo, Andantino und Presto agitato förmlich aus dem Lehrbuch…mit Einsprengseln aus der argentinischen Folklore, versteht sich, und mit den Aktualisierungen, die an dem Lehrbuch nötig waren und auch ausgeführt worden sind. Tango gibt’s nicht, aber der erste Satz explodiert förmlich vor Energie. Hier wird mit Widersprüchen, Gegensätzen und mit Kontrasten gespielt…wie man das „eigentlich“ von einem Sonatenhauptsatz erwartet … dabei ist die Sonate des 21. Jahrhunderts nicht mehr unbedingt von diesem Prinzip bestimmt. Die Expressivität des Satzes überzeugt aber Zweifler, lässt sie eintauchen in die magisch-vitale Klangwelt rund um den Rio de la Plata.

Der zweite Satz liefert das lyrische Pendant und bezieht sich dabei gelegentlich auf Material, das einem aus dem Allegro bekannt ist. Ausgerechnet in diesem langsamen Satz hört man Fragmente, die auch in einen Tango passen könnten—in einen Tango von Che Astor höchstpersönlich sogar.

Schließlich der dritte Satz, der formal ein Rondo ist und als solches eine große musikalische Vielfalt erlaubt. In diese Vielfalt gehören Bravourpassagen, lyrischen Ruhpunkte und expressive Ausbrüche…und all diese Elemente weist der dritte Satz der „Sonata Porteña“ auf. Auch er nimmt Bezug auf schon Gehörtes, auch er lässt einen Tango durchschimmern und auch er liefert Ruhepassagen mit hinreißend schönen Melodien. Der Satz weist zwar hie und da Längen auf, ist aber insgesamt ein nicht krönender, aber doch respektabler Abschluss dieser Sonate.

Die einsätzige Sonata Nº 2 von Eduardo Angulo, wird auch geboten, die vierte Sonate von Guido Santórsola, die der Komponist selbst als „Sonata Italiana“ betitelt hat, und eine bescheiden als „Sonatine“ überschriebene Komposition des Argentiniers Máximo Diego Pujol.

In allen Werken seines Programms, das insgesamt knapp eine Stunde lang ist, erweist sich Anton Baranov als souveräner Mittler zwischen Komponist und Publikum. Er kann mit Virtuosem mitreißen, er kann in Melodien schwelgen und zum Tanzen auffordern. Was kann man mehr verlangen? Und noch einmal: Dies ist seine Debüt-CD! © 2016 Gitarre und Laute





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