Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

alte-musik-forum.de, May 2015

Nach der ausgezeichneten Aufnahme der Tastenversionen der Frottole, die Naxos mit dem Cembalisten Glen Wilson vorlegte, bekommen wir hiermit erfreulicherweise auch die gesungenen Varianten—dies waren die eigentlichen “Hits”, aber nur etwa vier Jahrzehnte lang, ca1500–1540. Musikwissenschaftler Dinko Fabris skizziert in seinem sehr inhaltsreichen Begleittext die Umstände, unter den diese mehrstimmigen Lieder populär und später durch andere Formen abgelöst wurden—ein äusserst interessantes kleines Kapitel Musikgeschichte, was ebenso mit politischen Umwälzungen im Italien der Renaissance zu tun hat wie den Umständen, unter denen einige wenige, miteinander konkurrierende Musikverleger Privilegien zum Drucken dieser Stücke erlangten, und unter denen sie konkret gesungen wurden.

Was ist der Unterschied zum Madrigal, wird der Leser fragen—nun, die Texte der Frottole sind literarisch längst nicht so anspruchsvoll, nicht von heute noch als kunstvolle Literaten geschätzten Dichtern verfasst, die Inhalte kreisen um die Liebe und stehen in verbreiteten Liedformen, über relativ einfache Akkordbegleitung konzipiert. Nichtsdestotrotz ist ihre Mehrstimmigkeit teilweise sehr kunstvoll, weil sich einige der besten Musiker der Zeit, z.B. Willaert, Tromboncino und Cara unter den Komponisten finden, mit deren Namen explizit geworben wurde. Die Enstehung der Vilanella und der späteren Formen der Monodie ist ohne sie kaum vorstellbar, ihr Einfluss auf die höfische Musik, in die sie auch Einzug hielten, unüberhörbar. Ihrerseits bauen sie auf Formen von Chansons auf, wie sie die flämischen Musiker, vor allem Orlando di Lasso und Josquin Desprez, nach Italien brachten.

Wir bekommen hier also ein nicht zu unterschätzendes Kapitel Musikgeschichte vorgeführt, von einem Doppelquartett italienischer SängerInnen und MusikerInnen, die das alles sehr kompetent und unverbraucht darbieten, frisch und abwechslungsreich, mit ein paar Lautensoli dazwischen. Die Instrumentalisten begleiten unauffällig, aber immer angemessen lebendig und unterstützend. Allen vier SängerInnen merkt man ihre grosse Erfahrung mit der Musik jener Zeit an, sie singen ungekünstelt, geradeheraus, bringen die Sache auf den Punkt, ohne sich selbst übermässig in den Mittelpunkt zu stellen. Alles hat eine grosse Natürlichkeit, wenn man das von einer künstlerischen Darbietung überhaupt so sagen kann. Eine wichtige Ergänzung unseres von den bisher als höher bewerteten anderen Formen der Vokalmusik der Renaissance dominierten Musikgeschichtsbildes. © 2015 alte-musik-forum.de





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group