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Album Reviews



 
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Salvatore Pichireddu
artistxite, February 2016

Gustav Mahler gehört zweifelsohne zu den ganz großen Sinfonikern der Musikgeschichte. Die konsequente Vergrößerung des Orchesterapparats, seine substantielle Erweiterung von Umfang und Formen waren so revolutionär wie zuvor vielleicht nur Beethovens Beiträge zur Gattung. Eine Reduktion eines so gewaltigen Werks wie der “Auferstehungssinfonie” auf zwei Klaviere scheint kaum machbar. Und doch waren solche Transkriptionen für Klavier(e) lange Zeit die einzige Möglichkeit, neue Musik in die Wohnstuben des Bürgertums zu bringen. Bruno Walter, der eine Bearbeitung der Sinfonie für Klavier zu vier Händen 1898 anfertigte, war mit dem Werk bestens vertraut: Er war Mahlers Assistent an der Hamburger, später noch einmal an der Wiener Oper. Der 16 Jahre ältere Komponist (und Dirigent) war so etwas wie ein Mentor für den ambitionierten jungen Dirigenten. Walters spätere Aufnahmen der Mahler-Sinfonien gelten heute als diskografische Meilensteine der klassischen Musik. Maasa Nakazawa und Suhrud Athavale, zwei der talentiertesten Studenten der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien der vergangenen Jahre, spielen Walters “Klavierauszug zu vier Händen” der 2. Sinfonie in c-Moll mit viel Sinn für die luftige Transparenz der Partitur. Sie versuchen erst gar nicht, die Klanggewalt der ursprünglichen Sinfonie auf den Klavieren zu reproduzieren, stattdessen spielen sie mit feinem, zurückhaltenden Ton. So erschaffen sie, gerade für den Kenner der (orchestrierten) Sinfonie, eine Art Meta-Ebene, die immer wieder einzelne Details der Partitur präzise durchleuchtet: Bruno Walters “Klavierauszug” ist hier also durchaus wörtlich zu verstehen. Dies ist eine sinnvolle Ergänzung für jede Mahler-Sammlung. © 2016 artistxite



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2016

Die 2. Symphonie in ihrer fünfsätzigen Form wurde 1895 von Mahler selbst in Berlin uraufgeführt. 1898 stellte Bruno Walter für den Verlag Weinberger einen Klavierauszug zu vier Händen her, der später von der Universal Edition übernommen wurde. Walters Manuskript enthält Korrekturen und Anmerkungen des Komponisten selbst, kann also als authentisch gelten (Bruno Walter war Mahlers Assistent an der Hamburger Oper). Diese von Bruno Walter erstellte Klavierfassung ist Basis der neuen in jeder Hinsicht gelungenen Aufnahme von Naxos.

Die Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst, wo sich große Teile des musikalischen Nachlasses Walters befinden, hat sich dieses Projekts der 2. Symphonie für Klavier angenommen und mit zwei hochbegabten Schülern von Peter Efler realisiert. Maasa Nakazawa (Japan) und Suhrud Athavale (USA) spielen diese überaus imaginative und die Farbigkeit des Orchesters bestmöglich wahrende Transkription auf zwei verschiedenen Steinways mit Elan, Leidenschaft und unglaublichem technischen Können. Was aber am meisten frappiert, ist ihr genialischer musikalischer Funke, dieses „Gespür“ für die Geschlossenheit der Form, den steten, vorwärtsdrängenden spielerischen Fluss bei präzise platzierten Rubati. Nakazawa und Athavale erreichen die dynamische Feinabstufung vor allem mittels einer großen Varietät des Anschlags und erzielen dabei erstaunliche Ergebnisse. Besonders gut gefällt mit der scherzohafte dritte Satz. Dieser Satz lehnt sich, wie im Booklet trefflich beschrieben, „an das Antonius Lied des Komponisten an, wobei die Rahmenteile durch ihre fließende Bewegung die im Wasser schwimmenden Fische nachzuahmen scheinen.“ Selbst die vokalen Teile der Solisten und des Chors im vierten und fünften Satz werden mit den einfacheren Mitteln des Klaviers berührend und von Phrasierung und Atmung her wie mit menschlicher Stimme ausgedrückt.

Interessant ist, was Bruno Walter zur 2. Symphonie schreibt: „Mahlers Werk ist keine religiöse Botschaft, es ist eine Symphonie, die eine religiöse Botschaft vermittelt. Es ist in erster Linie die Äußerung eines Musikers, nicht eines Propheten. Ich möchte dem Zuhörer daher raten, die ersten drei Sätze als das wahrzunehmen, was sie sind; symphonische Musik. Im vierten und fünften Satz dagegen wird der erhabenen spirituelle Gehalt durch Worte verdeutlicht.“ Und so spielen Maasa Nakazawa und Suhrud Athavale diese Musik auch, wobei Klopstocks und Mahlers Verse magischerweise nicht weniger als im reinen Klavierklang ihren Sinn finden: Mit Flügeln, die ich mir errungen, in heissem Liebesstreben werd‘ ich entschweben zum Licht, zu dem kein Aug gedrungen!

Vom Tempo her sind die beiden Künstler insgesamt ziemlich flott unterwegs: Ihre Wiedergabe dauert 76,24 Minuten. Bruno Walter selbst hat für seine Einspielung mit dem New York Philharmonic 79 Minuten gebraucht (ähnlich wie Klemperer), Bernstein (2. Aufnahme mit den New Yorker Philharmonikern) und Sinopoli 85 Minuten, Rattle 86 und Tennstedt 88.

Für alle Freunde der Musik Mahlers und des Klaviers ist diese CD, die auch aufnahmetechnisch die höchsten Ansprüche erfüllt, unverzichtbar. Die beiden Pianisten verdienen dafür alle Musikpreise der Welt. © 2016 Der Neue Merker





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