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Claus Friede
KulturPort.De, September 2015

1931 in Hamrun, südwestlich von Valletta geboren verschrieb er sich bereits als Kind dem Akkordeon und dem Piano, komponiert mit elf Jahren bereits seine ersten Stücke, die ganz in der Musiktradition des Landes und in der Folklore beheimatet sind. Als Achtzehnjähriger verlässt er—wie so viele—Malta (damals noch britische Kolonie) und emigriert zunächst nach Australien, dann nach London, verdient sein Geld mit dem Arrangieren von Popularmusik, dirigiert und komponiert. Bei einem seiner Aufträge assistierte er Sir Malcom Arnold bei der Filmmusik zum Oscar-gekrönten Spielfilm „Die Brücke am Kwai“. 1958 zieht es ihn in die USA, dann weiter nach Kanada. Er studiert Komposition und arbeitet als Dirigent bei der „Canadian Broadcasting Corporation“. 1965 folgt die Rückkehr nach London und eine erfolgreiche Zeit setzt ein. 1977 wird er im kanadischen Toronto Professor für Komposition, gibt Unterrichtseinheiten an der Buffalo State University im Staat New York und lernt dort John Cage kennen und die experimentelle Musik, die schließlich ihn beeinflusst und 1981 in der Komposition „Organ Concerto“ mündet. Trotz des Lebens im Ausland und voller Reisen—Malteser bleibt man im Herzen—und so kehrt er 1983 zurück auf seine geliebte Insel. Eine äußerst inspirierende Zeit beginnt und er komponiert Stücke, die seine Heimat huldigen.

Wie kann man einen solchen Komponisten kategorisieren? Nur schwerlich, denn sein Lebenswerk weist sehr unterschiedliche und äußerst komplexe Profile auf. Da ist der frühe traditionelle Komponist, der sich streng an die Volksmusik des Landes hält, da sind danach die Orientierungen an der Weltmusik eine Art „Afro-Arabisch-Hindu-Phase“, in der Rhythmus und Tonalität Nordafrikas ebenso zu hören sind wie die der Levante und des Mittleren Ostens. Und schließlich wird er zum universellen Zusammenbringer seines biographisch geprägten kompositorischen Kosmos’, was man insbesondere in seinem Spätwerk hören kann.

Das soeben erschienene Album „Charles Camilleri—Mediterranean“ fokussiert eher die ersten beiden Phasen. Da ist sein erstes großes Werk, das Klavierkonzert Nr. 1 aus dem Jahr 1948, welches 1978 neu orchestriert und überarbeitet wird. Die dreisätzige Komposition (schnell-langsam-schnell) ist mit unterschiedlichen Themen ausgestattet und führt nach einer lebhaften Anfangsphase (Allegro moderato) zum Adagio mit einen herrlichen, zarten und sensiblen Solorezitativ für Waldhorn, gespielt von Mario Cola.

Die wundervolle Pianistin Charlene Farrugia (ebenfalls Malteserin) spielt dieses Klavierkonzert so einfühlsam und gleichzeitig spannungsreich, dass der Hörer regelrecht in die Welt des Mittelmeeres eintaucht und kaum mehr davon loskommt.

Mal expressiv und intensiv—gerade die Stellen, die an Rachmaninow erinnern, dann gleitet die Musik ruhig und sanft beim Hören sowohl durch die eigene Phantasie als auch durch die herausgehobenen Bilder hinter den geschlossenen Augen. Im letzten Satz, Allegro molto vivace, ist man dann wieder in den wechselnden schnellen Läufen, in Arabesken, spanisch-mediterranen Tanzversatzstücken und großen melodischen Gesten.

Die promovierte Pianistin hat einen ganz persönlichen und einen musikalischen Bezug zu Camilleri, denn ihr Großvater, Salvatore Farrugia, war sein Klavierpartner im Hamrum in dessen frühen Jahren. Im Jahr 2000 traf Charlene Farrugia dann Charles Camilleri erstmals bei einer ihrer Performances persönlich. Das führte zu weiteren Treffen und dem Austausch über allerlei Fragen der Musik. Noch heute schwärmt sie von seinem Humor und der lebensfrohen Art. Sie betrachtet ihn als einen ihrer Mentoren. Während ihres Studiums an der Royal Academy of Music in London starb Camilleri 2009 in Malta. Für sie ist diese CD somit nicht nur die offizielle Vorstellung Vallettas als kommende Kulturhauptstadt Europas 2018, sondern überdies ihre individuelle Hommage an den Komponisten.

Das Konzert für Akkordeon und Streichorchester (1968) fängt merkwürdig traditionell, wie eine Sonate des 19. Jahrhunderts an und entwickelt sich im Laufe der drei Sätze zu einem modernen, zeitgenössischen Stück, das schon viel von dem vorweg nimmt was auch später, nach 1990 seine Kompositionen auszeichnet. Modernistische Fragmente sorgen für einen spannungsgeladenen zweiten und dritten Satz. Franko Božacs Akkordeon klingt zwischenzeitlich wie eine Orgel und Camilleris Humor mag auch hier eine Rolle gespielt haben, wenn er zum Ende eine „manisch“ atonale Toccata zitiert.

Bei der Malta Suite (1946) ist Charles Camilleri ganz der Nationalkomponist seines Heimatlandes. Hier eint er die volksmusikalische wie klassische Seele, vergleichbar mit Bela Bartók, der dies für Ungarn tat. In ausgelassenen Tanzmotiven (Country Dance, Waltz und Village Festa) kommt die fröhliche, leichtfüßige und unbeschwerte Seite Maltas zu Ausdruck. Im Nocturne aber auch die der Mühsal, der Schwere und der Nacht.

Charles Camilleris „Mediterranean“ ist mit jeder Note und zudem diesen ausgezeichneten Interpreten die Reise in die Welt der Musik Maltas wert. © 2015 KulturPort.De



Remy Franck
Pizzicato, September 2015

Charles Camilleri, der einzige weit über die Grenzen Maltas hinaus bekannte Komponist wird bei Naxos mit einer CD portraitiert, auf der Charlene Farrugia das quirlig-verspielte, unter der Sonne gereifte Klavierkonzert Nr. 1 (Mediterranean) spielt, Franko Božac das recht klassisch gehaltene und entsprechend anspruchsvoll gemachte Konzert für Akkordeon und Orchester. Am Schluss kommt dann auch mit der ‘Malta Suite’ noch das Traditionelle in Camilleris Musik zu Ehren. Alles in allem ist dies also eine angenehm unterhaltsame CD mit dem Philharmonischen Orchester Malta unter dem kroatischen Dirigenten Miran Vaupotić. © 2015 Pizzicato



Radio Bremen, September 2015

Wir bleiben noch im Mittelmeerraum, auch wenn der Komponist der folgenden Musik mit der Türkei nichts zu tun hat. Der 2009 gestorbene Charles Camilleri gehörte nämlich zu den berühmtesten Musikerpersönlichkeiten des Inselstaates Malta, und drei seiner Werke können wir auf einer neuen CD von Naxos hören: die Malta-Suite, das 1. Klavierkonzert und das Konzert für Akkordeon und Streichorchester. In dessen drei Sätzen unternimmt der Komponist, der selbst ein Akkordeon-Virtuose war, eine humorvolle Reise vom 18. ins 20. Jahrhundert.

Und hier ist der Finalsatz: Allegro vivace. © 2015 Radio Bremen





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