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Album Reviews



 
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Christoph Vratz
Schumann-Journal, May 2016

Der Vorhang hebt sich. Langsam, aber nicht schleppend. Dann beginnt eine Maskerade mit allem, was das romantische Musiker-Herz auszuschünen vermochte: Tempound Charakterwechsel, schnelle Läufe und anspruchsvolle Akkorde, Tanz-Rhythmen und wiederkehrende Motive, Grazie und straffes Paradieren. So bunt hat Robert Schumann seine PapilIons nach leidenschaftlicher Jean Paul-Lektüre gespickt.

Diesen wechselhaften Hokuspokus über elf Mini-Akte zwischen Introduktion und dem Finale als zwölftem Akt hat man schon auf denkbar unterschiedliche Weisen gehört, etwa mit kiloschweren Gewichten behängt wie bei Sviatoslav Richter oder aber leicht und filigran wie Robert Casadesus. Nun betrin Boris Giltburg die Bühne. Diskret lauernd und geschmeidig wagt er sich in die erste Papillons-Nummer. Im Diskant glitzert sein Spiel nobel, und es könnte weiter glitzern, ließe Roben Schumann nicht sofort in Nr. 2 eine Bass-Figur dreinfahren. Dem Oktav-Motiv der linken Hand in Nr. 3 möchte Giltburg nur ja nicht die Grazie rauben, selbst wenn nach wenigen Takten die Rechte verstärkend hinzutrin. Erst nach der Wiederholung erhöht Giltburg den Faktor des Energischen. Es ist dieses permanente Mäandern, das den Zyklus für jeden Pianisten so heikel macht und worin Giltburg eine erstaunliche Stilsicherheit und Wandlungsfähigkeit
beweist.

Das gilt auch für die bei den anderen Werke auf dieser CD: die Davidsbündlertänze und den Carnaval. Man erkenn t immer nach wenigen Takten, worauf es Giltburg ankommt: Er bleibt seinem vom Ansatz her auf Gesanglichkeit zielenden Ansatz treu, egal ob er prestissimo eilt oder “nicht schnell” einzelnen Linien nachspürt. Giltburg kennt sich in Schumanns Welten bestens aus. Dieser Ansatz ist in der Schumann-Diskographie nicht neu. Man denke an Wilhe1m Kempff, an Murray Perahia, an Andds Schiff. Und vielleicht gelingen den Genannten, oder auch dem Schumann-Enzyklopädisten Eric Le Sage, an einzelnen Stellen überzeugendere Momente, doch in der Summe liefert Giltburg einen beeindrukkenden
Nachweis seiner gedanklichen und pianistischen Fähigkeiten.

Das “Innig” im zweiten Davidsbündlertanz erschließt sich zwar auch als einzelnes Stück für sich, doch erst im Kontrast zum folgenden “Mit Humor” ergibt sich die Dramaturgie. Florestan und Eusebius, Schumann treue Fantasiegeister, spuken durch diese Aufnahme vom ersten bis zum letzten Moment. Im Carnaval begegnen sie sich unminelbar nacheinander, pianistisch von Giltburg wunderbar zum Sprechen gebracht: hier das versonnene, träumerische Naturell von Eusebius, dort der aufbrausende und immer nur kurz zum Innehalten fähige Florestan, der sich nicht zähmen lassen möchte. Wie Giltburg hier Ober-, Mittel und Bassstimmen mal ineinander verschachtelt und sie mal sehr akribisch voneinander trennt, um dem Hörer das Mit-Verfolgen jeder Geste zu ermöglichen, hat nichts Gelehriges, sondern bleibt jederzeit organisch. Schumanns Charakter- Porträts von Kollegen—“Chopin” und “Paganini”—deutet Giltburg so gekonnt, dass die Personen klar identifizierbar bleiben, aber auch so gewitzt erscheinen, dass man neben Bewunderung auch ein Augenzwinkern
Schumanns in seinen Porträts zu erkennen glaubt.

Vielleicht, so ließe sich kritisch anmerken, wünschte man Giltburg gelegentlich eine etwas größere Lust am Schäumen, wenn er Rücksicht und Vorsicht walten lässt, um auch jede Kostbarkeit, die in den Noten schlummert, zu erwecken, etwa im “Sehr rasch” im ersten Buch von op. 6. Auch die Basstöne in “Chiarina” im Carnaval hat man schon freier, rhapsodischer gehört. Doch am Grundsätzlichen ändert das nichts. Boris Giltburg bleibt sich und einem kultivierten, nie über die Stränge schlagenden Klavierspiel treu und überzeugt dabei vor allem als Klang-Künstler. Als ein Pianist, der mit seinem flexiblen Anschlag über eine breite klangliche Farb-Palette verfügt, deren Töne, alle für sich genommen, einen leuchtende Kern besitzen—dem ordentliche, aber nicht immer idealen, eher leicht wattigen Klangbild zum Trotz. © 2016 Schumann-Journal




Christoph Vratz
Concerti, May 2015

Sein Anschlag ist variabel, die Töne, die er dem Klavier entlockt, klingen ungemein farbig: Boris Giltburg liest Schumanns Poesien.

Klar, über Details lässt sich immer streiten. Doch was Boris Giltburg im Ganzen zu Robert Schumann zu sagen hat, verdient Hochachtung. Ausgewählt hat er die Davidsbündlertänze, die Papillons und den Carnaval. Nichts an seiner Einspielung ist vordergründig oder dient dem billigen Effekt. Sein Anschlag ist variabel, die Töne, die er dem Klavier entlockt, klingen ungemein farbig, die Bögen, die er in diesen Miniaturen schlägt, sind schlüssig, ebenso die Balance zwischen Diskant-Gesang und Bass-Kommentaren, und seine Fähigkeit, sich im Leisen beredt zu artikulieren, ragt heraus. Er sucht Schumanns poetische Wahrheiten nicht im grauen Mittelmaß, sondern an den Randzonen, nicht nur in der Dynamik, auch in seinen Tempi. Doch meidet Giltburg Übertreibungen. Er hat sich tief in die Materie vergraben und lässt den Hörer an seinen Erkenntnissen teilhaben, ohne den pädagogischen Finger zu heben. © 2015 Concerti



Gregor Willmes
Fono Forum, May 2015

Musik:
Klang:

Bereits anhand früherer Produktionen konnte man erkennen, dass Boris Giltburg ein ausgezeichneter Pianist ist. Diese neue Schumann-Aufnahme geht darüber noch hinaus, zeigt einen Kunstler, dessen Interpretationen im Vergleich mir Größen wie Vladimir Ashkenazy oder Claudio Arrau bestehen können. Mit den „Davidsbündlertänzen“, den „Papillons“ und „Carnaval“ hat sich Giltburg drei Zyklen des noch jungen Schumann ausgewählt, die gekennzeichnet sind von den beiden Seelen in Schumanns Brust, dem eher lyrisch-verinnerlichten Eusebius und dem lebhaften, oft auch aufbrausenden Florestan, wie Schumann die beiden im „Carnaval“ am deutlichsten gezeichnet hat. Dabei weisen alle drei Zyklen Zusammenhänge und eine ausgesprochen bildhafte Musik auf, ein Spiel mit immer neuen Masken und großen Gefühlen.

Giltburg gelingt hier eine eigene Lesart, die der leisen Poesie Eusebius‘ etwas den Vorrang einzuräumen scheint und dabei bewusst auf einen natürlichen Fluss, aber nicht zu schnelle Tempi setzt. Wo Ashkenazy etwa den fünften der „Davidsbündlertänze“ klanglich zum kunstvollen Kleinod formt, nimmt Giltburg die Überschrift „Einfach“ ernst. Und wenn Ashkenazy im folgenden Staz die Überschrift „Sehr rasch“ wörtlich nimmt, betont Giltburg im etwas langsameren Tempo den reitenden Rhythmus. Vergleicht man wiederum Giltburgs Interpretation der „Papillons“ mit der von Arrau, wirkt die neue Aufnahme klanglich vielleicht etwas weninger frei, aber GIlburgs Interpretation ist nicht weniger charaktervoll. Respekt schlägt zeitweise um in Bewunderung. © 2015 Fono Forum



Hans-Dieter Grünefeld
Piano News, May 2015

Offene Zuneigung zu seiner zukünftigen Ehefrau Clara, die Robert Schumann in den Davidsbündlertänzen zum Ausdruck brachte, ist auch in der musikalisch sensiblen Darstellung von Boris Giltburg präsent. Während Schumann in diesem Werk metaphorisch sein (privates) Gesicht zeigte, seien gemäß eigener Korrespondenz sowohl die energischen Papillnos als auch die Scènes mignonnes (Liebeszenen) des Carnaval eher Masken persönlicher Gefühle. Diese Differenz wird in maskulin-selbstbewusster Anschlagtechnik und Phrasierung bei Boris Giltburg deutlich. Darüber hinaus überzeugt sein Recital mit Gespür für Zusammenhänge innerhalb der kleinteiligen Formen dieser Zyklen. © 2015 Piano News



Radio Marabu, February 2015

Der russische, in tel Aviv augewachsene Pianist Boris Giltburg entdeckt Robert Schumann für die Radio Marabu Hörer und gibt uns Einblick in die Schumann sehr am Herzen liegenden Stücke Carnaval, Davidsbündlertänze und Papillons. © 2015 Radio Manabu



Hifi&Records, February 2015

…Schumann neben Chopin einer der größten Meister der kleinen Form, der romantischen Charakter-Miniatur war, belegen schon seine frühen Klavierwerke in einzigartiger intuitiver Dichte. Der israelische Pianist Boris Giltburg hat jetzt sein Debütalbum bei Naxos mit allen drei wichtigen Zyklen des Komponisten bestückt und eine ungewöhnliche, ästhetisch einleuchtende Reihenfolge gewählt: Er beginnt mit den intimen, Schumanns großer Liebe Clara Wieck zugedachten Davidsbündlertänzen, lässt diesen die aphoristisch knappen Gedankenfetzen der Papillons folgen, um dann zu den eher geschärften, theatralischmaskenhaften und doch enigmatischen Charakteren des exzessiven Carnaval-Panoptikums vorzudringen: Er vollzieht so eine poetische Traumreise von innen nach außen, von den intimsten, zärtlichsten Seelengründen bis zu den bizarren Phantastereien der gespaltenen Doppelexistenz Schumanns. Giltburg besticht durch technische Mühelosigkeit und gestalterische Intelligenz, die auf einem natürlichen, fließenden Timing basiert und eine ungemein suggestive »Poesie der Klarheit« kultiviert, die man bei Schumann so selten antrifft: Es ist das kurzweiligste, inspirierendste Schumann-Album seit langem! © 2015 Hifi&Records







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