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Album Reviews



 
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Guy Engels
Pizzicato, June 2016

Beim Namen Wieniawski werden vor allem die Violinisten hellhörig, schließlich gehört Henryk Wieniawski zu den Grossen ihres Faches im 19. Jahrhundert. Vom Bruder Józef Wieniawski spricht hingegen heute kaum noch einer. Ebenso wenig werden seine Werke gespielt. Dabei war der Pianist zeitlebens nicht minder bekannt: als Interpret, als Begleiter und auch als Komponist.

Tocher und Vater Migdal haben nun ausgerechnet einige Violinstücke des Pianisten Józef Wieniawski eingespielt, davon sind zwei sogar Gemeinschaftsarbeiten mit dem Bruder Henryk.

Im Mittelpunkt steht Józef Wieniawskis Sonate in d-Moll, die Liv Migdal (Violine) und Marian Migdal (Klavier) in allen romantischen Schattierungen—von inniger Leidenschaft über intime Lyrik bis zu kraftvollem Gesang—voll auskosten. Liv Migdal lässt ihren Bogen geschmeidig gleiten, zaubert im Eingangssatz wunderbare Melodien hervor, verleiht dem Religioso-Teil innige Intensität und lässt die Sonate mit sattem Ton ausklingen.

Beim Klang hakt es bei dieser Produktion letztlich auch: Es sind nicht die Interpreten, die als klasse eingespieltes Team auftreten, es ist die trockene Aufnahme, die stellenweise abstumpft, wo etwas Brillanz gut getan hätte. © 2016 Pizzicato



Oliver Fraenzke
The New Listener, February 2016

Liv und Mairan Migdal spielen für NAXOS die Sonate für Violine und Klavier in d-Moll Op. 24 von Józef Wieniawski sowie Allegro de sonate g-Moll Op. 2 und Grand Duo polonais G-Dur Op. 5, eine Zusammenarbeit der Brüder Józef und Henryk Wieniawski, ein.

Tochter und Vater spielen die Werke zweier Gebrüder; die Tochter an der Violine am Anfang ihrer verheißungsvoll beginnenden Karriere, der Vater am Klavier mit diesen letzten Aufnahmen vor seinem Tod im Frühjahr 2015 am Ende seiner Laufbahn: der eine Bruder ein noch heute weltbekannter Violinist und Komponist, der andere als Pianist und ebenso als Komponist vollkommen in Vergessenheit geraten—sowohl seine Violinsonate als auch die in Kollaboration der beiden Brüder entstandenen Werke für Violine und Klavier wurden bisher noch nie eingespielt.

Warum Józef Wieniawski nach wie vor keine Beachtung in der Musikwelt findet, ist ein großes Rätsel. Zu Lebzeiten war er ein gefragter Pianist, der 1855 bei Franz Liszt und danach bei Adolf Bernhard Marx studiert hat und nach Liszt der erste Pianist war, der alle Chopin-Etüden öffentlich aufführte. Er begleitete eine große Anzahl der größten Künstler seiner Zeit wie unter anderen Joachim, Sarasate und Vieuxtemps. Auch als Komponist schuf er gewichtige Werke, so unter anderem eine Symphonie in D-Dur, ein Klavierkonzert in g-Moll, eine Klaviersonate, 24 Etüden in teils recht interessanten Formen wie „Fantasie und Fuge“ und etliche andere Solo und Kammermusikstücke.

Einigen dieser Werke widmeten sich nun Liv Migdal und ihr Vater Marian Migdal in einem bereits seit längerer Zeit geplanten Projekt. In ihrer Kindheit komponierten die beiden Brüder, Henryk und der zwei Jahre jüngere Józef Wieniawski, einige Stücke zusammen: Auf dieser CD zu hören ist das beschwingte, mit kindlicher Leichtigkeit und (im positiven Sinne) Naivität durchtränkte Allegro de sonate g-Moll Op. 2 (Józef war zu diesem Zeitpunkt erst elf Jahre alt) und das fünf Jahre später entstandene Grand Duo polonais G-Dur Op. 5, ein wesentlich größeres und ernsteres Werk, mit spürbarem kompositorischen Geschick von beiden Seiten. Trotz des jungen Alters der Komponisten sind die Werke durchaus ausgereift und technisch für beide Partner mit hohen Schwierigkeiten versehen. Das gewichtigste Werk der Aufnahme ist die große Violinsonate in d-Moll Op. 24 von Józef Wieniawski, die Ende seiner zwanziger Jahre entstand. Die viersätzige Sonate beginnt mit einem großformatigen und ziemlich düsteren Kopfsatz, auf den ein zwielichtiges Andante religioso folgt, in welchem das Klavier immer wieder Trost bieten will, was allerdings von der Violine oft genug verneint wird und die Stimmung wieder in dunkle Gefilde wirft, wobei der Satz schließlich doch eher versöhnlich endet. Ein heller Lichtblick wird durch den dritten Satz erreicht, ein knackiges und prägnantes Scherzo von größter Eingängigkeit, worauf ein wildes, kaum zu bändigendes Allegro appassionato, ma non troppo presto die Sonate schwungvoll beendet.

Das Spiel von Liv und Marian Migdal ist vollendet abgestimmt, Tochter und Vater hören einander exakt zu und reagieren auf das musikalische Geschehen in der Stimme des Partners. Hier wird jahre- oder jahrzehntelange Erfahrung im gemeinsamen Spiel deutlich und lässt die beiden Solisten zu einer Einheit verschmelzen. Zwar sind beide recht kontinuierlich eine Dynamikstufe zu laut und vertrauen etwas zu selten auf die Farbnuancen des leicht oder hauchend gespielten Tones, doch kommt dies auch einer großen Expressivität und Extrovertiertheit zu Gute, die die Musik unmittelbar an den Hörer heranträgt. Und auch die wirklich lauten Passagen sind zu keiner Zeit bloß hart geschlagen oder mit nicht in Relation zum Resultat stehender Kraft gespielt, sondern stets volltönend und warm. Solch eine Wärme macht auch insgesamt den Klang von Liv und Marian Migdal aus, so dass man sich komplett heimisch fühlen kann in der Ausdruckswelt der beiden Musiker.

Fast könne man meinen, der Ton von Liv Migdal möchte explodieren, so erfüllt mit innerem Gefühl und Aussage ist er. Er wird in enormer Spannung gehalten und sogar noch weiter ausgebaut, anstatt dem Auflösungsbestreben nachzugeben, was einen ungeheuer fesselnden und in allen verzweigten Wegen der Musik Wieniawskis mitreißenden Effekt verleiht. Mehr als angenehm ist auch ihre Art des Vibratos, das in eleganter und zarter Manier dem Ton Singkraft verleiht, ohne durch zu starken oder quantitativ zu häufigen Gebrauch die Wirkung zu nivellieren.

Seinen ganz eigenen Weg hat auch Marian Migdal am Klavier gefunden. Er versuchte, sich als Spieler weitestgehend auszuschalten und nur die Musik für sich sprechen zu lassen. Resultat ist eine vollkommen natürliche und frei von Manierismen geführte Linie mit einem ausgewogenen Verhältnis von Spannung und Entspannung in einem klaren wie verständlichen Tonfall, der umgehend verständlich ist. In den vorliegenden Aufnahmen mit anspruchsvollen wie dankbaren Stimmen für beide Spieler kann auch Marian Migdal als Begleiter sich voll entfalten und sein enormes Können noch einmal unter Beweis stellen. Nach unzähligen brillanten Aufnahmen mit Hauptwerken bekannter Komponisten wie Haydn, Mozart, Grieg, Liszt und Chopin sowie eher unbekannten Größen wie Adolf Wiklund oder Franz Berwald ist die CD mit der Musik Józef Wieniawskis ein würdevoller Abschluss seiner Diskographie—und wie hätte man so ein Ende besser vollbringen können als im Kreise der Familie. © 2016 The New Listener



Pedro Obiera
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), February 2016

Essen. Ihre erste CD stieß auf ungewöhnlich emphatische Begeisterung beim Publikum und der internationalen Presse. Qualitativ knüpft die 27-jährige Geigerin Liv Migdal mit ihrer neuen Veröffentlichung jetzt durchaus an ihren Erstlingserfolg an, zumal sich das Programm mit Raritäten der polnischen Romantiker Jósef und Henryk Wieniawski an Feinschmecker der Kammermusikliteratur wendet.

Die geradlinige und verantwortungsbewusst gesteuerte Karriere der in Herne geborenen Musikerin ist eng mit ihrem Vater Marian Migdal verbunden. Einem glänzenden, einfühlsamen Pianisten, der wesentlich zum hochsensiblen, extrem nuancierten Vortragsstil der Geigerin beigetragen hat. Dass die vorliegende Aufnahme zum Vermächtnis des im letzten Jahr verstorbenen Pianisten werden sollte, verleiht ihr zusätzliches Gewicht.

Kongenialer Partner

Es ist zu hoffen, dass Liv Migdal möglichst bald einen ähnlich kongenialen Partner finden wird wie ihr väterlicher Mentor. Denn auch in der Wieniawski-Anthologie trägt der Pianist wesentlich zum transparenten, lichten Klangbild bei, das sich selbst im dichten Getümmel der deutlich an Brahms erinnernden, gewaltigen Violinsonate des weniger bekannten Józef Wieniawski (1837–1912) aus dem Jahre 1866 jeder massiven Schwerfälligkeit entzieht.

Ein idealer Nährboden für den delikaten Ton und die entspannte Werksicht der Geigerin. Eine lohnende Begegnung auf höchstem Niveau mit einem nahezu unbekannten Werk, das durch zwei Talentproben der polnischen Brüder aus ihren Kindertagen ergänzt wird. © 2016 Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)



D. Zweipfennig
Online Merker, December 2015

Beide Brüder waren Wunderkinder, der eine auf der Violine und der andere auf dem Klavier, beide haben in Lublin und Paris studiert, beide haben neben virtuoser Reputation ein beachtliches kompositorisches Werk hinterlassen. Nachdem Józef einige Jahre als Begleiter seines Bruders aufgetreten war, entschloss er sich zu einer eigenen Karriere als Klavierspieler. Während Henryk schon früh mit nur 44 Jahre in Moskau starb, unterrichtete Józef 34 Jahre in Brüssel am Konservatorium.

Die Violinsonate in d-moll, Op. 24, aus dem Jahr 1866 bildet das Zentrum der CD. Was für ein wundersames romantisch-elegant grundiertes Sehnsuchtswerk, wo beide Instrumenten sich verspielt-keck die Bälle zuspielen. Leichtigkeit und expressive Spielfreude vermitteln auch das Duo Liv Migdal (Violine) und Marian Migdal (Klavier). Für Marian Migdal sollte es die letzte Aufnahme werden. Der zuletzt in Hamburg als Professor tätige polnische Pianist ist im Frühjahr in Bochum verstorben. Um so mehr berühren die Lebensfreude, Passion und schier unbändige kämpferische Energie, die beide Interpreten nicht nur der herrlichen Sonate, sondern auch den beiden anderen auf der CD präsentierten Werke einhauchen: Einem Allegro in g-moll und einem Grand Duo polonais in g-dur, deren Urheberschaft auf beide Wieniawski-Brüder zurückgeht.

Die CD bietet ein wunderbares Exempel dafür, welch grandiose Musik polnische Künstler und Virtuosen im 19. Jahrhundert abseits von Chopin geschaffen haben. Kompositorisch steht zwar die Violine im Vordergrund, doch ist der Klavierpart stets originell und umschmeichelt oft auf sehr intime Art und Weise die Höhenflüge des Streichinstruments. Stupend ist auch die technische Virtuosität (Grand Duo), mit der sich Liv und Marian Migdal jedoch nicht begnügen, sondern jede noch so vertrackte spielerische Herausforderung in tief empfundenen Ausdruck und in ein lichtes Plädoyer des Lebens wandeln. Großartig. Welch schönes künstlerisches Vermächtnis. Ein echter Geheimtipp! © 2015 Der Neue Merker





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