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ouverture - Das Klassik-Blog, March 2017

Orgelmusik von Carl Czerny (1791 bis 1857)? Der Komponist und Klavier-pädagoge, der der Nachwelt vor allem durch seine Etüdenbände („Schule der Geläufigkeit“) in Erinnerung geblieben ist, war selbst offenbar nicht nur ein ausgezeichneter Pianist, sondern auch ein Organist, der sich hören lassen konnte.

Seine Orgelwerke sind wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer Reise nach England im Jahre 1837 entstanden. Dort musizierte Czerny nicht nur im Kensington Palace für die zukünftige Queen Victoria. Er scheint auch viele Kollegen getroffen zu haben—Preludio e Fuga per Organo e Pedale obbligato op. 607 jedenfalls widmete er George Elvey, dem Organisten der Queen an der St. Georgskapelle in Windsor. Die Twenty Short Voluntaries for Organ with Obbligato Pedal op. 698 wurden mit einer Widmung an den Londoner Organisten William Crathern gedruckt, und die Twelve Introductory or Intermeditate Voluntaries op. 627 sind James Windsor gewidmet, Organist in Bath.

Publiziert wurden diese Werke übrigens nahezu zeitgleich 1840/41 in Frankreich, Deutschland und in Großbritannien, wo der Musikverleger Robert Cock Czernys Orgelmusik druckte. Was die Instrumente betrifft, so scheint sich die englische Orgellandschaft in jenen Jahren entscheidend entwickelt zu haben: Während Felix Mendelssohn Bartholdy 1829 noch das Fehlen eines Pedals, wie es auf dem Kontinent üblich war, beklagte, scheint dies 20 Jahre später nicht mehr problematisch zu sein.

Der obligate Pedalpart von Czernys Werken jedenfalls erfordert einiges an Kunstfertigkeit; Präludium und Fuge zeugen zudem davon, dass ihr Komponist Bachs Musik mit Sorgfalt studiert hat. Besonders interessant aber sind die harmonischen Wendungen, mit denen Czerny immer wieder überrascht. Auch wenn es „kleine“ Orgelstücke sind, die als Vorspiel, Nachspiel oder aber auch kurzes Zwischenspiel während des Gottesdienstes dienen sollen, so sind es doch musikalische Juwelen mit etlichen funkelnden Facetten—der Komponist, der immerhin ein Schüler Beethovens war, konnte eben doch sehr viel mehr als nur Meterware.

Iain Quinn, promovierter Musikhistoriker und Orgellehrer an an der Florida State University, hat Orgelmusik von Carl Czerny in Notenausgaben wiederveröffentlicht, und einige wichtige Werke nun bei Naxos eingespielt. Damit macht er nicht nur auf diese hörenswerten Stücke aufmerksam, er ermöglicht es zugleich interessierten Organisten, sie in ihr Repertoire aufzunehmen. Vorbildlich! © 2017 ouverture - Das Klassik-Blog





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