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Remy Franck
Pizzicato, April 2016

Dmitri Shostakovichs Streichquartette sind Ausdruck persönlicher Empfindungen des Komponisten und mitunter sogar in Musik gebrachter politischer Überlegungen.

Mitten im der Ukraine-Krise, während pro-russische Separatisten und die ukrainische Armee sich erbitterte Kämpfe lieferten, wenige Wochen ehe Russlands Truppen in die Ukraine einmarschierten, nahmen die ‘Kiev Soloists’ unter dem russischen Dirigenten Dmitry Yablonsky drei der Quartette in den Transkriptionen für Kammerorchester durch Rudolf Barschai auf.

Die Aufführungen bestechen durch höchste Virtuosität und viel Emotionalität, die sich auch durch beißende Ironie und einen manchmal prononcierten Zynismus äußert. Yablonsky gräbt tatsächlich an manchen Stellen sehr tief und fördert interessante Gefühlsäußerungen zutage. Das lässt diese CD sehr spannend und immer wieder ergreifend werden, so etwa im schmerzlich bohrenden vierten Satz und im finalen Largo des Opus 110a, deren fahle Farben den Hörer bedrücken und in denen die Musik mehrmals fast erstirbt. Es ist dies eine der stärksten und bewegendsten Aufnahmen dieser beiden Sätze, die ich kenne, und ich habe die CD am Ende des Finalsatzes gestoppt, unfähig die folgende Kammersymphonie op. 83a zu hören, zu schwer ging mein Atem, zu weit weg waren meine Gedanken.

Die Kammersymphonie nach dem 4. Streichquartett habe ich mir erst später angehört, obwohl es durchaus kein heiteres Werk ist: Shostakovich komponierte es zu der Zeit, als er wegen seiner Jüdischen Lieder angefeindet wurde, und legte das Werk, genau wie den Liederzyklus, in seine Schublade. Dort verblieb es bis 1953, nach Stalins Tod. Barschai hat in dieser Transkription nicht nur Streichinstrumente, sondern auch Englischhorn, zwei Hörner, Trompete und Schlagzeug verwendet. Yablonsky arbeitet den flüchtigen Charakter des insgesamt zurückhaltenden Werkes sehr gut heraus.

Das alles macht diese Einspielung zu einem bereichernden und empfehlenswerten Tondokument. © 2016 Pizzicato





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