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Album Reviews



 
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Norbert Hornig
Fono Forum, October 2016

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Franziska v. Busse
Norddeutscher Rundfunk (NDR.de), July 2016

Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzerte erinnern immer ein bisschen an einen Trapezakt im Zirkus: Die Artisten fliegen scheinbar schwerelos durch die Luft, und diese Ästhetik, dieser Eindruck von Leichtigkeit, darf in keiner Sekunde gestört werden: Dadurch, dass man ihnen anmerkt, wie schwierig das eigentlich ist, was sie da tun. Bei Mozart kommt noch dazu, dass man sich als Hörer natürlich mehr wünscht als einfach eine artistische Vorstellung. Man möchte berührt werden von der Musik, immer wieder neu, und das ist bei so bekannten Werken wie den Violinkonzerten auch nicht gerade einfach.

Der Geiger Henning Kragerrud hat zusammen mit dem Norwegischen Kammerorchester Mozarts Violinkonzerte drei, vier und fünf auf CD eingespielt. Und ihm gelingt dieses Kunststück, findet Rezensentin Franziska von Busse.

Ein sehr kultivierter Mozart

Der Norweger Henning Kraggerud spielt Geige und Bratsche; er komponiert und dirigiert—kennt also Mozart aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Wenn man seine Violinkonzerte verstehen möchte, meint er, dann muss man Vieles mitdenken: dass Mozart noch nicht 20 war, als er sie geschrieben hat. Dass er damals eigentlich viel lieber Opern komponieren wollte. Dass er von seinem Vater strenge Regeln mit auf den Weg bekommen hatte, wie man eine Geige behandelt. Und dass er selbst beim Spielen einen wunderschönen Ton gehabt haben muss: leicht, klar und süß.

Diesen Ton hat Kraggerud. Und er setzt ihn intelligent ein. Als Solist und Dirigent gibt er auch dem Orchester die Spielweise vor: Empfindsam, aber nirgends aufgebauscht in den langsamen Sätzen, scheinbar mühelos, ungekünstelt und vor allem sehr flott die Ecksätze. Ein lebhafter, dabei klanglich sehr kultivierter Mozart. Interessant genug, um ihn nicht noch künstlich gegen den Strich bürsten zu müssen. Kleine Variationen in der Färbung, hauchdünne Verzögerungen, hier und da ein bisschen mehr Druck im Bogen—das sind die Feinheiten der Rhetorik, mit denen Kraggerud und das Norwegische Kammerorchester Mozarts Musik zum Sprechen bringen, ohne die große Sensation herbeispielen zu wollen.

Fantasievolle Kadenzen

Und doch ist Kraggeruds persönliche Handschrift unverkennbar—am deutlichsten vielleicht in den Kadenzen, die er als Komponist selbstverständlich selbst verfasst hat. Hier hat man die Chance, dem Musiker dabei zuzuhören, wie er Mozart hört und was ihm selbst dazu einfällt. Kraggeruds Kadenzen sind fantasievoll aber nirgends überbordend. Sie sind schön in die unterschiedlichen Sätze eingepasst. Und wie nebenbei erfüllen sie auch den ganz elementaren Zweck einer Kadenz: Sie geben dem Solisten die Bühne, auf der er sich als Könner zeigen kann.

Inspiriert klingen diese Kadenzen. Und so klingt auch die ganze Aufnahme. Wenn Kraggerud unterrichtet, dann sagt er seinen Studenten gern: Probier so viel Unterschiedliches aus, wie Dir einfällt. Je mehr Versionen Du in petto hast, desto besser wird die sein, für die Du Dich letztendlich entscheidest. Darin klingt natürlich auch mit: Es gibt nicht “den einen” perfekten Mozart. Aber diese Version ist schon ziemlich nah dran. © 2016 Norddeutscher Rundfunk (NDR.de)




Remy Franck
Pizzicato, July 2016

Drei etwas dünne Bäume und einen abgebrochenen Stamm sieht man auf dem Cover dieser CD. Wahrscheinlich waren sie in den Wind geraten, der auch Henning Kraggeruds Mozart-Violinkonzerte ganz ordentlich zerzaust hat.

Wenn Sie schon seit langem auf ein aufregendes Mozart-Erlebnis warten, ohne davon im Schock angewidert zu werden, dann ist diese CD etwas für Sie. Henning Kraggerud, Solist und Dirigent in Mozarts Violinkonzerten Nr. 3, 4 und 5, geht recht frech mit der Musik um und bleibt doch Text und Stil treu. Sein windiges Musizieren bläst viel Staub weg und macht Platz für neue Farben und neue Dynamik. Dabei schlägt der dirigierende Solist nie über die Stränge. Er spielt frisch und kraftvoll, gleichzeitig aber auch schön und kunstvoll. Der Orchesterklang des ‘Norwegian Chamber Orchestra’ ist transparent, elegant und fasziniert mit einer großen Farbvielfalt. Das Ganze passiert in einem perfekten Dialog, durch den die Interpretationen frei und lebendig wirken, weil sie die werkimmanenten Spannungskurven mit größter Agilität ausloten. Die fast improvisatorische Wirkung wird verstärkt durch Kraggeruds eigene Kadenzen, die zusätzliche Neuwert in die Aufnahmen bringen. © 2016 Pizzicato



Birgit Schlinger
mediabiz, June 2016

Inspiriert mit Charme und Witz spielt der norwegische Geiger Henning Kraggerud die Violinkonzerte drei (KV 216), vier (KV 218) und fünf (KV 219) von Wolfgang Amadeus Mozart zusammen mit dem norwegischen Kammerorchester und schafft damit eine neue Referenzaufnahme für Naxos seit 25 Jahren. Der Mozart-Kenner ist nicht nur als Geiger, Bratschist, Dirigent und Künstlerische Leiter des Arctic Philharmonic Chamber Orchestra tätig, sondern unterrichtet auch am Barratt Due Institute in Oslo und arbeitet als Komponist. Zuletzt veröffentlichte er auf “Equinox” eigene Kompositionen und erkundete unter anderem 2012 zusammen mit dem Pianisten Bugge Wesseltoft auf “Last Spring” die Grenzen zum Jazz.

Seine Vielseitigkeit spiegelt sich in diesen Mozart-Konzerten wider, die Standard-Repertoire bei Vorspielen und Aufnahmeprüfungen sind—jeder Geiger wird sich irgendwann mindestens einem dieser Konzerte stellen müssen. Umso erstaunlicher ist, was Kraggerud aus diesen Stücken macht. Er setzt spritzig, brillant und mit Verve seine eigene Tonsprache ein, die er mit selbst komponierten Kadenzen garniert. Diese Königsdisziplin beherrscht er perfekt: In seinen Improvisationen greift er die Themen der einzelnen Sätze mit technischer Perfektion und großem Esprit auf und fügt sie organisch in die Konzerte ein.

Dabei betrachtet der Geiger die Musik “von innen heraus”, wie er sagt. Entsprechend gibt es für ihn auch nicht die eine, richtige Interpretationsweise der Werke, die Mozart mit nur 19 Jahren am strengen Bischofshof in Salzburg komponiert hat. Kraggerud lässt die Geige mit einer Intensität tanzen und singen, wie es selbst den jungen Mozart beeindruckt hätte. Der Bogen schnarrt, säuselt und schlägt schon mal rhythmisch im Takt wie im finalen Satz des fünften Konzerts. Doch auch die zarten Töne beherrscht Kraggerud mit leichtem Vibrato und perlendem Ton wie im “Adagio” des dritten Konzerts.

Mit seinen Kadenzen erfindet Henning Kraggerud die Mozart-Violinkonzerte nicht neu, gesellt aber zu den vielen phantastischen Aufnahmen eine neue, aufregende und in sich stimmige Version hinzu, die Naxos als Referenz für die nächsten 25 Jahre dienen kann. © 2016 mediabiz



Guido Krawinkel
Klassik heute, June 2016

Mozart sei am schwersten zu spielen sagen viele Musiker immer wieder. Denn das, was sich so heiter und einfach anhört, ist in Wirklichkeit harte Arbeit und ist so sensibel, dass man jede Unstimmigkeit, Nachlässigkeit oder Unkonzentriertheit sofort hört. Da ist sicherlich etwas dran, denn so licht und duftig wie der Mozartsche Satz zumeist anmutet, so anfällig ist er doch gegenüber jeder Form von musikalischer Achtlosigkeit.

Derartiges muss man bei der Aufnahme der Violinkonzerte drei bis fünf durch das Norwegian Chamber Orchestra und den Solisten Henning Kraggerud indes nicht befürchten. Im Gegenteil, Orchester und Solist sind mit größter Achtsamkeit bei der Sache, pflegen einen wunderbar gelösten und doch tiefsinnigen Mozart-Ton und glänzen mit einer rundweg stimmigen Gesamtleistung. Da ist nichts übertrieben oder nachlässig abgehandelt, es wird ebenso sauber wie inspiriert musiziert, es bleiben schlichtweg keine Wünsche offen.

Das Norwegian Chamber Orchestra legt hier eine ausgezeichnete Spielkultur an den Tag. Der Ensembleklang hat kein Gramm Fett zu viel, ist aber auch nicht an der Grenze zur Anämie. Er ist ebenso ausgewogen wie sensibel ausgelotet und auch alle anderen musikalischen Parameter sind so fein austariert, dass dieser Mozart einfach mustergültig klingt. Natürlich könnte man diese Musik durchaus mehr gegen den Strich bürsten und Extreme aufbauschen, aber warum? Das Orchester findet hier einen Stil, der in sich schlüssig ist und den man gerne hört.

In dieses Bild reiht sich Solist Henning Kraggerud bruchlos ein. Sein Geigenton ist sensibel und schlank, feinnervig und ohne ein übertriebenes Vibrato. Die musikalische Syntax Mozarts kommt hier kongenial zur Geltung ohne dass man den Eindruck hat, ein Interpret wolle ihr auf Biegen und Brechen seine eigene Handschrift überstülpen. Kraggeruds Spiel hinterlässt dennoch einen individuell gewichtigen Eindruck, etwa durch die eigenen Kadenzen, die bestens mit Mozart harmonieren. Insgesamt ist dies eine bemerkenswerte Mozart-Einspielung. Keine die unbedingt aus der Masse heraussticht, aber eine, die in Erinnerung bleibt. © 2016 Klassik heute



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, June 2016

Geschrieben in Salzburg im Alter von 19 Jahren kurz nach der Oper Il re pastore, kommen die ersten zwei Sätze dieser drei Konzerte nach den Aussagen von Henning Kraggerud gefühlt bei allen Auditions für Orchesterposten zum Einsatz. Gerade deshalb und um seine individuelle Herangehensweise zu unterstreichen, stammen alle Kadenzen aus der Feder des Solisten. Alle Werke haben etwas spritzig Italienisches, bersten vor Charme und schwebendem Dahingleiten. Tempo und halsbrecherische Verzierungen markieren jugendlichen Überschwang, Poesie und Improvisationslust. All das wird durch die genialen Kadenzen des unglaublich virtuos jegliche Schwerkraft aufhebenden Geigers und Komponisten Henning Kraagerud nochmals intensiviert und überhöht. Sein Violinspiel scheint aus dem Augenblick geboren, gemeinsam mit dem swingenden Norwegian Chamber Orchestra gelingen Manifeste der Lebensfreude, der überschäumenden Flüchtigkeit, der erträglichen Leichtigkeit des Seins. Eine der unerwartetsten Überraschungen an instrumentalen Neuerscheinungen der letzten Monate. © 2016 Der Neue Merker





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