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Egbert Hiller
Neue Zeitschrift für Musik, June 2016

World of Percussion nennt der Franzose Thierry Miroglio sein CD-Projekt—und dass er dennoch nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus dem Repertoire für einen Soloperkussionisten präsentieren kann, beruht darauf, dass sich die «Welt des Schlagzeugs» in den letzten hundert Jahren Musikgeschichte dramatisch verändert hat: Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Anforderungen an die Schlagzeuger ungeheuer gewachsen, da die «Neue Musik» ja auch mit der Emanzipation von Rhythmus und Klangfarbe verbunden war (und ist). Die Befreiung des Klangs aus den Fesseln traditioneller Muster und die Öffnung zum Geräusch trieben die KomponistInnen auf Entdeckungsreisen und motivierten den verstärkten Einsatz von Schlaginstrumenten aller Art.

Miroglio, der mittlerweile zu den bedeutenden Vertretern seines Fachs gehört und am Pariser Konservatorium «Darius Milhaud» lehrt, konzentriert sich in World of Percussion ganz auf Ersteinspielungen und rührte eine Mischung aus älteren und neue ren Stücken mit einem Schwerpunkt auf französischen Tonkünstlern an. Wirklich herausragend ist allerdings keines der ausgesuchten Werke, und in ihrer Aneinanderreihung drängt sich der Eindruck eines eher schwerfälligen Streifzugs durch besagte «Welt des Schlagzeugs» auf. Dieser Streifzug beginnt mit Bruno Mantovanis Le Grand Jeu (1999). Der Titel gemahnt an spielerische Elemente, die zwar virtuos dargeboten werden, vom elektronischen Part aber mit pathetischschwülstigen Effekten wie mit zähem Zuckerguss überzogen werden. Ähnliche «Probleme» ergeben sich in Marco Stroppas Auras (1995/2004), das an Überlänge und der elektronisch aufgepfropften Hinwendung zum «Heiligen» und Rituellen krankt.

Klarer erscheint da Peter Eötvös’ Thunder (1995), wenngleich dieses kurze Stück für Basspauke beileibe nicht zu den Highlights im Schaffen des ungarischen Komponisten zählt. Das gilt auch für die Drei Capricen für Vibraphon (1966) von René Leibowitz, die bezüglich Witz und Klangfarbe immerhin einen Kontrapunkt bilden. Fast 45 Jahre später entstanden Philippe Hersants Trois petites études (2010), und doch klingen sie entschieden konventioneller und betulicher als Leibowitz’ Capricen. Das hilft es nur wenig, dass die musikalischen Motive, die Hersant den einzelnen Etüden zugrunde legte, von Goethes Faust inspiriert sind und auf Hector Berlioz (La Damnation de Faust), Franz Schubert (Gretchen am Spinnrade) und Charles Gounod (Chor der Soldaten aus Faust) zurückgehen.

Ebenfalls Thierry Miroglio gewidmet ist Nature contra Nature (1996–2005) von Jean-Claude Risset, der die vier Teile des Stücks im Untertitel als «rhythmische Übungen für Schlagzeug und Computer» bezeichnete. Der Computer gibt laut Risset «paradoxe rhythmische Prozesse» vor, die der Interpret nachzuvollziehen hat. Dieser Vorgang entbehrt nicht gewisser Reize, zumal neben dem technischen Können Miroglios auch Humor und Klangfantasie nicht zu kurz kommen. © 2016 Neue Zeitschrift für Musik





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