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Alexandra Maria Dielitz
BR-Klassik, December 2016

Schockerlebnis Erster Weltkrieg—was das sinnlose Sterben in den Schützengräben in Erwin Schulhoff auslöste, spiegelt sich in diesem extrem kontrastreichen Streichsextett wider. Vor 1914 wandelte das von Dvorák und Reger geförderte Wunderkind noch auf den Spuren der Spätromantik, nach 1918 erprobte der Kriegsrückkehrer alles, was anders war: Sei es Expressionismus, Dada, Neobarock oder Jazz: Hauptsache es führte weg von Bourgeoisie, überspannten Idealen, Akademismus und überhaupt vom Alten Europa, das es nicht weiter gebracht hatte als nach Langemarck und Verdun.

Der CD-Tipp zum Nachhören!

Erwin Schulhoff war Pianist und Komponist, ein unruhiger Geist in einer verunsicherten Welt. Mal orientierte er sich an Schönberg, mal an Ragtime. Oder an Janácek, denn genau wie dieser entwickelte Schulhoff komplexe musikalische Zusammenhänge aus kleinsten motivischen Zellen und schöpfte dabei ohne jede “Tümlichkeit” aus der slawischen Volkmusik.

Radikaler Kommunist

Seine politische Reaktion auf den Ersten Weltkrieg war ebenso radikal wie die ästhetische: Wie Weill oder Eisler begeisterte sich Schulhoff in den 30er Jahren für den Kommunismus, schrieb plakative Propagandamusik und plante die Übersiedlung in die Sowjetunion. Er hielt die Einreisepapiere bereits in Händen, als er 1941 vom Überfall der deutschen Wehrmacht überrascht und als Bürger eines Feindstaates in seiner Heimatstadt Prag verhaftet wurde. 14 Monate später starb er in einem bayerischen Internierungslager an Tuberkulose.

Solistische Kontur und Präsenz

Vier sehr unterschiedliche kammermusikalische Werke aus den 1920er Jahren sind auf dem vorliegenden Schulhoff-Album vertreten. Zur spektakulären Entdeckung werden sie auch durch die Interpretation der Spectrum Concerts, deren Ensemble kürzlich von der Fachpresse zum “Tafelsilber des Berliner Konzertlebens” gekürt wurde. Internationale Musiker wie Boris Brovtsyn, Valériy Sokolóv oder Eldár Nebólsin bringen solistische Kontur und Präsenz ein, reagieren traumwandlerisch aufeinander und formulieren gemeinsam ein in jedem Takt überzeugtes und überzeugendes Plädoyer für Erwin Schulhoff. Für einen faszinierenden Komponisten und seine kaleidoskopische Vision der scheinbar “Goldenen” Zwanziger, die in politischer Unsicherheit und wilder Lebenslust auf die nächste Katastrophe des Jahrhunderts zurasten. © 2016 BR-Klassik





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