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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, July 2016

Portugal ist keine weiße Landkarte mehr auf der großen barocken Weltkarte der Musik. Dank Naxos kann nach zwei Ausgrabungen des Komponisten Francisco Antonio de Almeida nun einmal mehr nachgeprüft werden, wie sich Sousa Carvalho mit dem durch Scarlatti bekannt gewordenen Genre der Serenata zurecht gefunden hat. Und siehe da: Der Hörer macht die Bekanntschaft mit einer durchaus reizvollen Erstlingsarbeit, die auch am portugiesischen Königshof der Branganza so gefallen hat, dass Folgeaufträge für Geburtstage oder andere besondere Anlässe nicht lange auf sich warten ließen.

Das Libretto des damals offenbar unvermeidlichen Pietro Metastasio (auch Nicola Porpora hat diese Vorlage für ein musikdramatisches Werk genutzt) schildert die amourösen Verstrickungen der schönen Prinzessin Angelica, die den Soldaten Medoro liebt, aber ebenso von dem edeln Kriegsherren Orlando begehrt wird. Die Hirtin und Vertraute Angelicas Licori wiederum liebt ihren Hirten Tirsi, ist aber auch bereit, bei den fiesen Gefühlsspielereien ihrer durchtriebenen Herrin mitzumachen. Die beschließt nämlich, mit ihrem verführerischen Charme, dem armen Orlando Liebe vorzugaukeln, nur um ihn am Ende umso brutaler abzuservieren. Der wiederum wird wahnsinnig vor Eifersucht und wettert gegen Götter und Sterne. Aber plötzlich offenbart ein gesegneter Stern die „Tugenden“ der Prinzessin. Endlich kann von allen ihr Geburtstag gebührlich in Lobgesängen begangen werden. Ein echter Schwachsinn dieses Libretto, aber das war ja damals kein Einzelfall.

Der Plot gab jedenfalls Sousa Carvalho genug Gelegenheit, den unterschiedlichsten Affekten hübsch verzierte und virtuose Musik zuzuschreiben. Die animierte Aufführung mit dem Concerto Campestre auf Barockinstrumenten ist jedenfalls Anlass, ein gutes Sängerensemble portugiesischer Provenienz kennen und schätzen zu lernen. Angelica wird von der Sopranistin Joana Seara mit koloraturenreicher Koketterie dargeboten. Ihr maurischer Soldatenschatz, eine Hosenrolle, die von Lidia Vinyes Curtis reizvoll mit wohlklingendem Mezzo verkörpert wird, darf zwei eingängige Arien und das große Duett mit Angelica zu Ende des ersten Teils singen. Am besten gefällt mir die auf den Azoren geborene Sandra Medeiros in der Rolle des Hirten Tirsi. Mit charaktervoll gefärbtem Sopran singt sie die Arie „Il tuo pianto“. Tirsi findet es nämlich gar nicht witzig, dass seine Angebetete Licori auf Anraten Angelicas mit Orlando flirtet, um ihn von der Herrin abzulenken. Der weibliche Part des Hirtenpaares, Licori, wird von der barockmusikerfahrenen Mezzosopranistin Maria Luisa Tavares hinreißend gesungen. Der einzige Mann im Cast, der Tenor Fernando Guimaraes in der Rolle des Orlando ist die einzige Enttäuschung. Die Mittellage ist zwar kernig und interessant timbriert, in der Höhe verengt sich allerdings die Stimme, die Läufe klingen kurzatmig und manch trübe Intonation zeugt von Überforderung in der dramatischen Wahnsinnsarie „Da me che volete“. Pedro Castro dirigiert comme il faut. Der Klang des Albums ist trocken und bisweilen schmal. © 2016 Online Merker



Sven Godenrath
Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath), May 2016

Einmal mehr wurde hier das Orlando Furioso Thema gekonnt vertont. Das Concerto Campestre, welches unter der Leitung von Pedro Castro auf zeitgenössischen Instrumenten spielt, liefert durch einen angerauhten Streicherklang einen spannenden Zugriff. Joana Seara in der Titelpartie besitzt einen warmen, schönen, flexiblen Sopran. Sie versteht es, ihre gesanglichen Stärken als lyrisch dramatischer Sopran, schon gleich in der ersten Arie “ Mentre rendo a te la vita “ gekonnt in Szene zu setzen. Ihre dramatische Ausdruckskraft und ihre prägnante Phrasierung sind sehr einnehmend. Lidia Vinyes Curtis Mezzo ist eher höher timbriert; sie ist technisch brilliant und von der Stimme her sehr geläufig. Fernando Guimaraes—Orlando—besitzt einen eher eingedunkelten Tenorklang mit passabler Flexibilität. Sandra Medeiros-Tirsi—dunkler getönter Sopran ist ebenfalls mit einer guten Flexibilität, die in der Arie “Il tuo pianto, glänzend zur Geltung kommt, ausgestattet. Maria Luisa Tavares dunkler, warmer Mezzoklang kommt in der Gestaltung der Arie „Noncutro dal Frato“, besonders gut zum Tragen. Eine, mit kleinen Einschränkungen (Orlando) hervorragend besetzte und orchestral großartig umgesetzt Oper, die hier ihre Welt-Premiere auf CD feiert. Freunde des Barock sollten an dieser CD nicht vorbei gehen. © 2016 Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath)





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