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Maximilian Trapp
Gitarre und Laute, May 2017

Als Antoine de L’Hoyer (1768–1851) 1812 nach Paris zurückkam, lagen bewegte Jahre hinter ihm. Als junger Mann hatte er sich entscheiden müssen, welcher Seite der französischen Gesellschaft er seine Gunst und Solidarität schenken wollte, den Umstürzlern oder den Königstreuen. Als Kind aus einer wohlhabenden großbürgerlichen Familie hatte de l’Hoyer aber eine Erziehung genossen, die ihm kaum eine Wahl ließ—er war zum Royalisten geboren oder erzogen worden.

Von Clermont-Ferrand aus, wo er zur Welt gekommen war, ist Antoine als junger Mann nach Paris gegangen, um Musik zu studieren. Mit gerade einmal zwanzig Jahren hat er sich dann aber zu seiner Königstreue bekannt und ist in Versailles den Gardes du Corps du Roi beigetreten.

Nun liegt es allerdings im Wesen einer Revolution, dass vieles spontan und nichts wirklich vorhersehbar ist … und so verließ de L’Hoyer Paris schon bald wieder und ging ins Ausland. Dort schloss er sich unterschiedlichen militärischen Einheiten an, die—von außen sozusagen—Einfluss auf die Geschehnisse in Frankreich nehmen wollten. Von 1800 bis 1802 lebte er dann in Hamburg, wo dem Vernehmen nach viele französische Emigranten untergeschlüpft waren. Antoine de L’Hoyer gab Musikunterricht und komponierte, von den damit erzielten Einkünften bestritt er seinen Lebensunterhalt.

Früh im Jahr 1803 lebte er in St. Petersburg und erteilte erfolgreich Musikunterricht … bis er im September 1812 wieder in Paris gefunden wird. Hier entstehen schließlich die Trios, die auf der CD zu hören sind: Trio concertant op. 29, Trio Nº 2 op. 42 und auch das Quartett „Air varié et dialogue“ von 1813 oder 1815 (WoO). Letzteres ist das erste Quartett für vier Gitarren, das jemals aufgeschrieben wurde und von dem wir wissen.

Positionieren wir Antoine de L’Hoyer zunächst zeitlich, um seine Kompositionen mit denen seiner Kollegen und Zeitgenossen vergleichen zu können:

Antoine de L’Hoyer (1768–1851)

Ferdinando Carulli (1770–1841)

Fernando Sor (1778–1839)

Mauro Giuliani (1781–1829)

Er war im Vergleich zu den „Stars“ seiner Zunft, Carulli, Sor und Giuliani, jünger—wenn auch nur um wenige Jahre—und er war kein wirklicher „Profi“, denn erstens unterrichtete er und zweitens war er Soldat. Ich bezweifle zwar energisch, dass er dafür zuverlässig einen ordentlichen Sold erhielt, aber immerhin: Antoine de L’Hoyer stand in staatlichen Diensten.

Schon zur Zeit seiner letzten Lebens-Dezennien büßte die Gitarre allerdings stark an Popularität und Ansehen ein. Die kurze, lebhafte Blütezeit war vorüber, der Niedergang des Gitarrespiels war besiegelt. Warum das so war, muss hier nicht diskutiert werden. Natürlich kamen Gitarristen und Komponisten nach Giuliani und Sor, aber die gehörten schon zu einer neuen Generation und bereiteten die Zeit der Konzertgitarre vor, die sich—grob verallgemeinernd—mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts durchsetzen sollte.

Die Musik von Antoine de L’Hoyer, die wir auf der vorliegenden CD hören, ist erstens für drei oder vier Gitarren geschrieben, sie ist also tatsächlich „symphonischer“ als solistische Musik der gleichen Zeit. Zweitens hören wir sie gespielt auf modernen Gitarren, was den Klang zusätzlich voller macht. Und drittens: Das Trio resp. Quartett, das wir hören, ist besetzt mit Meistern seines Fachs, die bestens aufeinander eingespielt wind … ganz zu schweigen von der Musik, die uns von Antoine de L’Hoyer überliefert ist! Er war ein großer Künstler, was Tonsatz und Instrumentierung angeht—selbst, wenn es wie hier lediglich um den Satz für drei oder vier Gitarren geht. Das Symphonische ist nicht nur auf die „lauteren“ neuen Gitarren zurückzuführen.

De facto bevorzuge ich meistens sogar das Verwenden historischer Gitarren…die CD von Skogno/Franke/Werninge/Pells überzeugt mich aber wieder einmal davon, dass auch moderne Gitarren für solche Musik respektabel sind und ihren Reiz haben. Sicher werde ich nie in die Liga derer übertreten, die Alte Musik nur goutieren, wenn sie auf modernen Instrumenten gespielt wird—aber was ist gegen einen gut gestimmten und vor allem gut gespielten Steinway-Flügel einzuwenden? An den Trios und dem Quartett von Antoine de L’Hoyer hatte ich jedenfalls meine Freude … was ich auch Ihnen, meinen Lesern, wünsche.

Die [kritische] Edition der Partitur, die Jens Franke und Marta Gonzáles Bordonaba bei Schott herausgegeben haben, ist—wie kann es anders sein?—tadellos. Jørgen Skogmo und Oskar Werninge haben Fingersätze und Aufführungsanweisungen in die Stimmen eingebracht und Ergänzungen und Korrekturen kenntlich gemacht.

Ergänzungen des Herausgebers sind in eckigen Klammern angegeben und enthalten fehlende Versetzungszeichen/Warnakzidentien sowie dynamische Zeichen. Warnakzidentien in runden Klammern entsprechen der Originalausgabe. Die häufigen Bindungen in den Originalstimmen—mit den dazugehörigen Hinweisen zur Phrasierung—wurden vollständig beibehalten. Unsere Stimmen enthalten jedoch noch zusätzliche Vorschläge, die für Spieler einer modernen Konzertgitarre vielleicht praktischer sind. Gestrichelte Bindungen wurden nachträglich hinzugefügt und weichen von Originalstimmen ab.“ © 2017 Gitarre und Laute





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