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Album Reviews



 
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Dr. J├╝rgen Schaarw├Ąchter
www.klassik.com, October 2019

Tianwa Yang komplettiert ‘ihren’ Rihm.

‘Gesungene Zeit (Musik für Violine und Orchester Nr. 2)’ ist seit der Uraufführung durch Anne-Sophie Mutter 1992 nahezu ein Repertoirestücke der Violinkonzertliteratur geworden. Gleiches gilt noch nicht für Wolfgang Rihms spätere Konzertwerke für Violine und Orchester ‘Lichtes Spiel—Ein Sommerstück für Violine und kleines Orchester’ (2009) oder ‘Coll‘arco (Musik für Violine und Orchester Nr. 4)’ (2007/08), obschon die Uraufführungsinterpretinnen Anne-Sophie Mutter bzw. Carolin Widmann jeweils bereits Einspielungen vorgelegt haben (DG bzw. Hänssler).

Die chinesische Geigerin Tianwa Yang hat seit 2007 engen Kontakt zu Rihms Musik erlangt, seither zunächst die Werke für Violine und Klavier eingespielt. Ihre vorbildliche Gesamteinspielung von Rihms Werken für Violine und Orchester wird mit der vorliegenden Produktion komplettiert. In ‘Gesungene Zeit’ ist das Spinnen von Melodie in ferne und fernste Bereiche ein zentrales Element, teilweise bedingt durch die besonderen musikalischen Fähigkeiten Mutters. Rihm selbst schreibt in seiner Werkeinführung (die leider wie auch bei den anderen Werken bei der Naxos-Produktion nicht im Wortlaut wiedergegeben ist) unter anderem: ‚Besonders darin, wenn es um die Gestaltung des Entlegenen selbst geht, wünsche ich mir dessen Darstellung als Akt des Lebendigen.‘ Die Rückführung auf die Linie gerade in ‘Gesungene Zeit’ ist zentrales Element: ‚Eigentlich ist dies einstimmige Musik. Und immer Gesang, auch dort, wo Schlag und Puls den Atem kurz fassen, ihn bedrängen.‘

Dialog mit der Vergangenheit

‘Lichtes Spiel’ ist eine Art Gegenstück zu ‘Dunkles Spiel’ für kleines Orchester—gleichzeitig eine Assoziation zu ‚leichtem Spiel‘, ohne zu leichter Musik zu geraten. Hier mehr noch als in ‘Gesungene Zeit’ ist auch der harmonische Aspekt, der Kontrastreichtum, der Dialog mit der Vergangenheit von zentraler Bedeutung. Hier kann Yang nicht nur primär Fäden und Bögen in extremen Lagen spinnen, sondern auch in komfortableren Lagen die ganze Expressivität ihrer zahlreichen zur Verfügung stehenden Farben ausbreiten. Die Exuberanz der Musik als eine Art ‚Sommermusik‘ lädt ganz besonders zu wiederholtem Hören an, auch wegen der Vielschichtigkeit der Musik, des immer wieder aufblitzenden charmanten Humors.

Wie in ‘Lichtes Spiel’ verweist auch ‘Coll‘arco’ auf eine Spieltechnik auf der Violine. Außer in den drei eröffnenden Pizzicato-Akkorden verwendet der rhapsodische, gleichsam monologisierende Solopart ausschließlich verschiedenste Streich- und Bogentechniken. Man kann in der Komposition—gerade im Vergleich zu den beiden anderen Werken—geradezu die besonderen Qualitäten der Uraufführungsinterpretin unmittelbar ablesen. Das ist Musik der Versöhnung, Musik starker musikalischer Gestik, die intensiv im Dialog mit den Konzertwerken des 19. Jahrhunderts steht und gerade hieraus neue Wege beschreitet.

Sensible Sachwalterin

Das Entlegene ist für Yang fast das Naheliegende. Sie hat bekanntlich keinerlei Angst vor der schwierigsten Konzertliteratur und sich längst in die Weltelite vorgearbeitet, und sie kehrt für ihre Rihm-Aufnahmen immer wieder nach Baden-Württemberg zurück, wo sie seinerzeit ihre Ausbildung bei Jörg-Wolfgang Jahn an der Karlsruher Musikhochschule vertieft hatte. Sensible Sachwalterin der komplexesten Klänge, ambitioniert im musikalischen Zugriff, mit schier unerschöpflicher Vielfalt der Farben und technischen Möglichkeiten, vertieft Yang in gleich welcher Komposition das Verständnis für den Komponisten. Als Partner hat sie hier (wie in der ersten Folge der Produktion) die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die sich, diesmal unter der Leitung von Darrell Ang, als eines der ersten Orchester des Landes beweist. Insgesamt kann man bei dieser Produktion wohl von einem Glücksfall sprechen, gelingt es doch Yang, in ihrem Spiel die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Uraufführungsinterpretinnen durchaus zu ihrem Recht kommen zu lassen, ohne je zu imitieren, vielmehr der Musik einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. © 2019 www.klassik.com



Fabian Stallknecht
Crescendo (Germany), July 2019

Sind das drei Violinkonzerte, die nicht so genannt werden, oder haben wir es mit einem Zyklus zu tun, mit drei Einzelwerken, die kompositorisch und emotional ein Ganzes ergeben? Solche Querverbindungen kennt man von Wolfgang Rihm durchaus und auch die Folge dieser Stücke für Violine und Orchester, entstanden zwischen 1992 und 2009, entwickelt eine nachvollziehbare dramaturgische Logik; von der zarten, fast esoterischen Verinnerlichung in „Gesungene Zeit“ über das scherzohaft vergnügte „Lichtes Spiel“ bis hin zum theatralisch bewegten „COLL’ARCO“ zeigt Rihm mit identischer Besetzung eine große Bandbreite von Affekten. Die Interpretation von Tianwa Yang und des Dirigenten Darrell Ang bewegt sich technisch auf hohem Niveau, der Klang ist transparent, ausdifferenziert und clean, leider eine Spur zu neutral und kühl für den Ausdrucksmusiker Rihm. © 2019 Crescendo (Germany)




Lothar Brandt
Audio (Germany), July 2019

Bereits die erste Folge mit „Dritte Musik, Lichtzwang, Gedicht des Malers” war eine Sensation. Die Werke von Wolfgang Rihm (Jg. 1952) für Violine und Orchester sind bei der Ausnahmegeigerin Tianwa Yang und der Deutschen Staatsphilharmonie (bei Vol. 1 unter Christoph-Mathias Müller, hier mit dem umsichtigen Darrell Ang) in besten Händen. Jeden Amateurgeiger dürfte angesichts der unfassbaren Schwierigkeiten der Solo-Parts der Mut verlassen. Die Wahl-Deutsche Yang stürzt sich mit Wagemut, einem unerschöpflichen Arsenal an Ausdrucksmitteln und hörbarer Freude in diese wunderbare Klangwelt. „Gesungene Zeit” zeigt, dass Moderne Musik auch für statt gegen Musiker und Publikum geschrieben werden kann, ohne sich anzubiedern. Die Aufnahme überzeugt zudem mit irrwitziger Dynamik. Höchste Empfehlung. © 2019 Audio (Germany)



Jens F Laurson
Klassik heute, May 2019

Tianwa Yang, eine vom Naxos Label sehr geschätzte und geförderte Geigerin, spielt auf dieser zweiten von zwei CDs einer Reihe drei mit Wolfgang Rihms insgesamt sechs Werken für Violine und Orchester ein: Das zweite, vierte und fünfte der de facto Violinkonzerte der Éminence grise unter den lebenden deutschen Komponisten—auch wenn Rihm sich nie auf den klassischen Terminus “Violinkonzert” festlegen lässt, sondern seinen Werken stattdessen assoziationsträchtige Titel gibt.

Da wäre also Gesungene Zeit (1992), die wohl bekannteste unter den insegsamt sechs “Musiken für Violine und Orchester”, wurde es doch von der Widmungsträgerin Anne-Sofie Mutter mit James Levine und dem Chicago Symphony Orchestra eingespielt und erschien als Begleitstück ihrer Aufnahme des Alban Bergschen Konzertes auf Deutsche Grammophon. Ferner das Fünfte: Lichtes Spiel (2009, ebenfalls Anne-Sophie Mutter gewidmet), und Nr. 4, Coll’Arco (2008), welches Carolin Widmann zugedacht war. Alle drei Stücke kommen formal in einem Satz daher und sind fein gesponnene Musik der konsonanten Moderne; lichte Gestalten die sich zwar dissonant aber durchaus betörend im Raum entwickeln. Für einen Durchschnittsklassikhörer gestalten sie sich als leichter goutierbar als z.B. Arnold Schönbergs Violinkonzert aber deutlich weniger süffig als Bergs Meisterwerk.

Die Gesungene Zeit ist voll ätherischen Charakters. Zwischen angestrengten und robusten Phrasen, in denen harte Arbeit von der Solistin gefragt ist, überraschen in Lichtes Spielbezirzende lyrisch-romantische Passagen. Es sind beides außerordentlich gelungene Werke, für die Liebhaber der gemäßigten Moderne auf jeden Fall einen Platz auf der Playlist oder im CD Regal haben sollten. Wer an Rihm interessiert ist, sollte diese beiden Konzerte gehört haben. Coll’Arco schließlich ist ein wenig sperrig; statisch, aber auch hier brechen immer wieder Lichtungen auf, die Rihms Hang zum Schönen zeigen. Das gerät alles sehr, sehr ordentlich bei Tianwa Yang, auch wenn es noch nuancierter von der Dynamik her zugehen könnte. Die akkurate, wenngleich nicht ausnehmend klangschöne Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Darrel Ang spielt solide.

Alle Werke gibt es aber auch mit den hervorragenden Widmungsträgern und tatsächlich erstklassigen Orchestern auf CD, wo die Orchesterkultur zum Teil doch noch erkennbarer aufblitzt. Gesungene Zeit gibt es darüber hinaus ein weiteres Mal auf Naxos, mit Jaap van Zweeden (als Geiger!) und dem Royal Concertgebouw Orchester. Da kommt die Frage auf was man will: Rihms Geigenkonzerte auf sechs CDs verteilt (János Négyesy, Gottfried Schneider und Renaud Capuçon sind die Solisten der anderen drei Konzerte) mit vielen Zugaben oder Rihm total. Letzteres—d.h. alle Rihmschen Violinkonzerte kompakt und gut gespielt auf zwei CDs zu haben—macht diese Aufnahmen für Rihm-Fans, sowie als akustisches Nachschlagewerk, zumindest praktisch, möglicherweise sogar unentbehrlich. © 2019 Klassik heute





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