Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Oliver Fraenzke
The New Listener, October 2017

Die große Ehre der Weltersteinspielung des Violinkonzerts Op. 28 von Johan Halvorsen (1907–8) gestattet sich Henning Kraggerud zusammen mit dem Malmö Symphony Orchestra unter Bjarte Engeset. Zudem spielt Kraggerud das Violinkonzert Op. 33 von Carl Nielsen und die Romanze von Johan Svendsen; die CD erschien bei Naxos.

Anhänger der nördlichen Musik warteten sehnlichst auf vorliegende Aufnahme, die ein Stück vergessen geglaubte Kultur Norwegens zu uns zurückbringt. 2015 wurde das scheinbar verlorene Musikwerk in Toronto wiederentdeckt: das Violinkonzert Op. 28 von Johan Halvorsen (1864–1935). Halvorsen ist heute lediglich durch seine Passacaglia über ein Thema von Händel berühmt, welche eine beliebte Zugabe darstellt, doch er ist auch Autor dreier überragenden Symphonien und anderer Orchesterwerke wie unter anderem zwei Norwegischen Rhapsodien sowie einer Vielzahl Klavier- und Violinkompositionen. Er galt zu seiner Zeit als einer der bedeutendsten Dirigenten Norwegens und auch als ausgezeichneter Violinist, so dass sein Violinkonzert zu Lebzeiten durchaus Furore machte, bevor es schließlich—vor allem mangels verschiedener aufführenden Solisten—verschwand.

Energetisch aufgeladen und von dramatischer Ader geprägt gibt sich das Konzert. Beeindruckend ist die enorme Ausdifferenzierung von dissonanter Spannung und leichter Lösung, verbunden mit überraschenden Modulationen und Sprüngen zwischen den Tongeschlechtern. Es hat, etwas an Grieg und Svendsen angelehnt, unverkennbare Bezüge zur Norwegischen Volksmusik, die deutlich stilisiert wird, so dass der dritte Satz gar ein Halling—ein beliebter Norwegischer Bauerntanz—ist. Schillernd sind die Orchesterfarben und die geschickten Einsätze einzelner Instrumente in Gegenüberstellung mit ganzen Gruppen.

Etwas ungeschickt war jedoch die Wahl des Solisten, der selbst mechanisch nicht immer sicher ist, schnelle Läufe und Sprünge gerne verschleift, durch übermäßiges Vibrato Detailarbeit nivelliert und sich in virtuosen Passagen orientierungslos abmüht. An mancher sanfteren Stelle vermag er auch auf das Orchester zu hören, solche wie auch die gemäßigten Abschnitte der Kadenzen bei Nielsen können dann etwas mehr aufblühen.

Das Orchester reißt durch große Plastizität der Gestaltung und Klangkultur mit, ist voluminös und flexibel, dabei adäquat abgestimmt. Engeset holt den Witz aus der nicht immer ganz ernst gemeinten Musik Nielsens, legt die subtilen Seitenhiebe mit sicherer Hand offen. Halvorsen erforschte er genau und vermittelt eine, besonders für eine Ersteinspielung, beachtliche Menge an Detailkenntnis und ein klares Bewusstsein, sowohl über den Zeitstil der Komposition als auch über die Individualität des Komponisten. © 2017 The New Listener



Christoph Zimmermann
KlassikInfo.de, September 2017

Das Coverfoto (Geiger Henning Kraggerud inmitten hochragender Baumstämme) gibt keinen ausdrücklichen Hinweis auf die Besonderheit dieser CD-Veröffentlichung mit Violinwerken aus Skandinavien. Beim Konzert von Johan Halvorsen (weiterhin das von Carl Nielsen sowie Johan Svendsens Romanze) handelt es sich um einen fast schon sensationell zu bezeichnenden Archivfund. Der wenig bekannte norwegische Komponist, verheiratet übrigens mit einer Nichte Edvard Griegs, war selber Geiger, vor allem jedoch Dirigent. Erst als sich diese Tätigkeit nach seiner Pensionierung reduzierte, gewann das Komponieren neuen Aufschwung. Das für die Kanadierin Kathleen Parlow geschriebene Violinkonzert war freilich schon 1907/8 entstanden. Da Halvorsen es vom Publikum als nicht gebührend gewürdigt empfand, vernichtete er das originale Notenmaterial. Die Uraufführungs-Geigerin übergab das ihre jedoch der Universitätsbibliothek Toronto, wo es—nicht angemessen katalogisiert—aber erst 2015 (!) wieder entdeckt wurde. Der norwegische Geiger Henning Kraggerud, u.a. Schüler von Camilla Wicks, nahm sich des Fundes sofort an. Liveaufführungen folgte die vorliegende, Ende 2016 entstandene Einspielung. Die Musik ist nordisch-romantisch geprägt, aber (außer vielleicht dem melodiösen Mittelsatz) nicht eigentlich retrospektiv. Ein Werk mit reichen gestalterischen Möglichkeiten, welche Kraggerud voll ausreizt. Das Malmö Symphony Orchestra unter Bjarte Engset begleitet energisch und klangsatt. Das Werk sollte eine neue Karriere starten, wie auch Nielsens Konzert hierzulande stärker zu beachten wäre, was auch für sein weiteres Oeuvre gilt. Die Lebensdaten beider Komponisten sind übrigens nahezu identisch, ihr Musikstil weist nicht von ungefähr Ähnlichkeiten auf. Editorisch wie künstlerisch eine Veröffentlichung von besonderer Wichtigkeit. © 2017 KlassikInfo.de




Norbert Hornig
Fono Forum, July 2017

View PDF  


Lothar Brandt
Audio (Germany), May 2017

View PDF  


Masche Drost
WDR (Westdeutscher Rundfunk), March 2017

Hand aufs Herz: Nicht jede musikalische Ausgrabung lohnt sich—viele Stücke sind schlicht zurecht vergessen. Manchmal aber schlummern in Archiven oder auf Dachböden aber wahre Schätze. John Halvorsens Violinkonzert, sagt Masche Drost, ist einer. © 2017 WDR (Westdeutscher Rundfunk)




Remy Franck
Pizzicato, March 2017

Der norwegische Geiger Henning Kraggerud (43) widmet sich dänischer und norwegischer Musik. Den Auftakt macht Johan Halvorsens Violinkonzert op. 28, das lange Zeit verloren war und erst 2015 in Toronto wiederentdeckt wurde. Das Werk wurde von Henning Kraggerud und Bjarte Engeset 2016 in Norwegen zum ersten Mal seit über 100 Jahren wieder aufgeführt.

Halvorsen hat das formal ungewöhnliche Konzert—es beginnt mit einem ‘quasi una fantasia’ bezeichneten Satz—mit norwegischer Volksmusik gewürzt, und die Anklänge an Hardanger Fiedelmusik sind unüberhörbar. Kraggerud spielt den Satz spannungsvoll und rhetorisch, darin bestens unterstützt vom Orchester. Das Andante sostenuto wird liebevoll kantabel gestaltet und sicher von Höhepunkt zu Höhepunkt geführt. Der letzte Satz ist auf einen Halling-Tanz aufgebaut und entsprechend farbig und schwungvoll.

Nielsens technisch sehr anspruchsvolles Violinkonzert wird ebenfalls brillant interpretiert. Im lyrischen Poco Adagio lässt Kraggerud seine Geige wunderbar singen. Im letzten Satz, einem Rondo, wird der Dialog von Orchester und Solist zum höchst unterhaltsamen Gespräch, das Kraggerud und Engeset humorvoll verbrämen.

Der Norweger Johan Severin Svendsen (1840–1911) verbindet seine Heimat mit Dänemark, wo er lange und bis zu seinem Tode lebte. Die Romanze ist eines seiner beliebtesten Stücke und wird hier mit viel Charme gespielt. © 2017 Pizzicato



Marcus Stäbler
Deutschlandfunk, March 2017

Nach einer kurzen Einleitung schweigt das Orchester und überlässt der Geige die Bühne für ein ausgedehntes Solo. Mit dieser ungewöhnlich frühen Kadenz, gleich am Anfang seines Violinkonzerts, hat der norwegische Komponist und Geiger Johan Halvorsen die Kritiker überrascht und teilweise auch irritiert.

Der erste Satz sei “formal etwas unklar”, bemängelte ein zeitgenössischer Rezensent—aber das blieb auch der einzige Vorwurf. Beim Publikum kam das Stück sehr gut an. Es umschmeichelt den Hörer mit romantischen Farben und eingängigen Melodien. Der Geiger Henning Kraggerud formt diese sanglichen Linien in der neuen Aufnahme mit warmem Ton, sensibel begleitet und getragen vom Sinfonieorchester aus Malmö unter Leitung von Bjarte Engeset.

Die Ersteinspielung des Violinkonzerts von Johan Halvorsen beim Label Naxos ist eine kleine musikhistorische Sensation, denn das Stück schlief einen langen Dornröschenschlaf im Archiv der kanadischen Geigerin Kathleen Parlow. Parlow hatte die Uraufführung von Halvorsens Konzert mit den Berliner Philharmonikern im Jahr 1909 in den Niederlanden gespielt und brachte es wenig später auch in die norwegische Heimat des Komponisten. Halvorsen selbst dirigierte die Premiere in Oslo, das damals noch Christiana hieß, und wurde im ausverkauften Theater minutenlang gefeiert—gemeinsam mit der gerade mal 18 Jahre alten Solistin Kathleen Parlow, die einen anspruchsvollen Solopart zu meistern hatte.

Trotz seines großen Erfolgs, verschwand das Violinkonzert schon bald in der Versenkung. Warum, ist nicht ganz klar. Der Komponist Johan Halvorsen hat nach seinem Rückzug von der aktiven Laufbahn einige Manuskripte verbrannt, unter ihnen wahrscheinlich auch die Handschrift dieses Konzerts. Deshalb galt das Stück lange als verschollen. Aber die Geigerin Kathleen Parlow hat das komplette Aufführungsmaterial aufbewahrt. Nach ihrem Tod im Jahr 1963 ging ein Großteil von Parlows Archiv an die Musikbibliothek der Universität in Toronto. Doch weil die Partitur des Halvorsen-Konzerts nicht ausdrücklich unter den Noten katalogisiert war, dauerte es bis 2015, bis ein findiger Museumsdirektor den Schatz entdeckte. Ein Violinkonzert, das sich auch Anfang des 20. Jahrhunderts noch ganz eindeutig zur Klangsprache der Romantik bekennt und kompositorische Meisterschaft mit instrumentaler Raffinesse vereint.

Als erfahrener Geiger kannte Johan Halvorsen die Stärken seines Instruments aus dem Effeff und inszenierte dessen Vielseitigkeit sehr geschickt: mit majestätischen und virtuosen Passagen, aber auch mit Momenten von nordischer Melancholie. Die kostet Henning Kraggerud mit der dunklen Leuchtkraft seiner Guarneri-Geige aus.

Dem Geiger Henning Kraggerud liegt die Musik seines Landsmanns Johan Halvorsen schon seit der Kindheit am Herzen; nach der Wiederentdeckung des Violinkonzerts hat er den Solopart sofort einstudiert und Aufführungen im Sommer 2016 in die Wege geleitet. Gleich im Anschluss entstand die Aufnahme mit dem Sinfonieorchester Malmö unter Leitung von Bjarte Engeset.

Gemeinsam mit seinen Kollegen spürt Kraggerud den wechselnden Stimmungen der Musik nach, die bisweilen einen unverkennbar norwegischen Ton anschlägt, wie etwa im Finale des Violinkonzerts. Der rhythmische Schwung darin ist von einem Volkstanz namens Halling inspiriert; die Klangeffekte erinnern an den Sound der Hardangerfiedel. Kraggerud und das Orchester fühlen sich spürbar zu Hause im bodenständigen Klima dieser Musik. Sie spielen mit großer Lust und vielleicht sogar absichtlich ohne die allerletzte Präzision, um den Charme der Spontaneität zu wahren.

Musik: Halvorsen, Violinkonzert, 3. Satz

Mit seinen griffigen Melodien und seinem musikantischen Witz ist das Violinkonzert von Johann Halvorsen eine echte Entdeckung, frisch und lebendig interpretiert von Henning Kraggerud und dem Sinfonieorchester Malmö unter Bjarte Engeset.

Als zweites Hauptwerk präsentiert die Aufnahme das Violinkonzert von Carl Nielsen, das nur kurze Zeit später, 1911, entstanden ist und nicht nur chronologisch eine gewisse Nähe zu Halvorsens Stück aufweist. Wie sein norwegischer Zeitgenosse, hat auch der Däne Carl Nielsen Einflüsse aus der Volksmusik in sein Konzert integriert—besonders deutlich in einer kraftvoll voranschreitenden Passage aus dem ersten Satz. Hier beweist der Dirigent Bjarte Engeset sein Gespür für ein organisches Tempo, mit kleinen Verzögerungen, die diese Musik lebendig machen.

Musik: Nielsen, Violinkonzert, 1. Satz

Mit feinen Nuancen im Klang reagiert Hennig Kraggerud auf die mitunter ziemlich raschen und auch überraschenden Farbwechsel, die Carl Nielsen seinem Violinkonzert eingeschrieben hat. Nielsens Werk ist reich an originellen Ideen und treibt bisweilen auch schräge Blüten. Obwohl der Komponist selbst Geige spielte, hat er im Solopart des Konzerts nicht immer Rücksicht darauf genommen, was auf dem Instrument bequem liegt und geschmeidig funktioniert.

Das einzige, was zählt, ist seine sehr eigene und ganz klare Klangvorstellung—wenn er etwa die Geige und die Holzbläser in einen buchstäblich etwas kauzigen Dialog führt. Carl Nielsen imitiert dort das Zwitschern der Vögel und schert sich nicht um die Fingersätze des Geigers.

Musik: Nielsen, Violinkonzert, 1. Satz

Carl Nielsen hat seinem Solisten einige heikle Turnübungen in die Hände gelegt. Aber Virtuosität um der bloßen Show willen interessierte ihn nicht. Das demonstriert der Komponist auch im Finale seines Violinkonzerts, das fast vollständig auf die sonst übliche Fingerakrobatik verzichtet. Nielsen beschwört hier eine pastorale Stimmung, mit hellen Instrumentalfarben und luftigen Dialogen zwischen Geige und Bläsern, von den Orchestersolisten mitunter einen Tick zu passiv phrasiert.

Musik: Nielsen, Violinkonzert, 3. Satz

Vielleicht hätte Henning Kraggerud in manchen Staccato-Passagen den Bogen sogar noch eine Spur leichter führen können. Aber das ist ein Einwand auf hohem Niveau. Insgesamt beeindruckt der Geiger mit seiner Wandlungsfähigkeit, seiner Musikalität und dem fein austarierten Zusammenspiel mit Bjarte Engeset und dem Sinfonieorchester aus Malmö.

Ein Höhepunkt sind die kantablen Momente der Aufnahme, in denen Kraggerud die Geige singen lässt und die Musik mit dem edlen und süßen Klang seiner Guarneri beseelt. Auch in der bekannten Romanze von Johan Svendsen.

Musik: Svendsen, Romanze

Mit der Romanze von Johan Svendsen rundet der Geiger Henning Kraggerud ein Programm ab, das den Hörer eine Stunde lang in die Klangwelt der skandinavischen Romantik entführt.

Dem auf der CD erstmals eingespielten Violinkonzert von Johan Halvorsen wünscht man nach der diskografischen Wiederentdeckung jetzt auch eine dauerhafte Renaissance im Konzertleben. © 2017 Deutschlandfunk





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group