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Album Reviews



 
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WDR (Westdeutscher Rundfunk), January 2019

Klingt mal modern wie eine Jazzimprovisation, mal setzt sie sich mit klassischen Formen auseinander. Michael Schwalb hat die Einspielung des Orchestre National de Lille gehört.

“Das Orchestre National de Lille und sein Gründungsdirigent Jean-Claude Casadesus sind hervorragende Sachwalter von Dutilleux’ schwierigen Partituren, die an jeden Musiker höchste Ansprüche stellen. Über die Ebene einer rein klangsinnlichen, geradezu schwelgerischen Ausführung hinaus zeigen die Musiker des Orchesters aus Lille eine große Vertrautheit mit Dutilleux’ Musik.” © 2019 WDR (Westdeutscher Rundfunk)




Thomas Schulz
Fono Forum, December 2018

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Remy Franck
Pizzicato, November 2018

1977 hatte Jean-Claude Casadesus mit dem Orchester aus Lille für das Label Calliope die Erste Symphonie von Henri Dutilleux (1916–2013) aufgenommen. Für Naxos kehrt er zu dem Werk zurück und koppelt es mit den farbigen ‘Métaboles’, die der Komponist für das ‘Cleveland Orchestra’ schrieb.

Dutilleux Erste Symphonie ist ein frühes Werk. Sie entstand 1951, ist eher traditionell, aber sehr raffiniert komponiert. Das ‘Orchestre National de Lille’ spielt mit feiner Eleganz, aber auch sehr klangvoll, mit, dem Charakter des Werks entsprechend, sehr satten, kräftigen Farben.

‘Métaboles’ von 1964 ist wegen der Entwicklung der Tonsprache des Komponisten, moderner und subtiler in den klanglichen Nuancen. Das wird hier sehr deutlich, auch wenn Casadesus die Kontraste effektvoll ausspielt und die Intensität nie nachlässt. Der Dirigent spornt das Orchester zu packenden Leistungen an, in denen die ganze Pracht der einzigartigen Klangwelt von Henri Dutilleux zum Ausdruck kommt.

Eine sehr schöne und spannungsvolle Aufnahme von ‘Les Citations’ für Oboe, Kontrabass, Schlagzeug und Cembalo beschließt das Programm. © 2018 Pizzicato



Martin Blaumeiser
The New Listener, October 2018

Nach der überraschend guten CD (u.a. mit der 2. Symphonie) unter der Leitung von Darrell Ang, die vor knapp anderthalb Jahren bei Naxos erschien (hier meine Kritik), darf nun der Chef des Orchestre National de Lille, Jean-Claude Casadesus, selbst ran. Henri Dutilleux‘ 1. Symphonie (1951) war überhaupt sein erstes reines Orchesterstück. Ein durch und durch unkonventionelles, freilich noch weitestgehend tonales Werk, in dem der französische Meister bereits seine Eigenständigkeit und geradezu perfektionistische Instrumentationskunst zeigt. Die vier attacca aufeinander folgenden Sätze erscheinen auch heute noch frisch, abwechslungsreich, sind in ihrer Klanglichkeit stets überraschend, ohne dass der Komponist sich um einen wie auch immer verstandenen Fortschrittsmythos scheren wollte. Gerade die ganz speziellen, sofort die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich ziehenden Klangkombinationen—etwa die irisierenden Holzbläser mit Celesta im ersten Satz—stellt Casadesus deutlich als etwas Faszinierendes, Besonderes heraus. Bei der Passacaglia zu Beginn kann man sich fragen, ob sie Witold Lutoslawski gekannt hat, sie möglicherweise sogar als Vorbild für die Passacaglia in seinem berühmten Konzert für Orchester gedient haben mag. Der gewaltige Entwicklungsbogen wird von Casadesus mit großer Ruhe und Souveränität, aber auch der nötigen Unnachgiebigkeit beeindruckend dargestellt; das gilt dann gleichermaßen auch für die übrigen Sätze. Die Aufnahmetechnik ist diesmal perfekter als bei der vorigen CD und unterstützt die kompromisslose Durchsichtigkeit des Dirigenten noch. Die von mir dort kritisierte Höhenbetonung gibt es zum Glück nicht mehr. Hier gelingt eine Aufnahme, die mit ihrer unmittelbaren Direktheit selbst Barenboim (Erato) und Tortelier (Chandos) auf Abstand hält: großartig!

Métaboles von 1965 ist neben dem Cello—und Violinkonzert wohl das am häufigsten aufgeführte groß besetzte Werk Dutilleux‘. Deutlich komplexer und bereits vom Material her elaborierter—der mittlere der fünf wieder kontinuierlichen Sätze benutzt eine Zwölftonreihe, wenn auch eher als ironischen Seitenhieb denn in strenger Schönberg-Manier—kann das Stück trotzdem immer wieder mit seinen oft fast jazzartigen Rhythmen und der auch alle Orchestergruppen getrennt herausfordernden Orchestrierung begeistern. Casadesus weiß hier ebenfalls zu überzeugen—eine der besten Wiedergaben seit der legendären Einspielung durch Charles Munch. Besonderes Lob verdienen alle Orchestermitglieder, die ihre anspruchsvollen Soli in beiden Werken mit Hingabe und auf Weltklasse-Niveau meistern.

So verwundert trotz der unüblichen Zusammenstellung nicht, dass diese CD mit einem reinen Kammermusikwerk—für Oboe, Cembalo, Schlagzeug und Kontrabass—schließt. Les Citations (1985/90) zitiert tatsächlich: im ersten Satz Benjamin Brittens Peter Grimes, im zweiten den Renaissance-Meister Janequin sowie den 1940 mit nur 29 Jahren gefallenen Orgelkomponisten Jehan Alain. Ein überwiegend meditatives Meisterwerk, das bislang auf Tonträgern eher vernachlässigt wurde und hier von Spielern des Symphonieorchesters aus Lille mit der bei allen spieltechnischen Finessen gebotenen Intimität realisiert wird. © 2018 The New Listener





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