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Album Reviews



 
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Matthias Hengelbrock
Fono Forum, January 2019

Musik:
Klang:

Für die Interpretation französischer Barockmusik haben die Gebrüder Kuijken in den 70er-Jahren mit La Petite Bande einen Stil entwickelt, der im Wesentlichen heute noch gültig ist, auch wenn nachfolgende Interpreten ihn mit mehr italienischer Virtuosität vermischt haben.

Gewissermaßen die reine Lehre führt nun Barthold Kuijken mit dem Indianapolis Baroque Orchestra vor: Vorrang der Vertikalen vor der Horizontalen (Tanz), fast schon schematischer Wechsel von betonten und unbetonten Noten (Sprache), Fokussierung auf das lyrische Detail (Gesang). Schlagartig fühlt man sich um 40 Jahre zurückversetzt—und angesichts der polternden Gegenwart sehr wohl. © 2019 Fono Forum




Detmar Huchting
Klassik heute, September 2018

Jean-Baptiste Lully (1632–1687), in Florenz geboren, kam als 13-jähriger an den französischen Königshof und stieg dort vom Pagen der Anne Marie Louise d’Orléans—Herzogin von Montepensier und Cousine König Ludwigs XIV.—zum maßgeblichen Musiker am Hof des Sonnenkönigs auf. Er prägte das französische Musikleben seiner Zeit als Sonnenkönig im Reich der Musik, schuf mit der tragédie lyrique die französische Barockoper und übte weit über Frankreich hinaus entscheidenden Einfluss auf den Gang der Musikgeschichte aus: Von besonderem Gewicht ist sein Beitrag in der Entwicklung des spätbarocken Orchesters zum farbenreichen Klangkörper aus Streichern und Bläsern. Der Titel dieser CD—„The Lully Effect“—illustriert somit gut Lullys fortdauernde Bedeutung noch für die Orchestermusik der Generation seiner Enkel.

„Lully und die Folgen“ könnte man das Programm dieser CD auch nennen: Musik von Jean-Baptiste Lully, Georg Philipp Telemann (1681–1767) und Jean-Philippe Rameau (1683–1764) vereint Barthold Kuijken mit dem 1997 gegründeten Indianapolis Baroque Orchestra, dem Kuijken als künstlerischer Leiter vorsteht. Zwei Stücke—die Ouvertüre und eine Passacaille—aus Lullys letzter vollendeter und im Februar 1686 uraufgeführter tragédie en musique Armide bilden den Ausgangspunkt von Kuijkens Spurensuche, deren Ziel er in einer Ouvertüre Georg Philipp Telemanns und einer Orchestersuite findet, die Jean-Philippe Rameau von seiner tragédie en musique Dardanus von 1739 anfertigte.

Diese musikalischen Entwicklungslinien auf CD nachzuzeichnen, entspricht nach Auskunft der Plattenfirma einem langgehegten Wunsch Barthold Kuijkens, jedenfalls tritt der Künstler seit einiger Zeit erstmals wieder mit einer Neueinspielung hervor, wobei die Aufnahme zum jetzigen Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits fünf Jahre alt ist. Die beiden Stücke aus Lullys Armide, frisch und elegant in der Interpretation von Sigiswald Kuijken von 1996, entfalten unter der Leitung des jüngeren Bruders Barthold Klangfülle und repräsentative Grandeur, ein guter Modus zur Darstellung des Vorbildcharakters von Lullys Musik für die kommenden Generationen.

Die Holland Baroque Society schlägt in Telemanns Ouverture in e-Moll unter der Leitung des französischen Flötisten Alexis Kossenko eine leichtfüßige, elegante Gangart ein; vielleicht schwebte genau das meinem britischen Kollegen David Bellinger von earlymusicreview.com vor, wenn er für Barthold Kuijken „more vim and pepper” anmahnt. Angesichts der Thematik der vorliegenden CD halte ich allerdings die eher rückwärtsgewandte Haltung bei der Interpretation von Telemanns und Rameaus Musik hier für durchaus angebracht, gerät doch so ins Blickfeld, dass für die erste Generation der Komponisten des 18. Jahrhunderts, die noch dem Spätbarock zugerechnet werden darf, eine gewisse barocke Gravität nicht unbedingt im Gegensatz zum Ausblick in kommende Zeiten des galanten Stils stehen muss.

Ausgelassene Stimmung („Boisterous fun” im Original) vermisst Bellinger bei Rameaus Dardanus Suite—das ist allerdings das erste Mal, dass ich im Zusammenhang mit Rameaus Musik auf die Qualifikation „ausgelassen“ stoße. Wenn irgendetwas für das Schaffen dieses großen Verfechters französischer Musiktraditionen gegenüber italienischer Musique à la mode nicht passt, ist es dieses Adjektiv! Wenn man allerdings auf ein perfektes Gleichmaß von Würde und Beschwingtheit als Kennzeichen für den Stil der Musik Rameaus Wert legt, in dessen Leben das Opernschaffen ja erst spät Eingang fand, dann ist man bei dieser CD bestens aufgehoben, zumal Barthold Kuijken natürlich im Gesamten dieser CD nie die Subtilität aus dem Blickfeld verliert, die jedem dieser drei Meister in hohem Maße eignet. © 2018 Klassik-heute





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