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Album Reviews



 
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ouverture - Das Klassik-Blog, April 2019

Pünktlich zum Osterfest veröffent- lichten Bachchor und Bachorchester Mainz ihre Interpretation der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Ralf Otto, der den Chor seit 32 Jahren leitet, setzt einmal mehr auf das Motto: “Histo-risch informiert, aber zeitgemäß interpretiert.”

Das Ergebnis begeistert. Und so verwundert es auch nicht, dass für die Einspielung renommierte Solisten gewonnen werden konnten, allen voran Georg Poplutz in der Partie des Evangelisten. Die Jesus-Worte singt Matthias Winckhler. Bei den Arien achtet Otto sehr genau darauf, welchem Chor sie zugeordnet sind. Daher sind die Solisten in allen vier Stimmlagen doppelt besetzt—was für ein Luxus!

Auch sonst achtet Ralf Otto wenig auf Aufführungstraditionen, und umso genauer auf die Noten. Das führt dann dazu, dass auch bei dieser Aufnahme viele Details wahrnehmbar werden, die sonst oft nicht zu hören sind. Auch die Tempi, die Otto wählt, sorgen da für so manche Überraschung.

Hier wird Text ausgelegt mit musikalischen Mitteln. Man höre nur, wie der Chor die Choräle singt—die Wirkung ist verblüffend. Vielfach verzichtet Otto auf Rasanz, und setzt statt dessen auf Ausdruck und Klarheit. Das bekommt beispielsweise dem Eingangschor ausgezeichnet, dem man die Klage in diesem Falle tatsächlich abnimmt. Transparenz bieten aber nicht nur die Chöre, sondern auch die Musiker des Orchesters. Mit ihrem Spiel unterstreichen sie die Aussage der Vokalisten. So sollte es sein; einmal mehr setzen Bachchor und Bachorchester mit dieser Aufnahme Maßstäbe. © 2019 ouverture - Das Klassik-Blog



Dr. Matthias Lange
www.klassik.com, April 2019

Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 

Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. © 2019 www.klassik.com



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2019

Ostern steht vor der Tür und damit wieder viel Neues von Bach in den Plattenregalen. Die wohl wichtigste Passions-Neuerscheinung in der diesjährigen Bach-Diskographie stellt aus meiner Sicht die vorliegende Einspielung der Matthäus-Passion aus Mainz dar. Ralf Otto, jung gebliebener Veteran der Alten Musik, setzt so nach der Johannes-Passion und dem Weihnachtsoratorium seine Aufnahmereihe der großen Chorwerke Bachs auf hohem Niveau fort.

Waren es nach dem Umbruch zur historisch informierten Aufführungspraxis vor allem der Österreicher Harnoncourt, die Engländer William Christie und Sir John Eliot Gardiner, der Niederländer Ton Koopman, die Belgier Herreweghe und René Jacobs und der Japaner Masaaki Suzuki, die die spektakulärsten Bach-Aufnahmeprojekte durchzogen (Kantaten, Passionen) und sich am Tonträgermarkt als Superstars etablieren konnten, so sind jetzt auch erfreulicherweise die Deutschen wieder präsenter. Die Lücke, die Karl Richter hinterließ, konnte natürlich von so herausragenden Musikern wie Helmuth Rilling, Frieder Bernius oder Hans-Christoph Rademann einigermaßen geschlossen werden.

Jetzt setzt Ralf Otto mit seinen exzellenten Chor- und Orchesterleuten aus Mainz alt-neue Maßstäbe in der Bach-Rezeption. Aus seiner Interpretation der Matthäus-Passion atmet ein mit der Muttermilch eingesogenenes Wissen um diese so spirituelle und kontrapunktisch reich gestrickte Musik. Otto weiß die verschiedenen Dimensionen von Bachs Musik gleichermaßen zu bedienen. Die tiefen Emotionen in den Arien, den religiösen Hintergrund ebenso wie das tänzerisch rhythmisierende barocke Element etwa in den theatralischen Chören.

Überzeugen können auch die Solistinnen und Solisten dieser Aufnahme. Das bewährte Team mitGeorg Poplutz (Evangelist), Matthias Winckhler (Jesus), Daniel Sans (Tenor) Julia Kleiter (Sopran), Gerhild Romberger (Alt) und Daniel Ochoa (Bass) reüssiert stilistisch und emotional mit schlanken, gut geführten Stimmen. Wohlklang garantiert. © 2019 Online Merker



Remy Franck
Pizzicato, March 2019

Nach der Johannes-Passion im vergangenen Jahr legen Ralf Otto, der Bachchor und das Bachorchester Mainz nun auch eine Aufnahme der Matthäus-Passion vor. Ralf Otto betont das Emotionale der Partitur, ohne die schon fast tänzerische Geste der Musik zu vernachlässigen. Insgesamt ist dies eine sehr kontemplative Interpretation mit einer Reihe an erstklassigen Solisten: Georg Poplutz (ein exzellenter Evangelist), Matthias Winckhler (ein bewegender Jesus) sowie Julia Kleiter, Jasmin Hörner, Gerhild Romberger, Nohad Becker, Daniel Sans, Christian Rathgeber, Christian Wagner und Daniel Ochoa. Die Aufnahme ist ausgewogen, könnte aber in den Ensembleszenen mehr Transparenz haben. © 2019 Pizzicato




Rainer W. Janka
Klassik heute, February 2019

Nach der himmelstürmend—fulminanten Johannespassion und dem turbulent—freudigen Weihnachtsoratorium legt Ralf Otto mit dem Bachchor und Bachorchester Mainz nun Bachs Matthäuspassion vor—und wieder ist es eine tief beeindruckende Aufnahme von diesem „in fast ununterbrochenem Moll gewiss wunderbar wogenden Wolkenmeer von Seufzern, Klagen und Anklagen, von Ausrufen des Entsetzens, des Bedauerns, des Mitleidens: einer Trauer—Ode, die in einem regelrechten Grabgesang ihren Ausklang findet“, wie der große evangelische Theologe Karl Barth 1955 in seiner Dogmatik schreibt—auch wenn er theologisch meint, „dass das bestimmt nicht die Passion Christi ist.“

Günter Jena postuliert in seiner Matthäuspassion—Monografie aus dem Jahre 1993: „Besonders schwer ist es, der ausufernden Espressivität und der kristallinen Formstrenge seiner Musik gleichermaßen gerecht zu werden.“ Diesmal scheint mir Ralf Otto mehr zur „kristallinen Formstrenge“ zu neigen, weniger zur Espressivität, weniger zur seelischen Überwältigung. Das scheinen die doch oft raschen Tempi zu belegen, die Otto wählt. Der Tonfall des Eingangschores wirkt ausgefeilt, ja etwas ausgeklügelt: Über dem deutlich ausgestellten Dreier—Rhythmus des 12/8—Taktes zieht sich soghaft in strengstem Legato der Bogen der nach oben strebenden Violinen. Erst mit der Ölbergszene ab Nr. 14 wird es schmerzlicher, ergriffener.

Georg Poplutz erfüllt den Part des berichtenden und erzählenden Evangelisten mit Artikulationsgenauigkeit und einer leis zitternden Erschütterung. Matthias Winckhler ist ein würde— und bisweilen weihevoller Christus mit einer jungen, deshalb wohltuend unpathetischen Stimme, die immer klar bleibt und von edlem Wohllaut erfüllt ist. Der Alt von Gerhild Romberger klingt etwas kehlig, der Bass von Christian Wagner manchmal etwas ausladend, aber markig und damit aber passend für den Petrus, balsamisch seine „Abend“—Arie, der Tenor von Daniel Sams hört sich in seinen Arien etwas klein an, zudem phrasiert er in seiner „O—Schmerz“—Arie extrem ab und wirkt bei aller inneren Erregung etwas atemlos. Als Pilatus agiert Florian Küppers dramatisch und anteilnehmend—fassungslos. Einsamer Höhepunkt der Arien aber ist die Liebes—Arie des Soprans (Aus Liebe will mein Heiland sterben): überirdisch schön gesungen von Julia Kleiter, lichtvoll klar, frei schwingend und trotzdem überaus kontrolliert, übergossen von der schwärmerischen Flöte und grundiert von den Herzschlägen der Oboi da caccia—eine wahre Liebes—Arie in seliger Melodik, selten so schön, so unsentimental—keusch gehört.

Noch ein Postulat von Günter Jena, die Choräle betreffend: „Ein Chor sollte, was einer Gemeinde nicht abzuverlangen ist, ausdrucksvoll textbezogen singen.“ Genau das tut der Mainzer Bachchor, textbezogen, textgenau, ja kommagenau und die Enjambements beachtend, konsonantenreich und wortausdeutend.

Die Turba—Chöre kommen exakt, anfangs mit erregtem Schwung, der aber auch schnell in ein nachdenklich—fragendes Ritardando fallen kann (Herr, bin ich’s?), die Konsonanten im Blitze—und—Donner—Chor knattern wie Maschinengewehre (so formuliert es John Eliot Gardiner in seinem Bach—Buch).

Vor allem aber zeigt diese Aufnahme wieder, wieviel Schönheiten, Textdeutungen und —illustrierungen in den Orchesterstimmen stecken: Schön tropfen die Blutstropfen in der „Buß—und—Reu“—Arie, schwimmt das Herz in Oboen—Tränen, die aber auch heitere Girlanden bilden in der Sopran—Arie Ich will dir mein Herze schenken. Wenn Christus Judas antwortet: „Du sagest’s.“, wird das Geigennachspiel ganz resignativ—traurig, als weine Christus über Judas‘ Schicksal. Und ausdrucksstark punktiert die klangschöne Gambe den Rhythmus der falsch stechenden Zunge: Selten hört man ein historisch informiertes Orchester so rhetorisch gewandt die „Klangrede“ artikulieren.

Und nicht zuletzt: Sehr schön gelingt es dem Tonmeister, den natürlichen Kirchenhall der Mainzer Christuskirche einzufangen. © 2019 Klassik heute





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