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Album Reviews



 
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Hans Ackermann
kulturradio vom rbb, January 2020

Der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven rückt einen Komponisten in den Mittelpunkt, der in fast allen Gattungen größte Leistungen vollbracht hat—dazu zählen seine Sinfonien, die Streichquartette und Klaviersonaten und zweifellos auch die fünf Klavierkonzerte.

Mit seinen Klavierkonzerten hat Beethoven dieser Gattung und dem Ideal des solistischen Klaviervirtuosen endgültig zum großen Durchbruch verholfen. In früheren Epochen waren die Solisten noch wesentlich stärker in das Orchester eingebunden.

Selbstbewußter Solist

Mit Beethoven blüht nun ein neuer Typus auf, selbstbewußt und mit dem gerade erfundenen Hammerflügel auch über die notwendige Durchsetzungskraft verfügend. Moderne Pianisten konnten nun mit dem Orchester in einen ergiebigen Wettstreit treten—ohne dass dabei das musikalische Miteinander aufgegeben wurde.

Revolutionärer Individualismus

Boris Giltburg, 1984 in Moskau geboren und dort anfangs von der eigenen Mutter in der Tradition der “russischen Schule” ausgebildet, nimmt die Herausforderung dieser revolutionär-individuellen Musik an. Mit perfekter Technik spielt er die federleichten Läufe, artikuliert sich mit einem stets klaren Ton. Im Zusammenspiel mit dem britischen Orchester “fliegt” er hellwach und beweglich durch Allegro und Rondo, lauscht dazwischen hingebungsvoll in das Largo des ersten Konzerts hinein—einer der schönsten langsamen Sätze der Musikgeschichte. 

Fugiertes Finale

Die Themen im  Konzert Nr. 2 scheinen weniger eingängig.  Nicht verwunderlich, dass Beethoven den ganz großen Erfolg in Wien und Berlin, Budapest und Prag deshalb eher mit seinem Konzert Nr. 1 feiern konnte. Doch mag das—an sich früher komponierte—Konzert Nr. 2 auch im Schatten des anderen Werkes stehen, der fugierte Schluss des Kopfsatzes Allegro con brio sucht seinesgleichen. Mit meisterhaft angedeuteter barocker Polyphonie, die in moderne Harmonien aufgelöst wird, könnte dieses Satzfinale auch aus einer der großen Klaviersonaten Beethovens stammen.

Giltburg, der auch das umfangreiche Booklett selbst verfasst hat, kostet diesen musikalischen Glücksmoment mit seinen Zuhörern aus. Das Album ist ein sehr gelungener Auftakt zum Beethoven-Jahr 2020. © 2020 kulturradio vom rbb




Matthias Kornemann
Fono Forum, January 2020

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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, December 2019

Wer sich gedacht hat, dass Igor Levit mit der Gesamtausgabe aller Klaviersonaten den pianistischen Vogel 2019 auf dem Beethoven-Tonträgermarkt abgeschossen hat, der sollte sich einmal Boris Giltburg anhören. Der russisch israelische Tastentiger ist bisher vor allem mit seinen Aufnahmen von Musik von Shostakovich bis Rachmaninov äußerst positiv aufgefallen, aber auch zu Schumann, Dvorak oder Liszt hat er Substanzielles zu sagen.

Mit dem ersten Teil einer Gesamteinspielung aller Beethoven Klavierkonzerte mit dem Royal Liverpool Orchestra unter der musikalischen Leitung von Vasily Petrenko legt Giltburg nun sein bislang bestes Album vor. Das erste Wunder ist, dass Giltburg den eher formal strengen russischen Dirigenten Vasily Petrenko, der beim Dirigieren kaum eine Miene verzieht und nicht selten Partituren stocksteif militärisch durchexerziert (erlebt im Berliner Konzerthaus diesen Sommer anlässlich einer Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie mit dem European Union Youth Orchestra) zu einem bewegten und elastischen Musizieren animieren konnte. Siehe da, es geht auch anders bei Petrenko. Federnd und witzig, duftig und leicht wie ein Sommerhauch begeistern etwa die stilistisch noch dem 18. Jahrhundert verplichteten langsamen Sätze der ersten beiden Klavierkonzerte Beethovens.

1790 schloss Beethoven die Komposition der ersten Fassung des 2. Konzerts in B-Dur ab, 1793 in Wien folgte die zweite Version mit dem Rondo in B-dur WoO als Finale. 1794 tauschte Beethoven den Finalsatz gegen ein wesentlich kürzeres Rondo aus. Erst die vierte Überarbeitung aus dem Jahr 1798 sollte als gültige in die Musikgeschichte eingehen. Auf der CD wurde auch das Rondo der Zwischenversion mit einer Kadenz vom Boris Giltburg aufgenommen. Das erste Klavierkonzert in C-Dur hat Beethoven 1795 geschrieben und 1800 revidiert.

Boris Giltburg ist bei der vorliegenden Edition im Sinne eines Gesamtkunstwerks nicht nur brillanter Pianist, sondern auch kluger, wortgewandter Kommentator und Fotograf des Coverfotos (in Wolken gehüllte Berge). Die von ihm beobachteten Charakteristika des B-Dur Konzerts dürfen auch als Programm seiner Interpretation gelten: „Die Musik des ersten Satzes verrät ein vollkommenes Gleichgewicht zwischen Energetik und Eleganz. Ein ebenso ausbalancierter Klavierpart—leichtfüßig und von ostentativer Virtuosität—bestätigt das. Poesie und Tiefe sind die Schlüsselbegriffe des zweiten Satzes, der auf einer ruhigen choralartigen spirituell durchdrungenen Melodie beruht. Die introspektiven Solo-Episoden des Klaviers entfalten den ganzen singenden Ton, der Beethovens eigene Aufführungen so berühmt gemacht hat. Im magischen Schlussdialog mit dem Orchester ist alles Herz und Seele und Schönheit. Das Finale wiederum erleben wir als ganz irdisch, grenzenlos energetisch, erfüllt von schrulligen Akzenten und stacheligem Humor. Der Satz holt uns mit meisterhaften Mitteln aus der magischen Träumerei heraus und rundet den strukturellen und narrativen Bogen des Konzerts.“

Jetzt noch kurz zu den beiden anderen Werken: Das Rondo bezeichnet Giltburg als liebenswertes Stück für sich, vergnügt und sorglos. Das im Vergleich zu seinem Geschwisterwerk noch sonnigere C-Dur Konzert ist ausladender, reicher orchestriert. „Der erste Satz ist ein Wunder an Sparsamkeit mit einem charaktervollen Klavierpart, entspannt mit einem guten Quantum an Humor.“ Giltburg wählt von den beiden vollständig hinterlassenen Kadenzen die kürzere, harmonischere. Der zweite Satz bringt ein „persönliches intimes Verströmen zarter glühender Emotionen. Beethoven stellte dem Klavier den warmen sanglichen Ton der Klarinette beinahe gleichberechtigt zur Seite.“ Das Duett der beiden Instrumente nach der Coda gehört nach Giltburg zu den schönsten Passagen, die Beethoven je geschrieben hat. „Das geistreich ehrgeizige Finale steckt voller Humor und voller Einfälle und lässt sich mit purem Vergnügen spielen. Viel mehr ist dazu nicht zu sagen.“

Wohl aber zur hinreißenden Interpretation von Giltburg, der uns einen Beethoven in seiner allumfassenden faszinierenden Vielseitigkeit vorführt. Giltburg kommt dabei ganz ohne exzentrische Extravaganzen, Tempoextreme bzw. exhibitionistisch gehäkeltes Eigenprofil aus. Giltburg agiert ganz aus der Musik, die in aller ihrer Ernsthaftigkeit so ungemein spielerisch und schwebend an unser Ohr dringt, als wäre es das natürlichste der Welt, die vertrackt virtuosen Tongirlanden so zu spielen, als ob jedes Kind das könnte. Vor allem die subtile Anschlagskultur verblüfft und offenbart in hoher kristalliner Klarheit (Pedale bemüht Giltburg sparsam) die in kosmisches Licht getauchten Affekte der Musik, das komplexe Kaleidoskop ihrer Mutationen und Anverwandlungen. Im Rondo des zweiten Konzerts perlen die Läufe keck dahin, steckt die Energie des Pianisten den Hörer förmlich an, Marke ,Herumhüpfen dazu ausdrücklich erlaubt‘. Lassen auch Sie sich wie der Rezensent von Giltburg aus dem Sessel reißen und genießen Sie eine der schönsten Beethoven CDs der letzten Jahre! © 2019 Online Merker



Klaus Kalchschmid
Crescendo (Germany), December 2019

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Remy Franck
Pizzicato, October 2019

Boris Giltburg, Vasily Petrenko und das Royal Liverpool Philharmonic starten mit den Klavierkonzerten Nr. 1 und 2 in eine Gesamtaufnahme der Beethoven-Konzerte. Aufs Ganze gesehen sind dies eher traditionelle Interpretationen, sehr lebendig und raffiniert gemacht, besonders im Klavierpart sehr ausgefeilt, sehr klar artikuliert, mit interessanten Farben und feinen Veränderungen in Dynamik und in den Tempi.

Die ersten Sätze der beiden Konzerte sind sehr entspannt, charmant und lyrisch, sie haben Schwung, bleiben aber im Tempo im Durchschnittsbereich. Die Schlusssätze sind vitaler und sehr beweglich, die langsamen Sätze wirklich langsam, lyrisch und gefühlvoll.

Hin und wieder empfindet das Ohr das aber auch als ein wenig zu sehr ‘gemacht’, längst nicht so spontan wie bei Lisiecki und der Academy of St Martin in the Fields. Dafür gibt es andere Gewichtungen zu hören als bei Lisiecki, was die Aufnahme dann doch interessant macht. © 2019 Pizzicato





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