Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...


Remy Franck
Pizzicato, November 2016

Enrique Granados komponierte seine Oper ‘Maria del Carmen’ im Jahre 1898. Mit der Geschichte um ein Dreiecksverhältnis in einem Dorf der spanischen Region Murcia ruft sie Vergleiche mit Mascagnis ‘Cavalleria Rusticana’ hervor.

Das Problem mit der Oper ist, dass Granados das Originalmanuskript bei sich hatte, als er beim durch ein deutsches U-Boot verursachten Untergang der ‘Sussex’ im Meer ertrank. Sein Koffer wurde zwar später aus dem Wrack geborgen und seinem Sohn übergeben, doch Teile der Familie verhinderten eine Veröffentlichung. 2009 kam das Manuskript in die ‘Special Collections’ der ‘University of California’ in Riverside. Ferner gab es noch Partituren, in den der Sohn des Komponisten eigene Umänderungen eingearbeitet hatte. Die vorliegende Aufnahme vom Wexford Opernfestival beruht auf einer neuen kritischen Ausgabe von Max Bragado-Darman, die dieser 2003 im irischen Wexford dirigierte.

Maria liebt den Bauern Pencho, der in einem Kampf den reichen Javier verwundet hatte und danach geflüchtet war. Maria pflegt Javier gesund, um diesen dazu überreden zu können, Pencho ungestraft zurückkehren zu lassen. Doch Javier verliebt sich in sie und sie verspricht ihm, ihn zu heiraten, um Pencho zu retten. Dieser nimmt das nicht an, und die beiden Kontrahenten wollen sich im Duell gegenüberstehen. Maria fühlt sich in ihren Gefühlen zwischen beiden hin—und hergerissen. Dann teilt der Dorfarzt Javier mit, er leide an Tuberkulose und müsse sterben. Daraufhin versöhnt sich Javier mit Maria and Pencho.

Granados schrieb dazu eine fantasievolle, brillant orchestrierte Musik, die besonders in den Ensemble-Szenen seine Kunst beeindruckend unterstreicht.

Die vormals bei Marco Polo herausgekommene Aufnahme aus Wexford ist, was die Sänger anbelangt, korrekt, während das Orchester unter der erfahrenen Leitung von Max Bragado-Darman aufhorchen lässt. Die Tonaufnahme leidet unter einer allzu trockenen Akustik.

Im Textheft gibt es knappe Artikel zum Werk, aber kein Textbuch, dafür aber—wie sinnvoll!—die Namensliste des Orchesters… © 2016 Pizzicato



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, November 2016

Vermutlich ist die wahrlich unglaubliche Geschichte rund um Leben und Sterben des katalanischen Komponisten Enrique Granados aufregender als die Oper Maria del Carmen selbst, einer Art spanischem Folklore-Verismo-Reißer mit einem dunklen „Happy End.“ Granados tragischer Tod ereignete sich so: Von Klavieraufnahmen in New York aus nahm der Komponist im März 1916 den Umweg über England, um über Frankreich nach Spanien zurückzureisen. Und das nur, weil Granados den direkten Ozeandampfer wegen einer zögerlichen Zusage zu einem Recital versäumte. Von da an wird es abenteuerlich und zeigt nach dem Spiel „Was wäre geschehen, hätte ich die nächste U-Bahn genommen?“ die fatalen Folgen unzeitgemäßen Seins zur falschen Zeit am falschen Ort, und das gleich mehrfach. Granados bestieg das Schiff also zuerst nach England, um von dort aus über den Ärmelkanal nach Dieppe zu reisen. Zufällig kreuzte die Fähre Sussex ein deutsches U-Boot in durchaus kriegerischer Absicht, das mit einem Torpedo die Sussex folgenreich traf. Schon im Rettungsboot in Sicherheit, sprang Granados nochmals in die Fluten, um seine Frau zu retten, beide kamen bei dieser unglaublich traurig romantischen „Titanic“-Story ums Leben. Dreimal fatal: Das Schiff brach durch den Beschuss in zwei Teile, von denen derjenige, auf dem sich Granados Kabine befand, unversehrt blieb und in den Hafen geschleppt werden konnte. Wären die beiden in der Kabine geblieben, hätten sie so wie fast alle anderen auf diesem Teil der Fähre gerettet werden können. Das Ehepaar Granados hinterließ sechs Kinder und im Koffer in der Kabine die Original-Partitur zu dessen früher Oper Maria del Carmen.

Das Label NAXOS veröffentlicht nun aus Anlass des 100-jährigen denkwürdigen Todestages des Komponisten eine nicht mehr ganz taufrische Aufnahme dieser durchaus effektvollen Oper vom Wexford Festival 2003, die bereits bei Marco Polo erhältlich war. Trotz nur mäßiger Klangqualität lohnt sich dennoch das Kennenlernen dieser Oper einer dörflich unsittlichen Dreiecksgeschichte à la Cavalleria rusticana mit Messerstecherei zwischen den Rivalen Pencho (Jesús Suaste mit etwas nüchternem Bariton) und Javier (spitz aber tonsicher Dante Alcalá). Es geht um die schöne Maria (Diana Veronese mit sinnlich ausladendem vibratoreichem Sopran), die lieber den ungeliebten Javier heiratet als ihren Pencho im Gefängnis zu sehen. Zum ihrem Glück verzichtet Javier krankheitsbedingt auf die Schöne, die am Ende ihren leidenschaftlichen Lover bekommt. In weiteren Rollen sind David Curry als Don Fulgencio, Riccardo Mirabelli als Antón, Silvia Vásquez als Marias Freundin Fuensanta und Larisa Kostyuk als Concepción zu hören. Alberto Arrabal als Pepuso, und Gianfranco Montresor als Javiers Vater Domingo ergänzen das Ensemble, das eher in Dramatik und als Bühnenteam denn als Träger schöner Stimmen überzeugt.

Nicht die Handlung der Oper an sich ist außerordentlich. Aber wie Granados meisterlich spätromantisches Erbe mit veristischen Einsprengseln, jeder Menge an spanischen Volksweisen mit durchaus moderner Klangsprache gekonnt mischt und daraus ein ganz persönliches musikalisches Idiom so irgendwo zwischen Zarzuela und italienischer Melodienseligkeit destilliert, ist höchst bemerkenswert. In den Chören und Ensembles überzeugt Granados am meisten, aber auch die Solisten haben originelle und anspruchsvolle Parts zu absolvieren. Das National Philharmonic Orchestra of Belarus unter Max Bragado-Darman macht seine Sache exzellent. Allerdings trübt der doch dumpfe Klang den Hörgenuss erheblich.

Fazit: Zum Kennenlernen des Werks ist die wiederaufgelegte Aufnahme aus Wexford gut geeignet, die Genießer grandioser Stimmen und die Hi-Fi Freaks werden sich bis auf weiteres noch gedulden müssen. © 2016 Online Merker



Ingrid Wanja
Opera Lounge, November 2016

Eigentlich wäre sie Deutschland als Akt der Wiedergutmachung dem Komponisten schuldig gewesen: die erste Aufführung seiner Oper Maria del Carmen außerhalb Spaniens. Schließlich wurde Enrique Granados ein Opfer des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs, als er 1916, von einer USA-Tournee heimkehrend, im Ärmelkanal ertrank, nachdem ein deutsches U-Bot die Sussex, auf der er reiste, torpedierte. Zwar hatte sich der Komponist bereits in einem Rettungsboot in Sicherheit gebracht, als er seine Gattin im Wasser treibend sah und nicht zögerte, sich wieder zu ihrer Rettung in die Fluten zu stürzen. Beide fanden den Tod, und dem experimentierfreudigen Festival von Wexford war es vorbehalten, im Jahre 2003 das bei seiner Uraufführung 1899 zunächst erfolgreiche, danach weitgehend vergessene Werk wieder aufzuführen. Bei Naxos ist, mit einem knappen, aber trotzdem inhaltsreichen Booklet ausgestattet, die Aufnahme erschienen, derer sich zuvor bereits Maco Polo angenommen hatte. Es handelt sich um eine Dreiecksgeschichte im ländlichen spanischen Milieu: Pencho (Bariton), der mit Maria del Carmen (Sopran) ein Liebespaar bildet, hat Javier (Tenor), der ebenfalls in Maria verliebt ist, mit seinem Messer verletzt. Damit Pencho nicht zur Rechenschaft gezogen wird, erklärt Maria sich bereit, Javier zu heiraten. Dieser aber verzichtet, nachdem ihm bewusst geworden ist, dass er nicht mehr lange zu leben hat, und Maria und Pencho können das Dorf frei und glücklich verlassen. Immerhin eine Besonderheit des Stoffs ist, dass der Bariton und nicht der Tenor den Sopran bekommt oder mit ihm gemeinsam sterben darf. Die Musik ist spätestromantisch mit Verismoanklängen und viel Folklore, besonders, was den Chor betrifft. In Spanien selbst stritt man sich darum, ob Granados der Chopin, der Grieg oder der letzte Romantiker Spaniens sei, so der Artikel von Justo Romero im Booklet. Die Protagonisten haben effektvolle Arien, die Chöre einprägsame Melodien zu singen. Vom Inhalt und der Musik her könnte das Werk auch als Zarzuela durchgehen. Die georgische Sopranistin Diana Veronese (wohl ein Künstlername) hat eine üppig timbrierte Stimme mit präsenter Mittellage, ein Spinto-Sopran, den man sich gut als Santuzza vorstellen kann. Einen spröden Bariton setzt Jesús Suaste für den am Ende glücklichen Pencho ein. Sehr schöne Momente und mehr Geschmeidigkeit hat er in den Duetten mit Maria. Dante Alcalá hat einen sehr leichten Tenor mit angedeuteten lyrischen Qualitäten, leider aber gepresst klingender Höhe für den Javier. Weitere Tenöre sind der angenehm klingende David Curry für den Don Fulgencio und ebenso Riccardo Mirabelli für den Antón. Über eine zarte, mädchenhafte Sopranstimme setzt Silvia Vásquez für Marias Freundin Fuensanta ein, mit mütterlichem Mezzo singt Larisa Kostyuk die Concepción. Mit markantem Bariton ist Alberto Arrabal Pepuso, ebenso verdienstvoll Gianfranco Montresor als Javiers Vater Domingo. Das im ansonsten sparsamen Booklet restlos aufgelistete National Philharmonic Orchestra of Belarus unter Max Bragado-Darman klingt durchaus spanisch, so wie auch der Wexford Festival Opera Chorus. © 2016 Opera Lounge





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group