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Ekkehard Pluta
Opernwelt (Germany), February 2015

Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810–1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Dank der Initiative des Palazetto Bru Zane kann diese Einstufung nun möglicherweise revidiert werden. Seine monumentale Grand opéra «Herculanum» wurde unlangst von Radio France in Versailles aufgezeichnet, die märchenhafte Opéra comique «Lalla Roukh» liegt in einer Produktion der kanadischen Opera Lafayette bei Naxos vor.

Als Student in Paris schloss sich David der christlich geprägten, frühsozialistischen Bewegung der Saint-Simonisten an. Um politischer Verfolgung zu entgehen, bereiste er mit einigen Gesinnungsfreuden den Nahen Osten und Nordafrika und brachte von dort zahlreiche musikalische Skizzen mit, die später in sein erstes bedeutendes Werk, die sinfonische Ode «Le Désert» (1844), einflossen. Mit seiner komischen Oper «La Perle du Brésil» (1851) hatte er auch auf dem Theater Erfolg. Doch um als Komponist wirklich etwaszu gelten, musste man sich damals auf dem Gebiet der Grand opéra hervortun. In «Herculanum» wird der historische Ausbruch des Vesuvs, der schon in Aubers «La Muette de Portici» (1828) eine wichtige dramaturgische Rolle gespielt hatte, mit einer christlichen Märtyrgeschichte verbunden. Das junge Paar Lilia und Hélios fällt römischer Dekadenz zum Opfer.

«Herculanum» muss in Hinblick auf die Bühneneffekte sogar die Opern Meyerbeers übertroffen haben, wie der gut informierte, kiritsche Zeitzeuge Hector Berlioz nach der begeistert aufgenommenen Premiere im März 1859 berichtet. Am Ende wird die Szene beim Ausbruch des Vulkans in Schutt und Ache begaben. Davids Musik hat die Wirkung dieses pyrotechnischen Meisterstücks zweifellos noch verstärkt. Doch ohne die optische Wirkung, als reine Hörkonserve, wirkt das Ganze nur wie hohles Getöse.

Mit der zweiaktigen Opéra comique «Lalla Roukh» (1862) fand David wieder einen rein lyrischen Tonfall mit exotischem Touch. Die literarische Quelle, aus der auch Robert Schumann in «Das Paradies und die Peri» schöpfen konnte, was der gleichnamige Zyklus erfundener orientalischer Märchen des irischen Dichters Thomas Moore, der schon 1817 erschienen war. Die Kaisertochter Lalla Roukh (persisch für: «Tulpenwange») soll mit dem König von Bukhara verheiratet werden, verliebt sich aber in den Straßensänger Nourredin, der—wie sich am Ende herausstellt—niemand anders als der verkleidete König ist.

Das Libretto ist ein hübscher fernöstlicher Bilderbogen ohne dramatische Handlung und scharf gezeichnete Charaktere. Die Musik versucht auch gar nicht gegenzusteuern. David pinselt die Bilder fantasievoll aus, reichert seine an Auber und Donizetti orientierte Tonsprache mit aparten exostichen Klangfarben an, vor allem in den Ballettmusiken. Den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen die Liebesduette. Interessant für den heutigen Hörer sind die Vorausklänge später entstandener Werke anderer Komponisten. Bizets Schmugglerquintett aus «Carmen» ist hier in einem Buffo-Duett vorgeprägt, und in einer Ballett-Nummer glaubt man schon «Aida» zu hören. Die Ersteinspielng bei Naxos geht auf eine Bühnenproduktion der Opera Lafayette zurück, wobei auf der CD die gesprochenen Dialoge fehlen. Der Dirigent Ryan Brown richtet sich in Davids Partitur behaglich ein, Orchester und der hier reichlich geforderte Chor leisten gute Arbeit, und die Stimmen der beiden Protagonisten, der Sopranistin Marianne Fiset und des Tenors Emiliano Gonzales Toro, schmeicheln dem Ohr. © 2015 Opernwelt (Germany)



Fono Forum, July 2014

Musik /
Klang /

Eine abenteuerliche Geschichte; Da tritt ein französischer Komponist, übrigens ein Altersgenosse von Richard Wagner, der Bewegung der Saint-Simonisten bein. Und als diese in Frankreich verboten werden, geht Félicien-César David—so heißt unser Komponist—als Missionar in orientalische Länder, vor allem nach Algerien und Ägypten. Als er 1835 nach Paris zurückkehrt, führt er als absolut neuen Import den orientalischen Exotismus in die europäische Musikgeschichte ein.

Seinen wichtigsten Beitrag zu dieser neuen stilistischen Mode lieferte David mit der Opéra-comique „Lalla Roukh“, damals ein Sensationserfolg (übert 100 Aufführungen in ersten Jahr), heute vergessen. Umso willkommener die vorliegende Weltersteinspielung: leichtgewichtige, sehr melodienreiche Musik; französische Romantik durschsetzt mit exotischen Harmonien und Rhythmen. Chor un Orchester der Opera Lafayette unter der Leitung ihres Gründers Ryan Brown servieren das mit Schwung und der nötigen Delikatesse, was vor allem den exquisiten Instrumentalsoli zugutekommt. Die Sängerbesetzung indes kommt über vokales Mittelmaß nicht hinaus, ja erreicht zuweilen nicht einmal dieses.

Das wiederum kanna man von Tassis Christoyannis nicht sagen, im Gegenteil: Der griechische Barton widmet sich mit wunderbar sonorer vokaler Lyrik, die von ferne an Gérard Souzay erinnert, einer Auswahl von Liedern Félicien Davids.

Die orientalisch-exotische Komponente fehlt auch hier nicht, aber noch auffallender ist die Nähe dieser Lieder zum melodischen Tonfall der deutschen Romantik Schuberts und Schumanns. Eine veritable Entdeckung. © 2014 Fono Forum





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