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Album Reviews



 
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Sonja Jüschke
www.klassik.com, August 2017

Belcanto in Hochform macht die Wiederentdeckung dieser venezianischen Oper zum außergewöhnlichen Hörgenuss für alle Opernfreunde, die auf der Suche nach musikalischem Neuland sind. © 2017 www.klassik.com



Sven Godenrath
Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath), April 2016

Die Nähe zu Mozart und Haydn ist unbestritten, insbesondere wenn man sich auf der 2. CD den Track 6 “ Cessa di piangere per un ingrato“, einmal genauer anhört. Zu Beginn erkennt man eindeutig eine Melodie, die wir aus der Mozart Oper Die Entführung aus dem Serail kennen, „Ich baue ganz auf deine Stärke“, wobei man bei dieser Saffo stellenweise noch eher eine Nähe zu Barockkomponisten heraushört. Franz Hauk, der hier auch das Cembalo ( Harpsichord ) spielt , verleiht dem Werk mit den Concerto de Bassus einen wunderbaren Klangteppich. Die beiden Tenöre besitzen einen sehr schlanken, lyrischen und stellenweise auch etwas farbarm klingenden Tenor. Die Höhe meistern beide perfekt; eine insgesamt betrachtet, großartige gesangliche Leistung. Die Stimmen der Damen Andrea Lauren Brown als Saffo, Jaewon Yun als Faone und Katharina Ruckgaber sind von der stimmlichen Ausrichtung her lyrische Soprane, die hier ebenfalls eine sehr gute Ensembleleistung vollbringen. Leider sind sich auch hier die Stimmen stellenweise so ähnlich, daß man schon sehr genau hinhören bzw. ins Booklet sehen muß, um zu wissen, wer gerade singt. Marie Sande Papenmeyer besitzt einen klangschönen Mezzo, wie man gleich zu Beginn in den Rezitativen hören kann. Ein beeindruckendes Werk; von allen Beteiligten überzeugend dargeboten. © 2016 Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath)



Klaus Gehrke
Deutschlandfunk, February 2016

In Italien, dem Land der Opera seria, als Ausländer einen Erfolg in diesem Bereich zu verbuchen, war schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine sehr schwierige Angelegenheit. Georg Friedrich Händel hatte es geschafft, Wolfgang Amadeus Mozart dagegen nicht. Vielleicht hatte auch Johann Simon Mayr, sieben Jahre jünger als Mozart, nicht allzu viel von der Premiere seiner Oper “Saffo” im Februar 1794 am Teatro La Fenice erhofft, in dessen Orchester er Geige spielte. Doch es kam anders—mit “Saffo” schaffte Mayr den internationalen Durchbruch als Komponist.

Von Ingolstadt nach Venedig

Mayr, 1763 im oberbayrischen Landkreis Eichstätt geboren, erhielt zwar früh eine musikalische Ausbildung in Ingolstadt, wo er auch als Organist tätig war, studierte dort jedoch Theologie, Philosophie und Jura. Erst ab 1789, nachdem Mayr als Mitglied der verbotenen Illuminaten-Bewegung vor der bayrischen Polizei nach Bergamo geflohen war, fiel seine Entscheidung zugunsten der Musik. Eigentlich wollte er Kirchenkomponist werden, aus diesem Grund studierte Mayr bei Ferdinando Bertoni, dem damals berühmten Kapellmeister des Markusdoms in Venedig. Allerdings knüpfte er rasch auch enge Kontakte zur Opernszene in der Lagunenstadt. Nachdem zwei Oratorien und zwei Kantaten wohlwollend aufgenommen worden waren, wandte Mayr sich erstmals dem Bereich der Oper zu: für die Karnevalssaison 1794 erhielt er den Auftrag zu einem neuen Werk für das Teatro La Fenice. Dafür griff Mayr auf eine Geschichte über die antike griechische Dichterin Saffo zurück. Diese steht zwischen ihrer einstigen Jugendliebe, dem Jäger Faone, und dem sie bewundernden Dichter Alceo. Alle drei kommen zum Tempel der Stadt Leukos, wo die Priesterin Phytia ein Orakel des Apollo verkünden soll. In der Auftrittsarie im ersten Akt schildert Saffo ihre Liebesqualen mit hoch virtuosen Koloraturen.

Sopran statt Sopranist

Faone hatte Saffo einst wegen Cirene verlassen, die er heirate. Nach deren Tod hofft Saffo, den Geliebten wieder zu gewinnen; doch der kann seine Frau nicht vergessen. Faones Zurückweisung empfindet die Dichterin wie ein Todesurteil. Die Besetzung des Faone mit einer hohen Stimme, in dieser Aufnahme gesungen von der Sopranistin Jaewon Yun, verweist auf die Zeit, in der Mayrs “Saffo” entstand: Die dramatische Opera seria gehörte im Italien des späten 18. Jahrhunderts noch ebenso zur festen Bühnentradition wie der Einsatz von Kastraten für Hauptpartien.

Auch Wolfgang Amadeus Mozart konzipierte 1791 in seiner Oper “La Clemenza di Tito” die Partie des Sesto für einen Sopranisten. Beide werden heute in der Regel als sogenannte ‘Hosenrollen’ mit Sängerinnen besetzt. Stilistisch verband Mayr die Musik Mozarts mit den italienischen Kantilenen, wie sie etwa Niccolo Piccini in seinen Werken einsetzte, und formte daraus einen eigenen Stil; dieser wurde später zu einem wichtigen Vorläufer des italienischen Belcanto. In seinem Opernerstling “Saffo” ist davon noch wenig zu spüren; das Finale des ersten Aktes etwa klingt vielmehr nach Mozart.

Einst gefeiert, heute vergessen

Die Premiere seiner Oper “Saffo” am 18. Februar 1794 im Teatro La Fenice wurde für Johann Simon Mayr ein großer Erfolg und bedeutete für ihn den eigentlichen Durchbruch als Komponist. Von da an konnte er sich vor Auftragswerken kaum noch retten: bis 1824 schrieb Giovanni Simone Mayr, wie er sich in Italien nannte, rund 60 Opern. Viele von ihnen wurden nicht nur in seiner Wahlheimat, sondern auch in ganz Europa höchst erfolgreich nachgespielt. Mit der neuen Belcanto-Komponistengeneration, zu der Gioacchino Rossini, Vincenzo Bellini und sein Schüler Gaetano Donizetti gehörten, begann Mayrs Ruhm zu verblassen.

1824 zog er sich von der Opernbühne zurück und schrieb nur noch geistliche Werke. Als der Komponist 1845 in Bergamo starb, waren die meisten seiner Opern bereits von den Spielplänen verschwunden. Erst im Vorfeld zum 250. Geburtstag Mayrs 2013 begannen Musikwissenschaftler und Interpreten sich wieder verstärkt mit dessen in Vergessenheit geratenem Werk zu beschäftigen—unter ihnen auch der Simon Mayr Chor mit seinem Gründer und Leiter Franz Hauk und das Ensemble Concerto de Bassus.

Franz Haugs Lesart der Partitur erfolgt nach den Gesichtspunkten der historisch informierten Aufführungspraxis, mit der sowohl die Solisten als auch Chor und Orchester bestens vertraut sind. Sowohl Andrea Lauren Brown, Jaewon Yun und Markus Schäfer als auch Marie-Sande Papenmeyer als Phytia, Katharina Ruckgaber als Laodamia und Daniel Preis als Euricleo singen mit hohem Artikulationsvermögen und technischem Können; das Gleiche gilt für den Simon Mayr Chor, der von Mitgliedern des bayrischen Staatsopernchores unterstützt wird.

Auch das Ensemble Concerto de Bassus, das mit seinem Namen an den Freund und Gönner des jungen Mayr Thomas de Bassus erinnert, begleitet mit einer sehr fein nuancierten und differenzierten Klangpalette; Liebesfreud und Leid der Protagonisten werden sensibel ausgeleuchtet. Ob Mayrs “Saffo”, die nach einigen dramatischen Zuspitzungen letztlich in die Arme ihrer Jugendliebe sinken kann, heute auf der Opernbühne noch bestehen könnte, darf bezweifelt werden; seine lange vergessene Musik mit dieser Aufnahme wieder erlebbar gemacht zu haben, ist dagegen ein unbestrittener Verdienst von Franz Hauk, Solisten, Chor und Orchester. © 2016 Deutschlandfunk



Volkmar Fischer
BR-Klassik, February 2016

Mendorf war 1763 sein Geburtsort, bei Kelheim, Niederbayern. Als Sohn eines Schulmeisters kam er zur Welt: der Mayr, Johann Simon. Als Giovanni Simone Mayr verfasste der Wahl-Italiener nicht weniger als 600 musikalische Werke geistlichen Inhalts—und über 60 Opern! Am venezianischen Teatro La Fenice kam zum Beispiel Mayrs “Saffo” heraus. Eine Verneigung vor der antiken Dichterin, die um 600 v. Chr. auf Lesbos lebte. Im Kult der Aphrodite und der Musen sammelte sie junge Mädchen um sich.

Belcanto-Fans fühlen sich an Donizetti erinnert: Das war der prominenteste Schüler Johann Simon Mayrs. Dessen Ausgangspunkt, und auch das hört man gleich, war die Wiener Klassik: “Saffo” klingt durchaus nach einem Geistesverwandten Mozarts. Was die Rezitative betrifft, die fantasievoll instrumentierten Accompagnati, hatte Mayr den Ehrgeiz, mit ungewöhnlichen Einzelheiten zu überraschen. Auch sogenannte Vielschreiber haben mitunter Ambitionen!

Vielversprechende junge Sänger

Der Kampf um Liebe steht ja eigentlich für jede Bühnenfigur obenan—fast wie im richtigen Leben! Das ist in Opern über Saffo nicht anders, wie frankophile Musikfreunde vielleicht aus der Version von Charles Gounod wissen. Der Fassung Johann Simon Mayrs nahmen sich in Neuburg junge Sänger an, deren Stimmmaterial aufhorchen lässt: Andrea Lauren Brown etwa, die zu den früheren Preisträgerinnen des ARD-Musikwettbewerbs gehört, nutzt die Titelpartie zur Demonstration bemerkenswerten Potenzials. Dirigent Franz Hauk koordiniert die Kollektive mit kenntnisreicher Sorgfalt: Das Ensemble Concerto de Bassus verdient genau so viel Respekt wie der Simon Mayr Chor, unterstützt vom Bayerischen Staatsopernchor. Für dessen ausgewählte Mitglieder hat er sich gelohnt damals: der Trip von der Isar an die Donau. Und für die Hörer allemal. © 2016 BR-Klassik





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