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Radio Bremen, September 2015

Er gehört zu den populärsten Opernkomponisten der Geschichte. Mit Kassenschlagern wie "Der Barbier von Sevilla" hat Gioacchino Rossini die Bühnen der Welt erobert, doch lässt sich sein umfangreiches Schaffen darauf nicht beschränken. Das label Naxos hat nun eine neue Gesamtaufnahme der "Diebischen Elster" auf den Markt gebracht - "La gazza ladra", wie das Werk im Original heißt. Und diese CD möchte ich Ihnen jetzt etwas genauer vorstellen:

CD-Tipp
CD 1, Track 001 ab Anfang, bei ca. 0’35 Text

Diese Klänge sind durchaus noch zu hören und waren einer der Renner in klassischen Wunschkonzerten. Die Ouvertüre zur „Diebischen Elster“ sprüht auch vor musikalischem Witz und Esprit, was auch in der vorliegenden Aufnahme mit den Virtuosi Brunensis zu hören ist. Der Rest der Geschichte ist jedoch längst zum Stiefkind auf unseren Bühnen geworden, was nicht ganz gerecht ist. Gut, es ist kein „Barbier“, und die Geschichte ist auch nicht gerade höchsten Ansprüchen angemessen. Andererseits: Wie viele alberne oder unlogische Libretti haben es mit ihren Opern zu erheblich mehr Ruhm geschafft? Und „La gazza ladra“ ist echter Rossini, mit schwungvoller Dynamik und schönen Kavatinen wie die der Ninetta, die später als diebische Elster verdächtigt und mit der Todesstrafe bedroht wird.

CD 1, Track 006 ab 0’34 bis 1’11 (jeweils Zäsuren)

Also diese Ninetta soll tatsächlich einen silbernen Löffel geklaut haben—im Sinne des Wortes. Sie war es nicht, wie sich am Ende herausstellt, aber aus diesem Vorwurf bezieht die Oper ihre Spannung. Und die Todesstrafe droht ihr deswegen, weil die Oper während des ersten Italien-Feldzugs von Napoleon spielt und dementsprechend in Piemont das Kriegsrecht herrscht.

Mit María José Moreno hat man eine ausgezeichnete Ninetta gewinnen können—die spanische Sopranistin ist eine Spezialistin für italienische Musik des 19. Jahrhunderts und kann dies auch hier auf überzeugende Weise unter Beweis stellen. Ninettas Vater Fernando wird von einem der bekanntesten Namen auf der Besetzungsliste gesungen: Bruno Prático singt schon seit einiger Zeit in der oberen Liga. Auch manche Entdeckung bietet das Ensemble, während man mit Alberto Zedda wiederum einen der großen Rossini-Dirigenten erleben kann. Und wie gut in Brünn gesungen und musiziert wird, stellen der Classic Kammerchor und die Virtuosi Brunensis eindrucksvoll unter Beweis.

CD 3, Track 014 ab ca. 2’00 bis 2:40 (Beifall blenden)

Der CD-Tipp über eine neue Gesamteinspielung von Gioacchino Rossinis Oper „La gazza ladra“—„Die diebische Elster“. Aus der bei Naxos erschienenen Aufnahme hören Sie jetzt noch das Finale des ersten Akts, mit der Verurteilung Ninettas, über die ihr Vater Fernando natürlich alles andere als glücklich ist. © 2015 Radio Bremen




Matthias Käther
kulturradio vom rbb, August 2015

Jedes Jahr Im Juli findet in Bad Wildbad, malerisch gelegen im Schwarzwald, Deutschlands wichtigstes Belcanto-Festival statt, Rossini und Zeitgenossen stehen dort seit 27 Jahren auf dem Programm. Und ebenso regelmäßig veröffentlicht das Label Naxos die interessantesten Aufführungen im Livemitschnitt. Jetzt ist Rossinis Diebische Elster erschienen, La gazza ladra.

Launig und bedrückend
Das ist ein zentrales Werk Rossinis, das meist falsche Assoziationen weckt. Das klingt nach einer recht launigen komischen Oper. Es handelt sich aber um einen sehr bedrückenden Polit-Thriller, der schon Züge der Tosca vorwegnimmt. Entstanden ist das Werk 1817 auf Grundlage eines französischen Stückes, in dem—angeblich beruht das auf wahren Tatsachen - ein Dienstmädchen verurteilt und gehängt wurde, weil es angeblich der Herrschaft Tafelsilber gestohlen hatte. Hinterher stellte sich heraus, dass eine Elster schuld war. Und um diese Geschichte rankt sich die Oper.

Das Besondere: Rossini entwickelt hier ein bürgerliches ernstes Musikdrama, in dem er Geist und Form der Buffa für seine Zwecke neu nutzt. All die beweglichen Arien und Ensembles, die wir aus dem Barbier von Sevilla kennen, werden hier in ein düsteres Licht getaucht. Außerdem erfindet Rossini Szenen, wie es sie in der italienischen Oper noch nie gegeben hat. So lässt er lässt sein Dienstmädchen Ninetta auf- und vor allem abtreten wie eine antike Königin, sie schreitet zum Galgen mit dem musikalischen Pathos einer Anna Bolena oder Maria Stuart—das hat die Zeitgenossen zutiefst beeindruckt. Donizettis Musiksprache hat hier ihre Wurzeln.

Ein Pionier der Rossini-Renaissance am Pult
Im Verhältnis zur Bedeutung der Oper ist die Ausbeute an Gesamtaufnahmen recht mager. Da ist jede neue Gazza ladra ein Ereignis, zumal es sich musikalisch um eine der besten Opern Rossinis handelt.

Und die Mitschnitte von Festival in Bad Wildbad sind ernst zu nehmen - denn hier achtet man sehr darauf, Rossini wirklich aufgrund der kritischen Ausgaben aufzuführen; dort ist eigentlich, ähnlich wie in Pesaro, immer der letzte Stand der Forschung präsent.

Zum andern steht in unserem Fall Alberto Zedda am Pult, einer der besten Rossini-Dirigenten überhaupt. ER hat das Werk in den 1970er Jahren schon einmal im Studio eingespielt, und er wollte sich vermutlich den Gefallen tun, vor seinem Tod eine seine Lieblingsopern mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen (und belcanto-geschulten Sängern!) einzuspielen. 2009, als die Aufführung mitgeschnitten wurde, war Zedda immerhin 81 Jahre alt.

Jetzt gibt’s zwei Zedda-Elstern: Die Qual der Wahl
Ich schäme mich fast es zu sagen, aber unterm Strich gefällt mir die Gesamtaufnahme von 1978 besser, obwohl damals der Rossini noch recht abenteuerlich gesungen wurde und aus heutiger Sicht gesangstechnisch nicht ganz astrein. Trotzdem ist die Gazza ladra keine fragile Oper mit so durchsichtigem Orchester wie bei Barbier oder Aschenbrödel. Hier in dieser Aufnahme bleibt das Ganze doch recht kammermusikalisch, die großen Ensemble-Szenen erscheinen mir immer um eine Nuance weniger wuchtig, als sie es sein sollten. Auch den Stimmen selbst geht zuweilen die Puste aus; trotz gesangstechnischer Brillanz sind Maria Jose Moreno als Dienstmädchen Ninetta und Kenneth Tarver als ihr Geliebter Gianetto doch zuweilen sehr angestrengt und überfordern mit ihren monumentalen Rollen. Insgesamt ist die Akustik seltsam blechern und klingt längst nicht so gut wie in andren Mitschnitten; vielleicht war das auch ein Grund, warum Naxos mit der Veröffentlichung so lange gezögert hat (der Mitschnitt stammt aus dem Jahr 2009).

Doch bleibt trotz dieser Abstriche noch jede Menge übrig, um sich zu freuen. So richtig wohl fühlen sich wieder mal die Urgesteine des Rossini-Gesangs, die Bässe Bruno Pratico und Lorenzo Regazzo, zu Recht gefeierte Stammgäste des Festivals, denen zuzuhören wirklich Spaß macht.

Auch Marianna Rewerski in der Hosenrolle Pippo kann sich hören lassen.

Insgesamt also eine Empfehlung—auch mit Blick auf den Preis—da ist diese 3-CD-Box von Naxos auch angesichts der Länge der Oper wieder mal unschlagbar. © 2015 Kulturradio



Rolf Fath
Opera Lounge, June 2015

Zum 20 jährigen Bestehen schenkte sich Rossini in Wildbad 2009 auch diese Diebische Elster und holte sich für die etwas prominenter aufpolierte und klanglich ausgezeichnete CD-Einspielung den zuvor schon mehrfach ins Schwarzwaldtal gekommenen Alberto Zedda. Altmeister Zedda, Geburtsjahr 1923, erzählt die harmlose Begebenheit mit der ihm eigenen liebevollen Eloquenz, dass die nach der von den Virtuosi Brunensis hinreichend prickelnd gespielten Sinfonia schablonenhafte Introduzione bereits zu einem Dorffest gerät. Elegant verflechten sich die Ensembles, die Solopassagen und Chornummern, dabei leicht und gewitzt, wie in einem Ballett von Bournonville, in dem Luisa Islam-Ali-Zade mit ihrem tiefdunkel runden, lebensprallen Mezzosopran als Mutter Lucia gleich zu Begin Akzente setzt. © 2015 Opera Lounge





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