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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, May 2016

28 Opern hat der irische Komponist Michael William Balfe (1808–1870) komponiert, aber er wirkte auch als Dirigent und Sänger. Richard Bonynge hat sich in seiner Karriere maßgeblich für Balfe eingesetzt, und legt nun die Ersteinspielung von ‘Satanella’ vor.

Diese romantische Oper könnte man auch, mit Blick auf den nur einen Katzensprung entfernt liegenden Offenbach, als eine Operette bezeichnen, Der Komponist hat sie mit seinen italienischen Belcanto-Erfahrungen angereichert und so eine originelle, ebenso dramatische wie flüssige Musik geschaffen.

Hauptfigur ist der spielsüchtige Graf Rupert, der im Spiel Hab und Gut verliert und hoch verschuldet ist: Mit Hilfe einer Teufelsbeschwörung versucht er Hilfe zu bekommen. Doch statt des Satans erscheint die lüsterne Dämonin Satanella, die sich in Rupert verliebt, der eigentlich Lelia, seine Halbschwester heiraten will. Doch Lelia wird von Piraten gekidnappt und auf einem orientalischen Markt als Sklavin verkauft. Am Ende wird sie wieder befreit, und die Dämonin ist so gerührt über die Liebe der beiden, dass sie sich in einen Engel verwandelt und im Himmel aufgenommen wird. Das ist des Glückes fast zuviel!

Richard Bonynge hat die Oper gekürzt und bearbeitet, er lässt die Dialoge weg und besorgt so fast zwei Stunden pures lyrisches Vergnügen.

Sally Silver singt die Titelpartie, und da die Dämonin vor allem eine liebende junge Frau ist, eignet sich der charmante, warme lyrische Sopran hervorragend für die Rolle. Die Nebenrollen sind weitgehend gut besetzt, und Chor sowie Orchester werden von Richard Bonynge mit genügend zupackender Energie geführt, dass die Spannung durchgehend erhalten bleibt. © 2016 Pizzicato



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2016

Man mixe, alles was von Mayr, Donizetti, Bellini und Verdi (erweitert um Offenbach und Millöcker) existiert, zur einem dicken Brei und destilliere aus dem Saft eine romantische Oper in englischer Sprache, ohne selbstverständlich auf eine gewisse nach Orangenöl-Schwefel duftende Note an Originalität und Skurrilität zu verzichten. Schließlich it‘s british, is‘nt it. Was dabei herauskommt, kann man aktuell durchaus mit diebischem Vergnügen, Mitschunkeln und schaurig höllischer Freude an einer Neuproduktion von NAXOS studieren.

Dieser Michael William Balfe war nicht nur ein „Fälscher“ von Gnaden, sondern auch ein toller Bariton, der mit keiner geringeren als Maria Malibran an der Mailänder Scala und an der Opéra in Paris auftrat. Geige spielen konnte dieser Tausendsassa auch. Daneben produzierte er fleißig romantisch lyrische Opern à la Lucia di Lammermoor. Sein Stil war so einfach zu imitieren, das manch ein Sänger auf die Idee verfiel, sich die eine oder andere Nummer selbst zusammenzubasteln…

Wie auch immer, Satanella, ein weiblicher Dämon, versetzte in der ersten Saison das Publikum von Covent Garden immerhin 57 Mal in Trance. Später wurde die Oper auch in New York, Sydney und Philadelphia gespielt. Die Popularität ging so weit, dass der Name Satanella zuweilen auch Showhunden, Pferden und Yachten verpasst worden ist. A propos: Die Wiener mochten Balfe auch. Vielleicht hat ja sogar ein Wiener Operettenkomponist das eine oder andere Aug auf Balfes Musik geworfen.

Die hier aufgenommene Version ohne Dialoge ist sinnvollerweise gekürzt und vom 85-jährigen Richard Bonynge auch sprachlich eingerichtet worden. Sie besteht aus Songs, Kavatinen, Balladen, Romanzen, einem Duett, einem Quartett, einem Sextett, Chören und vier Finali. Die Musik: Belcanto mal irisches Kolorit mal Operette mal gut platzierte Effekte. Die einzelnen Nummern gehen runter wie Öl und so manche ist sicher besser als das, was Arthur Sullivan so produziert hat.

Dank Richard Bonynge wurden in Zusammenarbeit mit der Victorian Opera Northwest in den letzten Jahren schon einige solcher schnuckelig sentimentaler Hits der britischen Opernbühne wiederbelebt, wie etwa “Lurline“ von William Vincent Wallace.

Die Geschichte rankt sich um einen spielsüchtigen Adeligen (Rupert), der alles verliert und noch mehr Gläubiger auf dem Hals hat. Da es noch keine Schuldnerberatungsstelle gab, versucht er, satanische Hilfe zu beschwören. Irgendwie hat aber Sigmund Freud zugeschlagen und statt des bösen düsteren Belzebubs taucht die sexy-verführerische Dämonin Satanella auf. Jetzt kommt ein Quentchen James Bond ins Spiel: Die Bösewichtin verliebt sich in diese Spielmaschine Rupert. Aber Pech: Der ist schon längst an seine Halbschwester Lelia versprochen. Die Intrigen und Handlungswirren, die folgen, können Sie sich selber ausdenken, nur so weit: Lelia wird u.a. von Piraten gekidnappt und auf einem orientalischen Markt als Sklavin verkauft…Am Ende wandelt sich die kleine „Satanin“ durch Liebe geläutert zu einem Engel und entschwebt auf einer Wolke zum Himmel, just in dem Moment, wo Lelia ihren Rupert heiratet. Ein Hammer! Dieser Plot ist absolut hollywoodtauglich.

Gesungen wird anständig und „cheerful“, in den beiden Hauptrollen reüssieren Sally Silver mit etwas steifer Koloratur und Kang Wang als Count Rupert mit sicherem, aber doch spröde klingendem Tenor. In weiteren Rollen gefallen Quentin Hayes als Hortensius, Anthony Gregory als Karl, Frank Church als Bracaccio, Anführer der Piraten, Christine Tocci als Stella, Catherine Carby als Lelia und Elizabeth Sikora als First Lady. Richard Bonynge leitet das Victoria Orchestra und dieJohn Powell Singers mit der ihm eigenen Eleganz und unersetzlichen Erfahrung.

Wer auf schräge englische Opern zwischen italienischem Belcanto sowie Anklängen an die Wiener und Pariser Operette mit einem Hauch Dublin drüber „steht“, der wird mit dieser Produktion voll auf seine Kosten kommen. Eine Empfehlung? Ja sicher! © 2016 Der Neue Merker




Matthias K├Ąther
kulturradio vom rbb, April 2016

Das Label Naxos bemüht sich seit einigen Jahren, die großen britischen Erfolgsschlager des 19. Jahrhunderts neu aufzunehmen. Jetzt brandneu erschienen: Satanella von Michael William Balfe (1808–70). Man könnte Balfe ohne große Übertreibung als wichtigsten britischen Opernkomponisten zwischen Purcell und Britten bezeichnen—aber dann wären die Iren sauer.

Balfe hat unendlich viel für die Londoner Opernszene getan, stammt aber aus Dublin, irischer geht’s kaum. Als er begann, englische Opern zu schreiben, hatte er schon eine abenteuerliche Karriere hinter sich: italienische Jahre als Violinist, Bariton und Komponist, mit der Malibran auf Tour, bei Rossini zum Tee.

Er schenkte Großbritannien einen eigenwilligen, aber süffigen Opernstil, der an Facettenreichtum weit über das hinausreicht, was Sullivan komponiert hat. Er verband nämlich seine italienischen Belcanto-Erfahrungen originell und bruchlos mit einem melancholischen irischen Hang zur verträumten Ballade.

Beides war für die Briten wie Fett und Zucker, sie liebten seine Musik, die vielleicht für unseren Geschmack heute zuweilen ein bisschen zu sentimental klingt, (Summchöre 50 Jahre vor Puccini!), aber das irische und britische Herz aufblühen ließ. Und vermutlich immer noch lässt.

Höhepunkt einer interessanten Edition bei Naxos

Seit einigen Jahren präsentiert Naxos in Kooperation mit der Victorian Opera Northwest alte Superhits der britischen Opernbühne. Viele davon waren auch mir völlig unbekannt. Zum Beispiel gibt's in der Reihe eine Robin-Hood-Oper von George MacFarren und eine "Loreley" von William Wallace.

Handelt es sich bei solchen Ausgrabungen eher um lokale Blüten, die—ähnlich wie manche spanische Zarzuela—ihren Reiz einbüßen, wenn sie über die Landesgrenze in fremde Gefilde und fremde Ohren gerät? Nicht unbedingt. Dass hier eine spannende internationale Tradition abgerissen ist, hat auch mit der zutiefst humorlosen post-wagnerianischen Epoche zu tun, in der sich unser heutiger Repertoirespielplan (leider!) herausgebildet hat.

Denn diese romantischen Opern der Briten waren nie ganz bierernst gemeint, hatten immer jede Menge komische Elemente und waren große Entertainment-Abenteuer, man könnte sagen: Musicals des 19. Jahrhunderts. Kaum denkbar, dass sich das ein Möchtegern-Sarastro anhören würde, der glaubt, Oper wäre nur für elitäre Ohren da und nur höheren Eingeweihten vorbehalten.

Nicht, dass man da in jedem Fall viel verpasst hätte. Hand aufs Herz—ich kann mir auch ein Leben ohne MacFarrens "Robin Hood" vorstellen. Aber ob ich nach dem Anhören von "Satanella" weiter auf Balfe verzichten möchte—ich weiß nicht recht. Der Mann ist wirklich gut!

Bezeichnenderweise war Balfe als der talentierteste dieser Londoner Komponistenriege immer populär in Wien, und wurde vermutlich sehr beäugt von späteren Operettenkomponisten wie Johann Strauß und Franz von Suppé.

Gerade in der "Satanella" hören wir viel Wiener Operette durch, so dass man durchaus sagen kann, Balfe war mit Offenbach zusammen ein Vater der Operette. Natürlich auch mit großem Einfluss auf seinen Landsmann Arthur Sullivan, den bekanntesten englischen Operettenkomponisten.

Schaueroper mal ganz anders

"Satanella" war einer der größten Erfolge Balfes—auch international, und ist deshalb sehr zu Recht hier in dieser spannenden Naxos-Reihe zu hören. Ein sehr inspiriertes, wirklich schönes Werk zum Mitsummen und Fußwippen aus den 1850er Jahren, das sich hinter keiner Suppé-Operette verstecken muss, und vielleicht auch eins der pfiffigsten, was das Libretto angeht.

Die Handlung hat durchaus Ähnlichkeit mit heutigen Hollywood-Blockbustern. Rupert, ein spielsüchtiger Adliger, versucht in seiner Verzweiflung, den Teufel zu beschwören, um seine Schulden loswerden zu können, aber irgendetwas läuft schief. Statt des Höllenfürsten erscheint eine süße Dämonin Satanella, die eine Menge Schaden anrichtet, weil sie sich in Rupert verliebt, der seinerseits aber längst vergeben ist und Lelia heiraten will-

Diese Konstellation plus einer Menge eifersüchtiger Männer und Frauen lassen den Helden viele Abenteuer erleben. So wird etwa seine Lelia von Piraten entführt und auf einem orientalischen Markt als Sklavin verkauft, ein Markt übrigens, der verdächtige Ähnlichkeit mit dem aus Flotows Martha hat—zumindest musikalisch.

Fast perfekte Umsetzung—doch ohne Dialoge!

Den Dirigenten Richard Bonynge muss man einem Opernpublikum kaum noch vorstellen. Dies ist quasi schon der 3. musikalische Frühling von Richard Bonynge.

Nach dem Rückzug seiner Frau aus der Opernwelt hat er sich vor allem dem französischen Repertoire und der Operette gewidmet—und nun als 85-Jähriger kümmert er sich anscheinend vorrangig um britische Opern. Und das macht er wie eh und je ganz hervorragend. Altersschwäche kann man da nicht feststellen. Typisch für ihn ist nach wie vor die Fähigkeit, auch Unsolides elegant klingen zu lassen.

Wenn er hier auch keine Sutherland an seiner Seite hat, so überstrahlt Sally Silver in der Titelpartie doch alle anderen Sänger, ein wunderbarer lyrischer Sopran mit enormer Leuchtkraft und ohne jede Herbheit.

Den Tenor Kang Wang als Rupert finde ich persönlich ein wenig grau, ein wenig mehr Noblesse beim Vorsingen der Balladen hätte dem Werk gutgetan—aber insgesamt ist dies hier eine wirklich beglückend umgesetzte Entdeckung. Mit einer Einschränkung—wir hören nur die Nummern, nicht die Dialoge, was den Reiz des Werkes etwas mindert.

Man muss es ja nicht ausufern lassen, knappe einminütige Überleitungen hätten gereicht. Aber so ganz ohne verbindende Handlungselemente geht eben doch viel von der Story und damit auch vom bizarren Zauber dieses alten Opernhits verloren. © 2016 Kulturradio



Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath), March 2016

Die Musik erinnert mich an einen Mix aus Offenbach, Sullivan und der Fledermaus und ist dennoch als anspruchsvolles vom Charakter her eher arienlastig als durchkomponiertes abendfüllendes Werk. Hin und wieder finden sich musikalische Zitate die an Verdi, an Wagners fliegenden Holländer oder aber an Marschner Vampire erinnern, ins besondere zum Ende des zweiten Aktes häufen sich die musikalischen Zitate. Die Musik unter der Leitung von Richard Bonynge mit dem Victorian Opera Orchestra zieht einen sofort in seinen Bann. Obwohl die Stimme des Tenors Kang Wang, den wir hier als Count Rupert hören erst in Australien und später in Manchester ausgebildet wurde um schließlich von Lynn Dawson den letzten schliff zu bekommen, klingt doch eher amerikanisch geschult und erinnert ganz entfernt an Matteuzzi, Blake und Merritt. Die in Süd Afrika ausgebildete Sopranistin Sally Silver, welche hier die Titelpartie singt verfügt über einen warmen Sopranklang, wobei ihr selbst Noten die über das dreigestrichene C hinausreichen keinerlei Probleme zu bereiten scheinen (Ah me, how wretched). Ebenfalls bemerkenswert der zweite Sopran, Leila, hier besetzt mit der wunderbaren Catherine Carby, deren Stimme, was die Stimmqualität anbelangt, derer von Sally Silver in nichts nachsteht. Wunderbar der Spielbariton, hier gibt Frank Church in der Rolle des Piratenkapitäns im Trinklied sein Bestes. Beeindruckend Quentin Hayes als Hortensius, Anthony Gregory als Karl und Christine Tocci als Stella. Sollten sie zum Beispiel nach einem anstrengenden Tag gestresst und abgespannt nach Hause kommen, legen sie einfach diese CD ein und ihre Stimmung wird sich innerhalb weniger Minuten bessern. © 2016 Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath)



Opera Lounge, March 2016

Raymond Walker, der unermüdliche Chef der Victorian Opera Northwest in Manchester, ist Liebhabern der englischsprachigen Oper nicht unbekannt. Ist er doch für die Neu-Aufnahmen mancher britischer Titel verantwortlich: Balfes The Maid of Artois (auf Cameo), Wallace´s Lurline (Naxos), MacFarrens Robin Hood (Naxos)—letztere beide enthusiastisch von Kurt Gänzl in operalounge.de besprochen. Und andere Projekte mehr—so wie jetzt Balfes Satanella, von der es bislang nur eine ziemlich gewöhnungsbedürftige und kaum zu hörende alte BBC-Aufnahme von 1977 gibt (Michael Thomas Records/Brian Galloway/Balfe Society London), der sich aber nun Richard Bonynge auf der neuen Aufnahme bei Naxos (8.660378-79) angenommen hat.

Die Aufnahme selbst hat viele Meriten, vor allem gegenüber dem alten Live-Mitschnit unter Brian Holloway bei Michael Thomas (und der auf der CD der Balfe-Society sooo schlecht nun auch nicht wieder klingt). Aber letztere besitzt einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie hat Dialoge. Wieder einmal legt Richard Bonynge eine Balfe-Einspielung ohne die für dieses Operngenre typischen, unbedingt nötigen Sprechtexte vor. Das hat er bereits mit der eher mittelmäßig-langweiligen Aufnahme des Bohemian Girl bei Decca gemacht. Und so sehr ich um die finanziellen Engpässe und Funding-Probleme einer solchen, mit Liebe und privater Energie, erstellten Einspielung weiß (und die versammelten Anstrengungen außerordentlich würdige und unterstütze), so sehr ärgere ich mich über diese Ausgabe. Das ist wie Fidelio, Zauberflöte, Fra Diavolo oder Oberon ohne Dialoge. Das ist wie alte Opern-Querschnitte der Fünfziger. Das nützt dem Werk gar nicht. Man hat letzten Endes dann nur eine musikalische Revue vor sich. Raymond Walker beeilt sich auf meinen Protest hin auf die Vollständigkeit der musikalischen Nummern hinzuweisen und dass sich durchaus auch ausgiebige Rezitative in manchen Nummern fänden (für deren Italianità ja Balfe berühmt war). Und sicher: Es gibt das Libretto als Download bei Naxos und gegen einen Aufpreis von 2 Pfund auch de Luxe bei der Victorian Opera Northwest zu kaufen. Aber das ist ja nicht dasselbe. Man hört´s ja nicht und verliert beim suchenden Mitlesen auch den Faden und das Interesse. Ich hatte gehofft, die Zeiten von reinen Musiknummern seien vorbei, weil man so eben keine Handlungs-Oper hört, sondern einen bunten Abend.

Wie auch immer—wie Freund Kevin Clarke von ORCA gerne sagt: Ist wie ist. Denn der Rest ist wirklich mehr als ordentlich, Bonynge und das sehr klangvolle Orchester allemal, die Solisten ebenfalls (der Tenor “meckert” ein wenig, der Sopran dagegen ist superb). Sie machen alle einen guten Job. Und Balfe macht Spaß! Alles in allem ist dies ein gelungenes Werk der Liebe—auch ohne Dialoge. Aber damit eben auch etwas unbestimmt als Genre. Ist wie ist. © 2016 Opera Lounge





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