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Album Reviews



 
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Richard Lorber
STEREO, November 2016

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Manuel Ribeiro
Pizzicato, September 2016

Nach der Uraufführung der Oper ‘Il viaggio a Reims’ am 19. Juni 1825 glaubte Rossini selbst nicht daran, dass sein « kleines Gelegenheitswerk“, wie er es nannte, Zukunftsperspektiven haben könnte. Er bezeichnete es als ‘Cantata’, was für ihn ein nicht repertoirefähiges Werk bedeutete. Also ist es auch nicht verwunderlich, dass er weite Teile daraus drei Jahre später in seinem ‘Le Comte d’Ory’ wieder aufleben ließ, eine Oper die einen dauerhaften Erfolg kannte.

Rossini komponierte seine letzte italienischsprachige Oper zur Krönung des französischen Königs Karl X., nicht ohne viel Sarkasmus und Witz zu integrieren. Musikalisch gesehen sind etliche Arien und große Ensembleszenen, u.a. der 14-stimmige Schluss des 2. Aktes hörenswert.

Naxos schreibt in seinem Booklet über diese Aufnahme des 26. Rossini Festivals in Wildbad: « ‘Il viaggio a Reims’ – diese Oper ist ein Fest“. Nach dem Abhören dieser Aufnahme kann man nur zustimmen. Die Atmosphäre der Interpretation ist sofort in den ersten Takten gegeben: Brillant, energisch und packend.

Die Solisten haben keine bekannten Namen, sie funktionieren jedoch als Team perfekt. Homogenität, Raffinement und hohe musikalische Kompetenz sind die Devisen der Sänger. Hervorzuheben sind Sophia Mchedlishvili, von der Akademie der Scala, als frivole Comtessa de Folleville, die mit einer runden, vollen und kohärenten Stimme eine perfekte Wahl ist. Der Tenor Bogdan Mihai triumphiert in der Rolle eines elegant singenden Belfiore mir einer sanften Stimme und flexibler Vokallinie. Auch der andere junge Tenor, Maxim Mironov, überzeugt als Conte di Liebenskopf.

Nachdem Naxos schon Rossinis ‘Guillaume Tell’ integral herausgab, kann man hiermit die erste komplette Aufnahme von ‘Il Viaggio a Reims’ ebenfalls nur loben. Claudio Abbado hatte seinerzeit mit einer teils gekürzten und modifizierten Version Aufsehen erregt. Jedoch braucht dieser Live-Mitschnitt aus Wildbad mit relativ unbekannten Namen sich Abbados Einspielung gegenüber überhaupt nicht zu schämen. Ganz im Gegenteil: Der Dirigent Antonino Fogliani hatte hier eine glückliche Hand, und das ganze Team von Solisten, Chor und Orchester garantiert in voller Symbiose einen echt guten Opernabend. © 2016 Pizzicato



Matthias Käther
Opera Lounge, July 2016

Kaum ein Komponist würde es wagen, einem frischgebackenen König eine komische Oper als musikalische Weihe vorzusetzen. Gioacchino Rossini hat sich getraut. Jetzt ist sein Viaggio á Reims als Neueinspielung bei Naxos erschienen—ein Mitschnitt vom Rossini-Festival in Bad Wildbad von 2014.

Die Auftragsarbeit zur Krönung des neuen französischen Königs Karl X. 1825 war für Rossini eine der wichtigsten Arbeiten seiner Karriere. Rossini wollte sich endgültig in Paris etablieren, wollte die Anerkennung der höchsten Kreise dort. Dieser Viaggio á Reims ist ein Wendepunkt in seiner Karriere—die allerletzte italienische Oper aus seiner Feder und gleichzeitig die erste für Frankreich.

Es ist vermutlich die witzigste Krönungsoper überhaupt. Und wieder mal typisch Rossini—absolut absurdes Musiktheater. Die Reise nach Reims findet nämlich nie statt. Reims war die traditionelle Krönungsstadt der Franzosen, da soll Karl X. denn auch gekrönt werden. Die Oper spielt irgendwo in Frankreich in einem Provinzhotel, wo eine internationale Belegschaft aus Russen, Polen, Italienern, Deutschen und Schweizern (heute würden wir sagen Event-Touristen) auf die Weiterreise nach Reims wartet. Aber es stellt sich heraus, dass alle Kutschen und Pferde vermietet sind; man ist steckengeblieben, und so arrangiert die Gesellschaft im Hotel eine eigene kleine Feier. Das ist textlich wirklich geschickt gemacht und erlaubt die üblichen kleinen Liebesintrigen, Späße und Flirtereien, die man von einer Buffa erwartet. Trotzdem kann der Komponist auf den Krönungsanlass eingehen.

Bad Wildbad contra Pesaro: In Rossinis heiterem opus magnum treibt er einfach alles, was er bisher gelernt hat, auf die Spitze, es ist eine Oper der Superlative: Harmonik, Instrumentierung, Stimmsatz der Ensembles, Virtuosität der Auszierungen, melodische Einfälle: alles erreicht hier einen qualitativen und zuweilen auch quantitativen Gipfelpunkt. Man braucht zum Beispiel das doppelte Personal wie für eine normale komische Oper, nämlich 14 exzellente Solo-Stimmen. Das macht es schwer, dieses Werk adäquat zu besetzen.

Tatsächlich hat es bis zur Jahrtausendwende kaum ein Dirigent außer Abbado gewagt, das Monstrum aufzuführen. Abbado hatte die perfekten Kontakte zu den weltbesten Rossini-Sängern. Das hat sich seit einigen Jahren geändert. Inzwischen ist das Werk keine Edel-Rarität mehr, sondern gehört zur Reihe der wirklich beliebten Rossini-Opern, zumal für junge Sänger. Beim Rossini-Festival in Pesaro ist der Viaggio nun schon seit längerer Zeit jedes Jahr zu sehen, immer mit jungen Nachwuchskünstlern. Und da war es wohl an der Zeit, dass das andre “kleine” jährliche Rossini-Festival in Bad Wildbad 2014 endlich mit einer eignen Produktion nachzog.

Fast perfekte Sängerriege: Belcanto-Freunde wissen: der kleine Pesaro-Bruder in Deutschland ist der italienischen Konkurrenz mittlerweile gut gewachsen. Das beweist diese Einspielung einmal mehr. Es gibt eine erstrangige Pesaro-würdige Männer-Garde. Maxim Mironov und Bogdan Milhai sind die beiden virtuosen Tenöre mit atemberaubenden Spitzentönen, die Bass-Riege wird markant und brillant ausgefüllt u.a. von Belcanto-Ikonen wie Bruno de Simone und Bruno Praticò.

Und fast alle Damen sind ausgezeichnet, besonders Sofia Mchedlishvilli, die die haarsträubend schwierige Partie der Contessa wirklich rockt! Die einzige Sängerin, die mir im Ensemble etwas abzufallen scheint wegen ihres etwas scharfen Timbres ist die Corinna - Laura Giordano. Aber das sind insgesamt dreizehneinhalb von vierzehn Punkten! Da kann man bei solch einem schwierigen Werk wirklich mehr als zufrieden sein. Und Antonino Fogliani, inzwischen gestandener Wildbad-Dirigent, zeigt hier einmal mehr, dass er Rossinis musikalische Pointen witzig und intelligent zu setzen weiß (Mit Laura Giordano, Marianna Pizzolato, Sofia Mchedlishvili, Alessandra Marianelli, Bogdan Mihai, Maxim Mironow, Bruno de Simone, Camerata Bach Choir, Virtuosi Brunensis. © 2016 Opera Lounge



Matthias Käther
kulturradio vom rbb, July 2016

Die Auftragsarbeit zur Krönung des neuen französischen Königs Karl X. 1825 war für Rossini eine der wichtigsten Arbeiten seiner Karriere. Rossini wollte sich endgültig in Paris etablieren, wollte die Anerkennung der höchsten Kreise dort. Diese “Reise noch Reims” ist ein Wendepunkt in seiner Karriere—die allerletzte italienische Oper aus seiner Feder und gleichzeitig die erste für Frankreich.

Es ist vermutlich die witzigste Krönungsoper überhaupt. Und wieder mal typisch Rossini—absolut absurdes Musiktheater. Die Reise nach Reims findet nämlich nie statt. Reims war die traditionelle Krönungsstadt der Franzosen, da soll Karl X. denn auch gekrönt werden. Die Oper spielt irgendwo in Frankreich in einem Provinzhotel, wo eine internationale Belegschaft aus Russen, Polen, Italienern, Deutschen und Schweizern (heute würden wir sagen Event-Touristen) auf die Weiterreise nach Reims wartet. Aber es stellt sich heraus, dass alle Kutschen und Pferde vermietet sind; man ist steckengeblieben, und so arrangiert die Gesellschaft im Hotel eine eigene kleine Feier. Das ist textlich wirklich geschickt gemacht und erlaubt die üblichen kleinen Liebesintrigen, Späße und Flirtereien, die man von einer Buffa erwartet. Trotzdem kann der Komponist auf den Krönungsanlass eingehen.

Bad Wildbad contra Pesaro

In Rossinis komischem opus magnum treibt er einfach alles, was er bisher gelernt hat, auf die Spitze, es ist eine Oper der Superlative: Harmonik, Instrumentierung, Stimmsatz der Ensembles, Virtuosität der Auszierungen, melodische Einfälle: alles erreicht hier einen qualitativen und zuweilen auch quantitativen Gipfelpunkt. Man braucht zum Beispiel das doppelte Personal wie für eine normale komische Oper, nämlich 14 exzellente Solo-Stimmen. Das macht es schwer, dieses Werk adäquat zu besetzen.

Tatsächlich hat es bis zur Jahrtausendwende kaum ein Dirigent außer Abbado gewagt, das Monstrum aufzuführen. Abbado hatte die perfekten Kontakte zu den weltbesten Rossini-Sängern. Das hat sich seit einigen Jahren geändert. Inzwischen ist das Werk keine Edel-Rarität mehr, sondern gehört zur Reihe der wirklich beliebten Rossini-Opern. Beim Rossini-Festival in Pesaro ist der “Viaggio” nun schon seit längerer Zeit jedes Jahr zu sehen, immer mit jungen Nachwuchskünstlern. Und da war es wohl an der Zeit, dass das andre “kleine” jährliche Rossini-Festival in Bad Wildbad 2014 endlich mit einer eignen Produktion nachzog.

Fast perfekte Sängerriege

Belcanto-Freunde wissen: der kleine Pesaro-Bruder in Deutschland ist der italienischen Konkurrenz mittlerweile fast über den Kopf gewachsen. Das beweist diese Einspielung einmal mehr. Es gibt eine erstrangige Pesaro-würdige Männer-Garde. Maxim Mironov und Bogdan Milhai sind die beiden virtuosen Tenöre mit atemberaubenden Spitzentönen, die Bass-Riege wird markant und brillant ausgefüllt u.a. von Belcanto-Ikonen wie Bruno de Simone und Bruno Pratico.

Und fast alle Damen sind ausgezeichnet, besonders Sofia Mchedlishvilli, die die haarsträubend schwierige Partie der Contessa wirklich rockt! Die einzige Sängerin, die mir im Ensemble etwas abzufallen scheint wegen ihres etwas scharfen Timbres ist die Corinna—Laura Giordano. Aber das sind insgesamt dreizehneinhalb von vierzehn Punkten! Da kann man bei solch einem schwierigen Werk wirklich mehr als zufrieden sein. Und Antonino Fogliani, inzwischen gestandener Wildbad-Dirigent, zeigt hier einmal mehr, dass er Rossinis musikalische Pointen witzig und intelligent zu setzen weiß. © 2016 kulturradio vom rbb



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, June 2016

Wer noch die glänzende Premiere in Wien 1988 unter dem Dirigenten Claudio Abbado u.a. mit Caballé, Gasdia, Ramey, Merritt, Furlanetto, Raimondi, Dara, Cuberli, vielleicht die eindringlichste Produktion der Ära Drese überhaupt, erlebt hat, weiß, um was für eine grandiose Oper es sich bei dieser fast surrealen Belcanto-Reise nach Reims handelt. Geschrieben aus Anlass der Krönung des frz. Bourbonen-Königs Karl X. für ein frz. Publikum, gibt es unglaublich, aber wahr, zehn anspruchsvolle Hauptrollen (und weitere 8 Nebenrollen): drei Soprane, eine Altistin, zwei Tenöre und vier Baritone und Bässe. Lange galt das später zu Le comte Ory umgearbeitete Werk als verschollen.

Philip Gossett gelang es in den 70-er Jahren, die Oper zu rekonstruieren und wurde diese schließlich beim Rossini Opera Festival Pesaro 1984 unter dem Dirigat von Claudio Abbado in der Inszenierung Luca Ronconis erstmals wieder aufgeführt. Die Oper kann auch als Parodie des dekadenten, pseudo-heroischen Romans Corinne ou l’Italie (1807) der Madame de Staël gesehen werden. Anm.: Auch zu den Krönungsfeierlichkeiten Fürst Alberts II. von Monaco 2007 wurde die Oper aufgeführt

Wegen seines köstlich schrägen Humors und der teils romantisch eingängigen, teils virtuos persiflierenden Arien und der genial rasanten Ensembleszenen steht das Werk nun regelmäßig auf den Spielplänen renommierter Häuser. Auch das Königliche Kurtheater in Bad Wildbad hat sich gemeinsam mit dem SWR im Jahr 2014 um die weitere musikalische Belebung verdient gemacht. Für die 26. Rossini-Festspiele hat Dirigent Antonino Fogliani die komplette Oper ohne Striche (d.h. mit Balletten und Chor) mit den Virtuosi Brunensis und dem Camerata Bach Chor Poznan erarbeitet. Erfolgreich, wie man jetzt auf CD nachhören kann. Schon deswegen, weil ihm ein gut gecastetes Ensemble zwar ohne Stars, das aber der Musik und ihren irren Anforderungen bestens gerecht wird, zur Verfügung stand. Am Ende zählt bei dieser Oper die knisternde Atmosphäre der im Hotel zur goldenen Lilie gestrandeten Exzentriker und Bonvivants aus verschiedenen europäischen Nationen und die revuehaft teuflische Lust an amoroser Karikatur, Ironie und Widersprüchlichkeiten. Rossini lässt in seiner Partitur aber auch keine Gelegenheit ungenutzt, um all die charakterlichen Spezifika der Protagonisten in passende Laute zu gießen und dabei auch den genius loci französischer, russischer, spanischer oder Tiroler Musikklischees ungeniert auf die Spitze zu treiben. Diese Musik voller hintersinnigem Humor und knallender Effekte kann wie Champagner klingen, wenn ein einzigartiges Dirigentengenie wie Claudio Abbado am Pult steht. Ein solches Maß an Raffinesse darf man hier natürlich nicht erwarten. Es ist aber auch wahrlich kein negatives Urteil, wenn man sagt, die Aufführung in Bad Wildbad schmeckt nach perlendem, gut gekühltem Winzersekt. Alle Jubeljahre davon gekostet, ist auch ein Traum. Was die Besetzung etwa der Madama Cortese mitAlessandra Marianelli anlangt, so ist sie sogar rein stimmlich den drei Varianten in den überlieferten Abbado Vorstellungen aus Pesaro, Wien und Berlin überlegen. Auch Sofia Mchedlishvili macht als Modetussi Contessa di Folleville beste Figur, das berühmte Koloraturfeuerwerk in ihrer großen Arie schleudert sie mit großer Leichtigkeit in den Äther. Laura Giordano in der Rolle der harfenumwobenen Dichterin Corinna kann mit einem samtig lyrischen Timbre aufwarten. Marianna Pizzolato als herrisch auftrumpfende polnische Witwe eines italienischen Generals Marchesa Melibea kann zwar nicht mit Lucia Valentini Terrani mithalten, aber dennoch gut die „monokelhafte“ Empörung mit gut geführtem Mezzo witzig transportieren. Auch die Sänger der männlichen Hauptpartien machen einen guten Job. Und wieder einmal zeigt sich, von einer Tenorkrise kann keine Rede sein, eher mangelt es heute an den satten tiefen Stimmen. Der „Höhentiger“ Maxim Mironov als extrem eifersüchtiger russischer Graf Libenskof (verliebt in die Marchesa Melibea) und der geschmeidigereBogdan Mihai als AmateurmalerCavalier Belfiore, der hinter der Contessa di Folleville her. Ist, sind dafür exemplarisch. In dem verrückten Liebesreigen wiederum stellt Mirco Palazzi Corinna (Laura Giordani) mit gut fokussiertem Bass als „geheim“ verliebter Lord Sidney nach. Als deren Freund Don Profondo darf mit etwas brüchigerer Stimme und nicht immer ganz im Takt Bruno de Simone die vielleicht skurrilste Nummer der ganzen Oper („Medaglie incomparabile) anstimmen und am Schluss gemeinsam mit Madame Cortese noch jodeln. Das deutsche Element in diesem babylonischen Sprachengewirr verkörpert Bruno Praticò in der Rolle des musikbesessenen Majors Baron Trombonok. Gezim Myshketas spanischer Admiral Don Alvaro lässt männlich gockelnde Stamina nicht zu kurz kommen, Baurzhan Anderzhanov steht als Spa-Arzt Don Prudenzio zwar auf verlorenem Kurposten, darf dies stimmlich als Ausgleich aber umso mächtiger verkünden.

In kleineren Rollen reüssieren Artavazd Sargsyan als Zefirono, Carlos Cardoso als Cousin der Conztessa di Folleville Don Luigino, Yasushi Watanabe als Gelsomino sowie Luca Somoza Osterc als maitre d’hotel Antonio.

Trotz nur mäßiger Tonqualität ein saftiger „Gpsass“ für Belcanto-Freunde mit viel Jubel am Ende der Aufführung. © 2016 Der Neue Merker





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