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Album Reviews



 
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Dominik Lepuschitz
European News Agency, June 2016

In einem Antiquariat in London fällt Haider 2002 eine Partitur von Wolf-Ferraris opera buffa “Il segreto di Susanna” in die Hände, die ihn wie ein Blitzschlag berührt. Unverzüglich macht er sich an die Arbeit und führt das Werk ein Jahr später in München mit Renato Bruson auf. Haider stellt die Renaissance des deutsch-italienischen Komponisten ins Zentrum seines künstlerischen Schaffens, ein Engagement, das nach wie vor unvermindert anhält. Neuester Höhepunkt ist die allererste, jemals produzierte Gesamtaufnahme von Wolf-Ferraris Verismo-Oper „I gioielli della Madonna“, die auf der unter Haiders Leitung entstandenen Inszenierung von Manfred Schweigkofler am Slowakischen Nationaltheater Preßburg 2015 basiert.

Groß besetzt—es gibt immerhin 27 benannte Partien, und im Orchester finden sich unter anderem Mandolinen—erzählt die „Oper aus dem neapolitanischen Volksleben“ eigentlich eine wüste Geschichte um Erotik und Leidenschaft, die im Raub der titelgebenden „Juwelen der Madonna“ gipfelt, womit sich der Schmied Gennaro die schöne Maliella, Pflegetochter seiner Mutter, zu Willen macht. In Neapel darf die Camorra freilich nicht fehlen, und es ist deren Anführer Rafaele, dem Maliella verfallen ist. Tatsächlich verachtet sie Gennaro, der ihr seine Liebe gesteht und treibt ihn so zur Freveltat, die auch Rafaele schon geplant hatte.

Während die Banditen unter dem Bild der Madonna eine Orgie feiern, stürzt Maliella herein und erzählt, was geschehen ist, worauf Rafaele sie zurückweist. Gennaro kommt, um sie zu retten, doch sie wirft ihm den geraubten Schmuck vor die Füße und stürzt sich ins Meer. Voll Reue bringt Gennaro den Schmuck zurück, bittet die Madonna um Vergebung und begeht anschließend Selbstmord.

Wie gesagt—eine wüste Geschichte, die Wolf-Ferrari in genialer Weise in Musik gesetzt hat. Hier finden Sänger die Gelegenheit, Leidenschaft und Temperament einmal so richtig auszuleben. Sängerischer Höhepunkt ist zweifellos Natalia Ushakova, die als Maliella alle Dramatik, Verlockung und Verführung durch ihren fülligen, wohlgerundeten Sopran fließen läßt, die Gennaro wie Rafaele den Verstand raubt. Kyungho Kim, junger Tenor aus Korea, ist versiert im italienischen Fach und bringt die ganze Achterbahn der Gefühle zum Ausdruck, der Maliella ihn aussetzt.

Der slowakische Bariton Daniel Čapkovič verleiht dem kriminellen Glücksritter Rafaele mit dunklem Timbre eine subtile Bedrohlichkeit, während Susanne Bernhard als Gennaros Mutter Carmela mit zurückhaltendem, in sich gekehrten Ton immer die Liebe zu ihrem Sohn und die Sorge um die unausweichliche Katastrophe anklingen läßt. Das Slowakische Radio Sinfonie Orchester ist ein kraftvoller, kompakter Begleiter, der den Sängern ein sicheres Fundament bietet und gleichzeitig dabei hilft, dem Gesang volle Geltung zu verschaffen.

Musikalisch geht Wolf-Ferrari eigene Wege. Seine Verwurzelung in der italienischen Spätromantik steht außer Frage, dementsprechend frei ist er in seiner Tonalität, die er aber nie verläßt. Am nächsten stehen ihm vielleicht noch Mascagni oder Leoncavallo. Das Leitmotiv ist hier die Tarantella, die in sich in verschiedenen Ausformungen durch das ganze Werk zieht—Leitmotiv einmal rhytmisch-formal anstatt melodisch. Ansonsten drückt er sich recht kurz aus, die ganze Oper mit ihren drei Akten dauert gerade einmal zwei Stunden.

Friedrich Haider hat ein umfassendes, durchweg überzeugendes Konzept erarbeitet und in vollem Umfang umgesetzt. Das musikalische Niveau steht den ganz Großen um nichts nach, Haider stehen erstklassige Musiker zur Verfügung, was auch auf die generell gestiegene Qualität der musikalischen Ausbildung zurückzuführen ist. Für seine Bemühungen um die Wertschätzung für Ermanno Wolf-Ferrari und sein Werk gebührt Friedrich Haider großer Dank und die besten Wünsche für einen prolongierten Erfolg. © 2016 European News Agency



D. Zweipfennig
Online Merker, June 2016

Ermanno Wolf-Ferrari konnte sich zum beginnenden 20. Jh. Jederzeit mit Puccini messen, wenn es um den Erfolg seiner Opern ging. I gioielli della Madonna (Der Schmuck der Madonna) war 1911 eine veritable Publikumssensation, inklusive anschließender Welttournee. Kurioserweise erlebte die Oper nach ihrem Welterfolg bis heute nur noch eine Handvoll Aufführungen. Deshalb ist der nun vorliegende Live-Mitschnitt eine begehrte Rarität für alle Liebhaber des Verismo-Stils, auch wenn dieser hier mal von einem deutschen Komponisten stammt, der seinen Namen aber durchaus mit Bedacht „italianisierte“. © 2016 Der Neue Merker




Remy Franck
Pizzicato, May 2016

Kaum eine andere quasi vergessene Oper ist in den letzten Jahren so oft in Europa und in den USA aufgeführt worden als Ermanno Wolf-Ferraris ‘I Gioielli della Madonna’, die 1911 in Berlin unter dem Titel ‘Der Schmuck der Madonna’ uraufgeführt wurde. Und Naxos ist mit dieser Gesamtaufnahme aus der Slowakei dem Label cpo voraus, das ebenfalls eine Aufzeichnung angekündigt hat, und zwar die einer Freiburger Produktion unter Fabrice Bollon.

Die Oper spielt in Neapel, während des Marienfestes. Hier entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung. Der Schmied Gennaro ist in Maliella verliebt, die ihrerseits den religiös-sozialen Zwängen ihrer Familie entkommen möchte und sich im Verlaufe der Oper dem lokalen Chef der Camorra, Rafaele, an den Hals wirft. Rafaele schwört, aus Liebe zu Maliella sogar den Schmuck der Madonna zu stehlen. Die abergläubische Maliella ist entsetzt. Gennaro seinerseits wird nicht müde, Maliella vor dem Gangster zu warnen. Als Maliella ihm spottend erzählt, Rafaele sei doch ein richtiger Kerl, und er wolle für sie den Schmuck der Madonna stehlen, reift in Gennaro der Gedanke, mit dieser Tat Maliella für sich zu gewinnen, obschon sie, wie wir erfahren, seine Halbschwester ist. Als schließlich die Juwelen auf ihrem Tisch liegen, gerät die junge Frau in Trance und gibt sich Gennaro hin, glaubt aber, er sei Rafaele. Später, noch immer verwirrt, gesteht sie das dem Rafaele, der sie daraufhin verwirft. Am Ende begehen Gennaro und Maliella Selbstmord.

Wolf-Ferrari hat die etwas abstruse und nicht ganz glaubwürdige Geschichte in eine handwerklich solide, veristische Musik gekleidet, deren Anklänge an Mascagni und Puccini ebenso wenig zu überhören sind als die neapolitanische Folklore.

Friedrich Haider hat die opulente, oft laute Musik gut im Griff, er dirigiert spannungsvoll und mit viel Gespür für italienischen Sound. Die Besetzung ist auf der Männerseite recht gut. Kyungho Kim kriegt den italienischen Tonfall gut hin und singt stimmlich akzeptabel, obschon gepresste Töne nicht ausbleiben. Daniel Capkovic singt einen mehr oder weniger überzeugenden Rafaele. Natalia Ushakovas Maliella jedoch ist eher unausgeglichen, sie hat kein besonders schönes Stimmtimbre und ihr Sopran ist auch öfters überfordert. Mir fehlt es vor allem an stimmlicher Flexibilität. Noch weniger angenehm ist die Stimme von Susanne Berhard, die die Rolle von Gennaros Mutter Carmela singt.

Die zwei Dutzend kleinen Rollen sind von sehr schlecht bis gut besetzt. Der Chor singt etwas undifferenziert und vor allem laut, das Orchester bemüht sich redlich.

Nach dem Radiomitschnitt einer Aufführung unter Alberto Erede in London, die von Bella Voce auf CD veröffentlicht wurde, ist dies die erste reguläre Veröffentlichung der Oper und trotz ihrer unüberhörbaren Schwächen ist sie definitiv attraktiv und empfehlenswert wegen des reichen musikalischen Materials, das Wolf-Ferrari in bester veristischer Art verarbeitet hat. © 2016 Pizzicato



Sven Godenrath
Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath), May 2016

Dieses Werk wurde bisher nur einmal, als Livemitschnitt unter Alberto Erede aus dem Jahre 1976, veröffentlicht. Auf CD wurden bisher die Werke: La donne curiose, I quattro rusteghi, Il segreto di Susanna, L’amore medico, Das Himmelskleid, Sly, La vedova scaltra (u. a. Naxos ) und Il campielli veröffentlicht. In diesem neuen, am 29.11. und 02.12.2015 entstandenen Mitschnitt aus der Großen Konzerthalle Slovak Radio in Bratislava, sorgte Friedrich Haider mit dem Slovak Radio Symphony Orchestra für einen spannungsgeladenen Orchestersound. Natalia Ushakova ( Der Zigeunerbaron, Giuditta, 2 Arien Recitals ) besitzt einen dramatischen Sopran, der vielleicht nicht immer angenehm klingt, dafür ist ihre Interpretation der Rolle der Maliella packend und mitreißend, insbesondere in der Schlußszene. Kyungho Kim, der hier offensichtlich sein CD Debüt gibt, besitzt einen schlanken Tenor, dessen Stimme problemlos zum zwei gestrichen C und darüber hinaus reicht. Leider mangelt es der Stimme in einigen Momenten an Charme und Wärme. Dennoch gelingt ihm ein überzeugendes Porträt der Rolle des Gennaro. Susanne Bernhard besitzt einen warmen, dunkleren Mezzoklang; auf dieser CD der gesangliche Höhepunkt! In weiteren Rollen hören wir Daniel Capkovic als Rafaele, Peter Malý als Ciccillo und Frantisek Duriac als Rocco. Insgesamt eine gelungene und hörenswerte Produktion. © 2016 Ihr Opernratgeber (Herausgeber: Sven Godenrath)





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