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Album Reviews



 
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Gerhard Persché
Fono Forum, June 2017

Wie schon Vater Ulisse landet auch Telemaco auf dem Eiland der göttlichen Nymphe Calipso, die bekanntlich vom Senior schmählich verlassen wurde. Wie schon in diesen verliebt die offenbar Unbelehrbare sich auch in den Junior und ist äußerst ungehalten darüber, dass er eine andere Nymphe, Eucari, vorzieht. So kommt es zu jenen Turbulenzen, die für die Barockoper und deren Ausläufer genretypisch sind.

Mit dem Barock selbst freilich hatte Johann Simon Mayr (1763–1845) nicht mehr viel zu tun, eher noch mit dem Sturm und Drang. Der in der Nähe von Ingolstadt geborene und später in Bergamo ansässige Komponist ist vor allem als Lehrer Donizettis bekannt, wiewohl er mit einem Katalog von fast 700 Werken (darunter rund 70 Opern) einer der produktivsten Tonschöpfer seiner Zeit war. Für die Wiederentdeckung von Mayrs Œuvre setzt sich besonders der Ingolstädter Organist, Cembalist und Dirigent Franz Hauk ein.

Mayrs Dramma per musica „Telemaco nellá¾½isola di Calipso“ (1797 zur Karnevalssaison in Venedig uraufgeführt), das Hauk nun als CD-Weltpremiere herausbringt, weist viele der revolutionären Innovationen der Pariser Oper jener Zeit auf, inklusive eines gewissen „militärischen“ Gestus der Musik. Spektakulär ist etwa die Gewitterszene im ersten Akt, die Telemacos Ankunft begleitet, sich ihre Inspiration auch bei den Affekten von Vivaldis „Le quattro stagioni“ zu holen scheint und zugleich auf die Romantik vorausweist. Calipso wiederum erinnert an Mozarts Königin der Nacht, geht dabei zur Barockoper zurück und nimmt zugleich die Irrsinnsfälle der Belcanto-Oper vorweg.

Franz Hauk und sein Concerto de Bassus leisten dem Werk gute Dienste. Die Sänger (mehrheitlich Soprane) sind auf unterschiedlichem Niveau; auf jeden Fall überzeugt Siri Karoline Thornhill in der Hosenrolle des Telemaco. © 2017 Fono Forum



Markus Thiel
Opernwelt (Germany), June 2017

Ein zweites Mal ausgebootet. Zunächst von Ulisse, dann von dessen Sohn Telemaco—nicht verwunderlich, dass die Oper mit einer Rache- Arie der göttlichen Calipso endet. Wobei: Es ist eher ein Wüten von der Stange, weniger aus originellem Musikerfindergeist geboren, mit dem Johann «Giovanni» Simon Mayr die Zuhörer entlässt. Zum Zeitpunkt seines «Telemaco», am 11. Januar 1797 in La Fenice uraufgeführt und fast einen Monat lang pausenlos auf dem Spielplan, stand der Donizetti-Lehrer aus Oberbayern noch am Anfang seiner Opernkarriere. Man hört es auf dieser Einspielung mit ihren oft formelhaften Arien, die der rührige Nachlassverwalter des Mayr’schen OEuvres vorlegt. Ohne Dirigent und Partiturenforscher Franz Hauk, ohne die Ingolstädter Mayr-Gesellschaft wäre vielen nicht klar, dass es da ein missing link zwischen Wiener Klassik-Galanterie und Belcanto gegeben hat.

Schon einige Gesamtaufnahmen hat Hauk gestemmt. Manches war etwas anfechtbar, der «Telemaco» mit seinen knappen Nummern und «französischen» Balletten aber stellt sehr zufrieden. Das liegt vor allem am Concerto de Bassus. Man spielt auf historischen Instrumenten, dabei wendig, mit Delikatesse in den Soli und eloquent in der Agogik. Hauk unternimmt gar nicht erst den Versuch, die dramatische Handlung mit ebensolchen Gesten aufzudonnern und dem Komponisten über die Interpretation Nachhilfe zu erteilen. So weit wie in der «Medea» war Mayr damals noch nicht. Dementsprechend lyrisch bis quecksilbrig ist diese Produktion besetzt—auch wenn das angesichts der Stimmgattungen (vier Soprane, ein Tenor, ein Bass) zur Monokultur tendiert. Siri Karoline Thornhill in der Titelrolle und Andrea Lauren Brown als Calipso agieren mit feinen, leicht ansprechenden Stimmen. Einziger Einwand: In dieser klanglichen Ausprägung kommt der Dreiakter eine Spur zu lieblich, zu leichtfüßig daher. Markus Schäfer als Mentore, der Telemaco losreißt von der Göttin, führt vor: Auch die Früh-Stücke Mayrs vertragen Vehemenz. © 2017 Opernwelt (Germany)



ouverture - Das Klassik-Blog, May 2017

Fast 70 Opern schrieb Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Eine seiner frühen Opern galt der Figur des Telemaco. Telemach, wie er hierzulande genannt wird, ist in Homers Odysee nur eine Nebenfigur. Allerdings hat François Fénelon, Erzbischof von Cambray, für seinen Schüler, den siebenjährigen Louis, Dauphin von Frankreich und Herzog von Burgund, Les aventures de Télémaque zu Papier gebracht—einen Roman, in dessen Mittelpunkt er den Sohn des Odysseus stellte.

Dieses Buch, 1699 veröffentlicht, brachte seinem Autor eine Menge Ärger ein, denn es wurde bei Hofe als Kritik am Absolutismus gelesen. Zugleich wurde es europaweit ein Best- seller, und inspirierte sowohl bildende Künstler als auch Opernlibrettisten. Eines dieser Textbücher, das erzählt, dass Telemach wie einst sein Vater Odysseus auf der Insel der Nymphe Calypso strandet, vertonte Simon Mayr. Seine Oper erklang in Venedig 1797 zum Karneval fast einen Monat lang beinahe täglich, was deutlich macht, dass sie ein großer Erfolg war.

Die Kombination aus einer guten Story—immerhin lebte Odysseus sieben Jahre bei Calypso; die Nymphe musste ihn schließlich ziehen lassen, weil es die Götter befahlen—und erstklassiger Musik, die italienische Traditionen und Wiener Klassik in sich vereint, macht diese Oper auch heute noch interessant. Es ist Mayr-Spezialist Franz Hauk sehr zu danken, dass man Telemaco nell’isola di Calipso nunmehr auf CD anhören kann.

Die Weltersteinspielung ist nun in seiner fortlaufend erweiterten Edition der Opern des bayerisch-italienischen Komponisten erschienen. Die Sänger und Musiker hat Franz Hauk bei der Aufnahme vom Cembalo aus dirigiert. Ein exzellentes Solistenensemble, der versierte Simon Mayr Chor, verstärkt durch Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper, und das Ensemble Concerto de Bassus unter seiner Konzertmeisterin Theona Gubba-Chkeidze machen diese Oper, in der der junge Held durch seinen Mentor auf den rechten Weg geführt wird, zu einem Hörvergnügen. © 2017 ouverture - Das Klassik-Blog



Bernd Hoppe
Opera Lounge, March 2017

Die Reihe der Einspielungen von Werken Johann Simon Mayrs setzt Naxos mit dem Dramma per musica Telemaco nell’isola di Calipso fort, das 1797 in turbulenten politischen Zeiten im von Napoleons Truppen besetzten Venedig zur Uraufführung kam (8.660388-89). Viele Komponisten haben die mythologische Geschichte von Telemaco vertont. Der Sohn Ulisses strandet auf einer Insel und begegnet dort der Göttin Calipso, die einst von seinem Vater verlassen wurde, wofür sie sich am Sohn rächen will. Für diesen empfindet die Nymphe Eucari Zuneigung, was Calipsos Zorn hervorruft, denn auch sie schwankt zwischen Liebeshoffnung auf Telemaco und Zorn. Mentore, Telemacos Freund und Begleiter, der zunächst vermisst wird, später aber erscheint und von Calipso umgarnt wird, gemahnt seinen Schützling zur Abreise von der Insel. Statt Liebesabenteuern soll er sich für Heimat und Ehre entscheiden.

Spiritus rector des Unternehmens ist der Dirigent Franz Hauk, der 2003 den Simon Mayr Chor gründete und viele Produktionen der Serie verantwortete. Auch hier steht er am Pult, diesmal des Concerto de Bassus—einem Ensemble, das sich aus Studenten und Absolventen der Münchner Universität für Musik und Darstellende Künste zusammensetzt. Dem Dirigenten gelingt eine solide Einspielung, die vor einer konzertanten Aufführung des Werkes am 5. September 2015 in Neuburg an der Donau entstand.

Die Besetzung wird dominiert von vier Sopranen, die sich in ihren Timbres nicht sonderlich voneinander abheben, was das Klangbild etwas einförmig macht. Siri Karoline Thornhill in der Titelrolle singt kultiviert und hat in einer Kavatine von mozartscher Gefühlstiefe („Bella Dea“) Gelegenheit für empfindsamen Gesang. Auch ihr Solo im 2. Akt („La bella età d’amore“) gefällt mit den lieblich getupften Tönen. Für die Calipso setzt Andrea Lauren Brown eine gleichfalls gepflegte Stimme ein, die in der Arie „Amore è un Nume“ im 2. Akt Contessa-Töne vernehmen lässt und im Finale mit „Furie spietate“ ihre Unsterblichkeit verflucht. Mit einem Furor gleich der Elettra gelingen der Sängerin hier die stärksten Momente. Jaewon Yun als Nymphe Eucari äußert sich mit gebührend lieblichen Klängen; Katharina Ruckgaber als Sacerdote di Venere komplettiert mit beherzten Koloraturen das Sopran-Quartett.

Eine zentrale Partie des Werkes, Telemacos Freund Mentore, fällt dem Tenor zu. Hier ist es der in diesem Genre versierte Markus Schäfer, dessen Timbre freilich hin und wieder einen buffonesken Anflug nicht verhehlen kann. Das steht der Tito-nahen Figur, die sich im 1. Akt mit „Vivo ancor“ energisch auftrumpfend einführt, im Wege. Immerhin gelingt es dem Interpreten, das erste Finale zu dominieren und im 2. Akt sein von Bläsern martialisch eingeleitetes Solo „L’alloro guerriero“ mit Nachdruck zu formulieren. Nach der Mitwirkung in zwei mehrstimmigen Gesängen—einem Quartett und dem stürmischen Sextett im 2. Akt—ist der tiefsten Männerstimme der Besetzung, dem Sacerdote di Bacco, mit „Quell’orgogliosa fronte“ dann doch noch eine Arie zugeteilt. Niklas Mallmann singt sie mit energischem Zugriff in Figaro-Nähe.

Der Simon Mayr Chorus kann in der erregten Szene des 3. Aktes („Ah, che fai!“). die deutlich an die dramatisch aufgewühlte Situation in Idomeneo erinnert, Wohlklang und Expressivität vereinen. Mit den verzweifelten Einwürfen des Telemaco beweist Thornhill auch ihr dramatisches Potential. Mayrs Musik zwischen Mozart und Rossini ist zumeist leichtfüßig und von großem Liebreiz, hat aber durchaus ihre Sturm und Drang-Momente. Von heiterer Munterkeit gleich einem Menuett tönt der Ballo des 1., von transparenter Zartheit der des 2. Aktes. Eine Tempesta in der Tradition Rossinis lässt aufgewühlte Turbulenzen vernehmen. Hauk hat für all diese Stimmungen das richtige Gespür und erweitert seine Mayr-Serie um einen gewichtigen Baustein. © 2017 Opera Lounge





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