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Album Reviews



 
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Richard Lorber
STEREO, May 2017

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Richard Lorber
Fono Forum, April 2017

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Alain Steffen
Pizzicato, March 2017

Von allen ‘Wozzeck’-Aufnahmen ist mir eigentlich die mit Eberhard Waechter und Anja Silja unter Christoph von Dohnanyi immer die Liebste gewesen, natürlich dicht gefolgt von Böhm/Fischer-Dieskau/ Lear und Boulez/Berry/Strauss. Von den neueren Aufnahmen überzeugt vor allem Barenboim mit Grundheber und Meier, während man unter den sogenannten ‘Außenseitern’ vor allem Herberts Kegels völlig unterschätzte Einspielung mit Adam Und Schröter unbedingt hervorheben muss.

Auch der her vorliegende Mitschnitt aus Houston hat punktuell durchaus seine Vorzüge, insgesamt kann diese Naxos-Produktion allerdings nicht mit den vorhergenannten mithalten. Das ist schade, denn Dirigent Hans Grafs spätromantische und klangschöne Auslegung der Partitur nimmt in jedem Moment für sich ein. Das exzellente Spiel des ‘Houston Symphony Orchestra’ besticht durch Klangopulenz, aber auch durch sehr zarte und stimmungsvolle Farbschattierungen.

Einem Walter Berry in nichts nach steht der Bariton Roman Trekel in der Titelrolle, der hier sein ganzes sängerisches und dramatisches Können abruft. Anne Schwanewilms ist vielen Maries der Referenzaufnahmen wie Evelyn Lear, Gisela Schröter oder Isabel Strauss stimmlich und deklamatorisch überlegen, so dass im Grunde alle Voraussetzungen für eine weitere Spitzenaufnahme da waren.

Allerdings ist die übrige Besetzung bestenfalls mittelmäßig, was natürlich bei tragenden Rollen wie Hauptmann (Marc Molomot), Doktor (Nathan Berg) oder Tambourmajor (Gordon Gletz) doppelt schwer ins Gewicht fällt. Schwach ist auch der Andres von Robert McPherson, während die Margaret von Katherine Ciesinki eine der besten Gesangsleistungen dieser Produktion bietet. © 2017 Pizzicato



Benjamin Künzel
www.klassik.com, March 2017

Roman Trekel ist ein hervorragender Wozzeck. Das allein ist schon Grund genug, sich diesen Mitschnitt aus Houston zuzulegen. © 2017 www.klassik.com



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2017

„Man muss die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes einzudringen; es darf keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann kann man sie verstehen…“ Georg Büchner

Der Oberösterreicher Hans Graf ist dem Houston Symphony von 2001 bis Mai 2013 vorgestanden, die längste Chefposition in der Geschichte des 1913 gegründeten texanischen Klangkörpers. Als vielleicht persönlichstes Abschiedsgeschenk hat sich der Maestro Bergs Wozzeck gewählt. Die Vorarbeiten begannen 2011, immerhin mussten 500.000 Dollar an Sponsorenmitteln zusätzlich aufgetrieben werden, um die Gagen der Sänger und die Extraproben bezahlen zu können. Graf bezeichnet Wozzeck als das größte musikdramatische Werk des 20. Jahrhunderts, die Musik changiert zwischen tonal, unerhörten Lyrismen und Atonalität, aber es geht zuvörderst um Humanität um Mitleid. In Grafs Ansatz mit dem bestens vorbereiteten Orchester ist genau dieses Sangliche, Fühlbare stets wichtiger als die nackte Struktur, als der demonstrative Verweis auf Modernität. In dieser Hinsicht ist Grafs neue Interpretation Böhm näher als diejenige von Boulez oder Abbado. Das menschlich, allzu menschliche Drama um Eifersucht und Tod an der sozial untersten Skala der Gesellschaft in 15 Szenen wird nun von Naxos auf Basis von zwei konzertanten Aufführungen am 1. und 2. März 2013 in der Jones Hall for the Performing Arts in Houston publiziert.

Das auch technisch vorzüglich aufgenommene Tondokument zeichnet sich neben den unglaublich fein ziselierten, aufwühlenden Orchesterzwischenspielen durch eine höchstlebendige Bühnenatmosphäre und zwei herausragende Interpreten als Wozzeck und Marie aus. Roman Trekel, der die Titelpartie der Oper u.a. schon an der Mailänder Scala und in Berlin verkörpert hat, ist ein eher introvertierter Titelheld, das „Kreatürliche“ weniger ausspielend als das stille Leiden des sich ins Schicksal Ergebenden. Anne Schwanewilms als Marie erstaunt durch ungewohnte Leidenschaftlichkeit, den Gesangslinien mit ihrem edlen Sopran eine schon fast belkanteske Note verleihend. Stupend! Für mich vielleicht ihr bislang eindringlichstes Rollenporträt auf Tonträgern. Als Hauptmann weiß Marc Molomot mit Autorität und Kopfstimme zu überzeugen, an der Aussprache des deutschen Textes könnte er noch arbeiten. Der kanadische Bariton Nathan Berg stattet den Doktor vokal mit der nötigen Härte und Kälte aus. Als Tambourmajor setzt Gordon Gietz die nötigen heldischen bis testosterongeladenen Akzente. Robert McPherson als Andres, die legendäre Katherine Ciesinsky als Margret sowie Brenton Ryan als Narr tragen zu einer stimmungs—und elementar wirkungsvollen Aufführung bei. Die Chöre werden von Mitgliedern des Houston Grand Opera Children‘s Chorus und den Studenten und Alumni der Sheperd School of Music, Rice University, gesungen.

Der vorliegende Wozzeck-Mitschnitt ist einer der interessantesten und auch von der Besetzung her musikalisch überzeugendsten auf Tonträgern, jedoch interpretatorische Extreme aussparend. © 2017 Online Merker



Rüdiger Winter
Opera Lounge, January 2017

Die erste offizielle Einspielung von Alban Bergs Wozzeck entstand 1951 in New York (Sony Classical MH2K 62759), die jüngste in Houston. Sie ist soeben bei Naxos erschienen (8.660390-91). Mitgeschnitten wurde sie bereits im März 2013. Von Anfang an wurde das Werk in den USA hoch geschätzt. Sechs Jahre nach der Berliner Uraufführung gelangte es 1931 unter der Leitung von Leopold Stokowski in Philadelphia zur amerikanischen Premiere. Kurz darauf reiste der Dirigent mit dem gesamten Ensemble nach New York, um dort das Publikum mit dem Werk bekannt zu machen. Unterdessen ist die Diskographie mit Audio- und Video-Produktionen erfreulich angewachsen. Von Zeit zu Zeit ist ein neuer Wozzeck fällig.

Diesmal singt Roman Trekel die Rolle, stimmlich bestens aufgelegt. Er hat den Wozzeck gründlich studiert und an der Mailänder Scala und an der Berliner Staatsoper gesungen. Wer also eine Partie so gut drauf hat wie er, besitzt die nötigen Reserven für die Gestaltung. Trekel übertreibt nichts und fällt niemals durch Sprechgesang aus der Rolle heraus. Sein Wozzeck wirkt—wenn sich das überhaupt so sagen lässt—auf eine gewisse Weise vornehm und elegant. Durch und durch Musik. Das bedrückende Porträt einer gequälten Kreatur, die nicht ein noch aus weiß und an sich und Verhältnissen, in die sie hineingestellt ist wie in einen Käfig, zugrunde gehen muss. Es besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass Trekel seine Erfahrungen als Liedsänger bei dieser Aufgabe zugute kommen. Auch wenn es nicht immer so ist und so sein muss, die Titelpartie rückt auch durch Leistung und Vermögen des Sängers in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Anne Schwanewilms gibt eine ehr mütterliche Marie. Das muss kein dramaturgischer Nachteil sein in diesem Stück. Allerdings vermag sie das Unglück der Figur nicht durchgehend glaubhaft machen. In der so genannten Bibelszene im zweiten Akt wächst sie schließlich doch noch in erschütternder Eindringlichkeit über sich hinaus. Für Margret ist Katherine Ciesinskie aufgeboten, deren Karriere vor mehr als vierzig Jahren begann, was zu hören ist. Ich bin eine honette Person“, behauptet sie in der Szene auf der Straße an Marie gerichtet, die nach dem Tambourmajor Ausschau hält. Das ist nicht ohne Humor, denn sofort wird die Erinnerung an Kennedys „Ich bin ein Berliner“ vom 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin wach. Der sprach den berühmten Satz im gleichen Duktus aus. Bis auf solche Kleinigkeiten ist an der Produktion idiomatisch nichts zu beanstanden.

Der gebürtige Kanadier Gordon Gietz, ein renommierter Loge und vor allem in Frankreich sehr erfolgreich, singt den Tambourmajor, der Amerikaner Marc Molomot, der international Erfahrungen mit Mozart, Händel und Monteverdi gesammelt hat, den Hauptmann. Nathan Berg, ebenfalls aus Kanada, den das Dresdener Publikum im vergangenen Jahr als Zoroastro in Händels Orlando, erlebt hat, gibt den Doktor. Am Pult des Orchesters Houston Symphony steht Hans Graf, der Österreicher, der viele Jahre in den USA gearbeitet hat. Er vermag es, große Spannungen aufzubauen—und zu entladen. Immer wieder lassen Details aufhorchen. Der Schluss erschüttert, weil er so lapidar ist.

Naxos lässt Live-Produktion wie Studioproduktionen erscheinen. Das ist Programm, so auch hier. Für eine konzertante Aufführung wirkt die Aufnahme erstaunlich dicht und atmosphärisch. Sie könnte glatt als klassische Aufführung in Kulissen durchgehen. Wenn denn nicht alle Nebengeräusche, die einen prallen Opernabend erst die richtige Würze geben, entfernt worden wären. © 2017 Opera Lounge





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