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Album Reviews



 
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Bernd Feuchtner
Fono Forum, January 2018

Im Mittelpunkt der Urfassung von Bellinis Erstling „Bianca e Fernando“ von 1826 steht ein Geschwisterpaar: Bianca soll Herzog Filippo heiraten, weil sie ihren Vater, den alten Herzog, tot glaubt. Ihr Bruder weiß es besser: Filippo hat den Vater umgebracht, um an die Macht zu gelangen. Am Ende war der Vater aber nur gefangengesetzt und kann die Rückkehr zur Herrschaft noch erleben. Varianten machen die Wildbader Aufführung für den Bellini-Freund zum interessanten Fund, zumal mit Silvia Dalla Benetta und Maxim Mironov fabelhafte Stimmen zu hören sind und Antonio Fogliani nicht nur die Rossini-Walze anheizt, sondern auch die neuen Bellini-Töne blühen lässt. © 2018 Fono Forum




Benjamin Künzel
www.klassik.com, September 2017

Diese Ersteinspielung von Bellinis ‘Bianca e Gernando’ ist ein lebendiger Opernabend mit dem reizvollen Beigeschmack der unerhörten Rarität. © 2017 www.klassik.com



Geerd Heinsen
Opera Lounge, September 2017

Bei Naxos erschien der SWR-Mitschnitt der Bellini-Oper Bianca e Gernando (das G-in Gernando ist wichtig in der Unterscheidung zur Zweitfassung der Oper als Bianca e Fernando) von 2016—wieder eine der wirklichen Überraschungen von „Rossini in Wildbad“, dem deutschen Festival, das seit Jahren mit hoher Qualität nicht nur bei Rossini-Aufführungen (und Mitschnitten) für Überraschungen sorgt. Die Ausgrabung von Bellinis Erstling ist uns Anlass genug, die Artikel des Bellini-Forschers Carmelo Neri zum Werk selbst und den von Reto Müller (künstlerische Säule in Wildbad und Vorsitzender der Deutschen Rossini Gesellschaft) zur verwendeten Edition aus dem Programmheft der konzertanten Aufführung 2016 mit kleinen Kürzungen zu. © 2017 Opera lounge



Rolf Fath
Opera Lounge, September 2017

Es waren häufig andere Opern als die des Namensgebers, mit denen Rossini in Wildbad Aufmerksamkeit fand, darunter Werke von Pacini, Pavesi, Vaccaj, Meyerbeers Semiramide oder Mercadantes I Briganti nach Schillers Räuber. In letzter hatte Maxim Mironov die 1836 in Paris von Giovanni Battista Rubini kreierte Partie des Ermano, sprich Karl, gesungen. Dem 35jährigen Russen, der 2012 einen grandiosen Ermano gesungen hatte, begegnen wir neuerlich in den im Juli 2016 in Bad Wildbad mitgeschnittenen konzertanten Aufführungen von Bianco e Gernando, wo er wieder in die Fußstapfen Rubinis tritt, der in Bellinis zweiter Oper anläßlich des Namenstags des Thronfolgers und späteren Ferdinand II. im Mai 1826 in Neapel erstmals die männliche Hauptpartie gesungen hatte (Naxos 2 CD 8.660417-18). Eigentlich war sie für Giovanni David bestimmt gewesen, doch Franz I. hatte aus Respekt für seinen ein Jahr zuvor verstorbenen Vater die Verschiebung des vom Impresario des Teatro San Carlo in Auftrag gegebenen Werks erzwungen, worauf David nicht mehr zur Verfügung stand. Gleich nach der bemerkenswerten Introduction mit ihrem instrumentalen Vorspiel und der kurzen Rezitativ-Erzählung des alten Vertrauten Clemente, wodurch sich diese World Première Recording der Originalversion von der bekannteren Genueser Fassung von 1828 unterscheidet, stürmt Gernando auf die Bühne bzw. in den Herzogspalast von Agrigent, um seinen von Filippo entmachteten Vater Carlo zu rächen. Mironov singt die Cavatina „A tanto duol“—in der Urfassung hat er keine zweite Solonummer im zweiten Akt—mit schöner Linie und Empfindung, die Stimme klingt auf der Aufnahme zarter, zerbrechlicher als ich sie von Live-Eindrücken in Erinnerung hatte, auch ein bisschen spröde, farblos und angestrengt, doch im raschen Teil entwickelt Mironov eine mitreißende Emphase, bei der der Hörer aber auch immer ein wenig mitzittert.

Vittorio Prato, der amoralische Corrado aus den Briganti, ist wieder der Bösewicht und gibt den Filippo mit bereits recht ältlich und brösligen Bariton, doch forscher Energie in den Verzierungen und der Höhe. Gernandos Schwester Bianca ist Silvia Della Benetta, eine Sopranistin, mit der man Pferde stehlen kann, eine patente Alleskönnerin mit wenig individueller Stimme, die von Bellinis Norma über Verdi bis zur Butterfly angesetzt wird und 2017 bei Rossini in Wildbad in Aureliano in Palmira und Eduardo e Cristina überzeugte. Für diesen frühen Bellini wünscht man sich freilich eine virtuos angenehmere, weniger scharfe, oder soll man fast schon sagen weniger schrille Stimme, aber auch die 46jährige Italienerin singt mit Hingabe, setzt im ersten Finale dramatische Akzente und gestaltet das Duett mit Gernando in den lyrischen Teilen mit wissender Anmut. Da auch die Nebenrollen, darunter der charakteristische Luca Dall’ Amico als entmachteter Herzog Carlo, Marina Viotti in der Hosenrolle von Filippos loyalem Freund Viscardo und Zong Shi als Clemente recht erfreulich besetzt sind, ist diese von Antonino Fogliani forsch dirigierte Aufführung (mit dem Camerata Bach Choir aus Posen und den Virtuosi Brunensis) eine mehr als gute Ergänzung zu den wenigen Aufnahmen der zwei Jahre späteren Fassung, für die Felice Romani Domenico Gilardonis Text revidiert hatte. © 2017 Opera lounge




Matthias Käther
kulturradio vom rbb, August 2017

Vincenzo Bellini, frühverstorbenes Opern-Genie, hat nur wenige Opern hinterlassen, von denen die meisten oft und gern wieder gespielt werden. Mit Ausnahme seiner ersten beiden Opern. Eine davon ist jetzt bei Naxos erschienen: “Bianca e Gernando”.

Diese “frühen” Belinis sind hörenswert! Dieser Meinung scheint zumindest die Plattenindustrie zu sein, denn gleich beide Erstlinge sind dies Jahr auf CD erscheinen. Erst vor wenigen Monaten kam bei Opera rara “Adelson und Salvini” heraus, Bellinis allererste Oper, die er für seine Studentenbühne in Neapel geschrieben hat, und nun also “Bianca e Gernando”, seine erste Oper außerhalb des Campus, ganz offiziell uraufgeführt 1826 am damals größten Opernhaus der Welt, dem San Carlo in Neapel.

Noch kein welterschütternder Triumph wie ein Jahr später mit dem “Piraten”, aber doch ein außergewöhnlich großer Erfolg für einen Komponisten am Beginn seiner Laufbahn. Die Einspielung zeigt, dass Bellini schon als 25-Jähriger im Vollbesitz seiner kreativen Möglichkeiten ist—er sucht noch nach seinem ganz persönlichen Stil, aber an seinem Können ist nichts zu deuteln, das ragt schon hier über die meisten Zeitgenossen hinaus.

Frühvollendet

Anders als viele Kollegen hat Bellini sich extrem schnell weiterentwickelt, schon mit seiner nächsten Oper “Il Pirata” wird er seinen typischen Bellini-Stil vollendet haben. Er hat nicht länger als drei Jahre für eine Entwicklung gebraucht, die für andere Jahrzehnte beansprucht. Insofern sind seine ersten beiden Opern extrem spannend als klingende Werkstatt, weil man hier, seine Reformbestrebungen deutlicher erkennt als in den vollendeten Werken - die Hilfslinien sind noch nicht weggewischt worden.

Natürlich ist hier formal vieles noch ganz klassisch, an Rossini angelehnt, aber viel wird schon kühn in typischen Bellini umgeschmolzen. Etwa die Cabaletta des Filippo, die oberflächlich gesehen dem konventionellen Muster folgt, also schneller forscher Abgesang mit Chorbegleitung ist, aber Bellini lässt den Sänger die Verse sehr merkwürdig repetieren, so dass ein sehr hitziger, extrem exaltierter Effekt entsteht; er wandelt die rossinische Schablonenfigur rhythmisch in eine echte Person um—das singt ein Usurpator, der glaubt, alle Feinde beseitigt zu haben und nur unumschränkt herrschen zu können, doch in diesen triumphalen Ton mischt in eine Spur geistige Umnachtung, in der sich die italienische Romantik unüberhörbar ankündigt.

Originalfassung erstmals auf CD

Bellini hat diese Oper 1828 noch einmal stark revidiert (als “Bianca e Fernando”). Diese revidierte Fassung ist allerdings schon zweimal aufgenommen worden. Hier liegt erstmals die Originalfassung vor, so, wie sie 1826 über die Bühne ging.

Vor dem Anhören der CD war ich skeptisch—warum eine ungehobelte Version aus der Versenkung holen, wenn der um Welten reifere Bellini zwei Jahre später arge Rauhheiten getilgt hat? Doch die Erstfassung hat durchaus seine Berechtigung auf der CD, nicht nur weil man eben den Werktstatteinblick in die ungeglättete Jugendarbeit bekommt, sondern weil es manchmal von Vorteil ist, als Newcomer die Konventionen nicht zu kennen—denn vieles in der Zweitfassung ist zwar eleganter, aber auch angepasster—die neue Fassung endet zum Beispiel mit einer hübschen, aber routinierten Schlussarie für die Primadonna, während der Erstfassung—recht ungewöhnlich für die Zeit—mit einem stürmischen Ensemble endet.

Gelungene Umsetzung

Der Mitschnitt kommt mal wieder vom Rossini-Festival in Bad Wildbad, wo sich inzwischen ein eigener Zweig abgespalten hat, der nur noch lose mit Rossini zusammenhängt. Dort werden auch Opern aufgeführt, die zwar zur Belcanto-Tradition gehören, aber eben oft Gegenbilder oder Weiterentwicklungen der Rossini-Ästhetik darstellen.

Wie auch schon in den letzten Jahren hat man für die Nicht-Rossinis sehr viel Mühe aufgewendet und ein tolles Ensemble zusammengestellt, allen voran den jungen großartigen Belcanto-Tenor Maxim Mironow, der eigentlich Held des Abends, wie immer leicht und sicher in den abenteuerlichen Höhen; aber auch mit Bianca Silvia Della Benetta und dem Bariton Vittorio Prato stehen Sänger auf der Bühne, die sich vor der Festivalkonkurrenz in Bergamo, Martina Franca oder Wexford nicht fürchten müssen. Antonio Fogliani am Pult schlägt keinen larmoyanten, sondern einen sehr feschen Ton an, der dem Sizilianer Bellini sehr gerecht wird—das ist für ein Frühwerk Bellinis ein Treffer ins Schwarze, ganz ohne Abstriche. © 2017 kulturradio vom rbb





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