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Album Reviews



 
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ouverture - Das Klassik-Blog, June 2019

Seit mehr als 25 Jahren gibt es in Bad Wildbad ein Musikfestival, das enorme Mengen an Musikfreunden in das beschauliche Schwarzwald-Städtchen lockt: „Rossini in Wildbad“ ist ein Ereignis—und diese CD macht deutlich, warum eine derart kleine Stadt zu einem Pilgerort für alle Opernfans werden kann.

Im Jahre 2013 stand Ricciardo e Zoraide auf dem Programm, eine Oper von Gioachino Rossini (1792 bis 1868), die 1818 am Teatro San Carlo in Neapel uraufgeführt worden ist, und vom Publikum damals gefeiert wurde. Warum sie heute eher unbekannt ist, das gehört zu den Rätseln der Musikgeschichte. Denn diese Oper, die auf dem Epos Ricciardetto von Niccolò Forteguerri (1674 bis 1735) beruht, hat eigentlich alles, was das Genre so attraktiv macht—große Gefühle, großes Drama, und auch großartige Musik. Das zeigt sich schon bei der Ouvertüre, mit der José Miguel Pérez-Sierra mit den Virtuosi Brunensis wahre Klang-Panoramen entstehen lässt.

Die Handlung der Oper ist eine Rittergeschichte, mit einer gehörigen Portion Turbulenzen, Liebe und Verrat—und natürlich einem guten Ende. Doch vorher gibt es jede Menge Rossini vom Allerfeinsten, serviert von einem sehr soliden Sängerensemble sowie dem Chor Camerata Bach aus dem polnischen Poznań. Ricciardo e Zoraide erweist sich als eine der originellsten Opern Rossinis; und vielleicht findet sie ja tatsächlich den Weg zurück in das Repertoire. Es würde sich lohnen. © 2019 ouverture - Das Klassik-Blog



Jürgen Otten
Opernwelt (Germany), May 2018

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Operapoint, April 2018

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Simon Haasis
www.klassik.com, March 2018

‘Ricciardo e Zoraide’ von Gioachino Rossini ist nur eingefleischten Spezialisten ein Begriff, wenn überhaupt. Naxos setzt seine Reihe mit Rossini-Einspielungen mit diesem Werk fort. © 2018 www.klassik.com




Remy Franck
Pizzicato, March 2018

Rossinis wenig aufgeführte Oper ‘Ricciardo e Zoraide’ spielt zur Zeit der Kreuzzüge in Nubien. König Agorante begehrt Zoraide, die Tochter seines Rivalen Ircano, die jedoch den Kreuzritter Ricciardo liebt. Nun ist Zoraide aber in die Hände Agorantes gefallen. Dessen eifersüchtige Gattin Zomira versucht, die Verbindung ihres Mannes mit Zoraide zu verhindern. Unterstützt vom fränkischen Gesandten Ernesto gelangt Ricciardo verkleidet an den Hof Agorantes, um die Freilassung Zoraides zu erwirken. Da Zoraide Agorante standhaft widersteht, beschließt dieser, dass ihr Schicksal in einem Zweikampf entschieden werden soll. Ircano meldet sich verkleidet zu Zoraides Verteidigung, während der ebenfalls noch verkleidete Ricciardo für Agorante kämpfen soll. Ricciardo siegt, fällt aber anschließend zusammen mit Zoraide einer Intrige Zomiras zum Opfer. Agorante verurteilt die beiden zum Tode. Sie werden im letzten Moment durch Ernesto und die Kreuzritter gerettet. Ricciardo schenkt seinen Gegnern großmütig das Leben, und Ircano gibt ihm und seiner Tochter seinen Segen. Rossini ist mit dieser Oper ein sehr fortschrittliches Werk gelungen, dessen musikalischer Reichtum ebenso auffällt.

Der amerikanische Tenor Randall Bills singt einen kraftvollen, sängerisch guten Agorante. Maxim Mironov ist nicht weniger bemerkenswert in der zweiten Tenorrolle, der des Ricciardo.

Alessandra Marianelli ist mit ihrer virtuosen Stimme eine sehr gute Interpretin in der Rolle der Zoraide. Nicht weniger Eindruck macht Silvia Beltrami als Zomira.

Die Nebenrollen sind gut besetzt, der Chor singt vorzüglich, und unter der Leitung des ehemaligen Assistenten von Alberto Zedda, José Miguel Perez Sierra, kann sich die Musik sehr gut und klangprächtig entwickeln. © 2018 Pizzicato



Rolf Fath
Opera Lounge, February 2018

Die Sinfonia, die nahtlos in den Chor der Soldaten und Bevölkerung in der nubischen Hauptstadt Dongala mündet, ist von dunklem Ernst und instrumentaler Lieblichkeit im Solo der Flöte, feierlich und pompös, mit sanften Melodien, starken Akzenten und Finesse und einem wirkungsvollen Kontrast aus Orchesterspiel und Bühnenmusik. José Miguel Pérez-Sierra dirigiert die Szene in Rossinis Ricciardo e Zoraide, die wirkungsvoll in das Geschehen blendet, mit eindringlicher Bildhaftigkeit, wobei ihm die Virtuosi Brunensis als williges Instrument dienen. Wir befinden quasi inmitten einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem nubischen König Agorante und dem asiatischen Fürsten Ircano, der Agorantes Zorn vor allem dadurch entfacht, dass er ihm die Hand seiner Tochter Zoraide verweigerte. Im folgenden Kampfgetümmel trifft Zoraide auf den christlichen Ritter Ricciardo, beide verlieben sich, sie folgt ihm. Der enttäuschte Vater macht sich auf die Suche nach der Tochter, die Agorante inzwischen samt ihrem Liebhaber festgesetzt hat. Das alles erzählt Agorante in der sich anschließenden Szene, die weniger einen Kriegsherrn als Liebenden zeigt, der Zoraide zu erringen hofft.

In der konzertanten Aufführung bei Rossini in Wildbad im Juli 2013 (und jetzt erst bei Naxos herausgegeben, warum hat es mit dem SWR-Band so lange gedauert?) erscheint Randall Bills als neuer Name auf dem Feld des draufgängerisch geschmetterten, verzierten Schöngesangs, der sich hier vor allem als Liebender mit einer in der Höhe strahlenden Sicherheit und ebenmäßigen Tonqualität zeigt. Das ist ein feuriger vokaler Auftakt, der zeigt, dass die fünfte der neun für Neapel geschriebenen Opern Rossinis möglicherweise mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Pesaro hat Ricciardo e Zoraide immerhin 1990 und 1996 gespielt, ohne große Folgen allerdings, und wird die Kreuzfahrergeschichte in diesem Sommer wiederholen. Mit den Aufnahmen aus Pesaro sowie mit der Opera Rara-Einspielung muss die Wildbader-Aufführung konkurrieren, was ihr in großen Zügen recht gut gelingt. Die ungnädig scharfstimmigen Vertrauten der Zoraide muss man überhören. An die soubrettige Zoraide der Alessandra Marianelli muss man sich erst gewöhnen. Sie dunkelt ihren leichten Sopran ein und macht ihn schwer und bleibt als Objekt der Begierde recht unbedeutend, so im wunderbaren, sich zur Stretta steigernden Terzett „Cruda sorte“, in dem Agorante seiner Gattin Zomira klar macht, dass sie sich mit Zoraide als Nebenfrau abzufinden habe, wie im ersten Finale, aus dem sie mit nadelspitzer Schärfe hervorsticht, bis sie im Duett mit Ricciardo im zweiten Akt mit Nachdruck agiert und in ihrer Gran Scena im zweiten Finale Anzeichen primadonnenhaften Glanzes zeigt. Den Ricciardo kreierte Giovanni David, der an fünf von Rossinis neapolitanischen Uraufführungen mitwirkte im Gegensatz zu dem an allen neun Neapel-Opern beteiligten Andrea Nozzari, der den Agorante gab. Maxim Mironov singt den Ricciardo, dem Artavaszd Sargsyan ein sympathischer Begleiter Ernesto ist, mit federleichter Beweglichkeit und verführerischer Verzierungen, etwas blass im Timbre und in den näselnd verengten Höhen nicht sehr vorteilhaft, aber in der Cavatina „Qual sarà mai la gioja“ mit lustvoller Eleganz. Im attraktiven, aber nicht wirklich zündenden Duett „Come potrò reprimere“ mit Agorante, der dem verkleideten Ricciardo, seine Liebe zu Zoraide gesteht, vermischt sich Mironovs hell trompetender mit Bills’ satterem Tenor zu lieblicher Wirkung. Silvia Beltrami als abservierte Zomira in „Più mi sente quest’ alma dolente“ und Nahuel Di Pierro als Zoraides Vater Ircano im Quartett sind solide Stützen der Aufführung.

Ricciardo ist so etwas wie der kleinere, nicht weniger edle Bruder des edlen Kreuzritters Rinaldo, den es in wirrenreiche Ereignisse um andere Kreuzritter, heidnische Zauberinnen und Magier, entführte Prinzessinnen und unversöhnliche Konkurrentinnen verschlug, wie es ab Beginn des 16. Jahrhundert Ariost in seinem Orlando furioso und ein halbes Jahrhundert später Tasso in seinem Befreiten Jerusalem in kunstvoll verschachtelten und verschlungenen Erzählungen vorgaben. Diese Form der italienischen Helden- und Ritterepen fand erst mit dem 1738 erschienenen heroisch-komischer Ricciardetto des im Vergleich mit seinen Vorgängern kaum noch bekannten Niccolò Forteguerri ein Ende. Die mit einem gewissen Beharrungsvermögen ausgestattete Oper sagte den ritterlichen Stoffen allerdings erst im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts Ade. Rossinis Ricciardo e Zoraide von 1818 ist solch ein solcher Abgesang auf die Opernschablonen und die Stoffe des vorigen Jahrhunderts, wenngleich er sich von den zwei Gesängen, die ihm sein Otello-Librettist Marchese Berio di Salsa aus dem Ricciardetto kompiliert hatte, nur bedingt inspirieren ließ: fast noch barock in der stereotypen Beharrung auf die dreiteiligen Formen, meisterhaft in der Beherrschung des Handwerks, weiträumig, kunstvoll, aber keineswegs wagemutig und neuartig und durchaus in den lange Rezitative ein wenig langweilig. Ricciardo e Zoraide, so der große Rossini-Apologet Philip Gossett zurückhaltend, „ is not among his best“. Die Aufnahme aus Bad Wildbad versucht die in der Zeit nach Karl dem Großen spielende Liebeszwist zwischen dem afrikanischen König Agorante und dem christlichen Paladin Ricciardo, die zu den Waffen greifen, um die Hand der asiatischen Fürstentochter Zoraide zu erringen, die großen Gefühle und das Minimum an Handlung griffig umzusetzen. Rossini und sein Librettist haben das in nur vier Arien, zuzüglich dreier Duette, einem Quartett sowie einigen Ensembles und den großen Choraktionen abgehandelt, wofür Rossini einen eigenen, pompösen, festlich offiziellen Ton von müdem Glanz findet, der gleich in der Ouvertüre in der aparten Wechselwirkung mit der von ihm erstmals benutzen „Banda di palco“, also der Bühnenmusik, anklingt. Gerade diese plastischen Raumwirkungen erscheinen in Opera Rara-Aufnahme vorteilhafter gelöst, den großen Chortableaux, sei im ersten Finale oder in der Gran Scena e Finale secondo, fehlt es an Aplomb, doch die beiden Tenöre machen den Ricciardo hörenswert. © 2018 Opera Lounge



Ingobert Waltenberger
Online Merker, January 2018

Nubier gegen Kreuzfahrer ist der kriegerische Hintergrund für eine abstruse Love-Dreiecksgeschichte, in der der mächtige König der Nubier Agorante ( Randall Bills) die schöne Zoraide ( Alessandra Marianelli) liebt und deshalb seine Gattin Zomira ( Silvia Beltrami) verstoßen will. Aber da gibts noch Ricciardo ( Maxim Mironov), den feschen christlichen Kreuzfahrer, der natürlich am Ende Zoraide bekommt. Die Schwäche des Librettos von Francesco Maria Berio di Salsa war es letztlich, die einen nachhaltigen Erfolg dieser 1818 in Neapel uraufgeführten Oper hinderte. Nicht wirklich verwunderlich also, dass in der historischen Rezeption Elisabetta, Regina d’Inghilterra, Otello, Armida, Mose in Egitto, Ermione oder La Donna del Lago erfolgreicher waren. Dennoch enthält diese große Rossini Oper jede Menge an allerherrlichster Musik, die Belcanto-Freunde ausflippen lassen. Arien, Ensembles und Finali erzeugen jenen Rossini-Furor und jene rauschhafte Tempospirale, die sangestolle Melomanen und alle Ritter vom hohen C aus dem Hocker heben.

Der vorliegende Live-Mitschnitt aus der Jubiläumssaison 2013 hat alles, um dieses zu Unrecht vernachlässigte Werk Rossinis wieder zu rehabilitieren, wird doch überwiegend exzeptionell gesungen und einfühlsam dirigiert. Abgesehen von der Aufnahmetechnik und der unvergleichlichen Raffinesse der Belcanto Primadonna Nelly Miricioiu als Zoraide, ist die neue Aufnahme künstlerisch von den Leistungen der Protagonisten her als auch preislich der einzigen bislang erhältlichen Aufnahme aus dem Jahr 1995 des Labels Opera Rara überlegen.

Von der erstklassigen Besetzung ist an erster Stelle wohl der Russe Maxim Mironov als Ricciardo zu nennen, der mittlerweile in die allererste Liga der lyrischen Tenöre gehört. Sein Gesang geht runter wie eine heiße Schokolade mit Schlagobershäubchen im Winter. Mironovs schlanker agiler höhensicherer Tenor verfügt über jenen Schmelz und Schönheit des Timbres, die Juan Diego Florez so berühmt machten oder einstens Pavarotti auszeichneten. Seine Cavatine im ersten Akt, eines der aufregendsten Tenorduette der Opernliteratur zu Beginn des zweiten Aktes und das große Duett mit Zoaride ebenfalls im zweiten Akt gehört zu den besten Momenten der Oper. Ihm kaum nach der Amerikaner Randall Bills, der als „böser“ tenoraler Gegenspieler gleich zu Beginn der Oper mit einer virtuosen Arie und Stretta die vokale Latte hoch legt. Seine Stimme ist technisch ebenfalls untadelig, durchschlagskräftig und metallisch in der Höhe; der Rolle gemäß auch dramatischer. Der dritte Tenor im Bunde gehört Ernesto, einem Freund von Ricciardo, der vom Franzosen Artavaszd Sargsyan luxuriös interpretiert wird. Sargsyan wurde in Wildbad verdientermaßen mit dem Belcanto-Förderpreis ausgezeichnet, ein Riesentalent mit Potential. Ebenso macht der Bass Nahuel Di Pierro als nubischer Prinz Ircano der großartigen, temperamentvollen Männerriege alle Ehre. Bei den Damen überzeugt mich die Altistin Silvia Beltrami in der Rolle der Zomira ohne Einschränkung. Ein echter Rossini-Alt mit einer üppig cremigen Mittellage. Sie ist auf jeden Fall ihrer Kollegin Della Jones auf der Opera Rara Aufnahme um die berühmten Eckhäuser überlegen. In der von Isabella Colbran bei der Uraufführung aus der Taufe gehobenen Titelpartie erfreut die Italienierin Alessandra Marianelli mit prächtigem Timbre und leichter Stimmführung. Mit Verve, Agilität und hoher Intensität gestaltet sie die Rolle. Im Legato schleift sie manche Höhen aber unsauber an, hier muss technisch noch gearbeitet werden. Diana Mian als Fatima, Anna Brull als Elmira und Bartosz Zolubak als Zamorre ergänzen das Ensemble auf hohem Niveau.

Der Camerata Bach Chor Poznan unter der Einstudierung von A nia Michalak als auch die Virtuosi Brunensis unter der stilsicheren Stabführung José Miguel Pérez-Sierras sind Partner auf Augenhöhe für all die fantastischen Diven und Divos auf der Bühne.

Fazit: So und nicht anders wird Rossini zur Sucht!

Tipp: Beim heurigen Rossini Festival in Pesaro steht Ricciardo e Zoraide am 11., 14., 17., und 20. August 2018 auf dem Programm. Auf der Besetzungsliste finden sich prominente Namen: Juan Diego Flórez als Ricciardo, Pretty Yende als Zoraide und Sergey Romanovsky als Agorante. © 2018 Online Merker





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