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Album Reviews



 
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Silke Meier-Künzel
www.klassik.com, June 2019

Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 

Jeanne Crousaud als Sirene Zerlina bezaubert nicht nur die Männerwelt der Opéra, sondern auch den Hörer. Hier liegt eine leichte, eingängige und abwechslungsreich musizierte Einspielung einer nicht mehr allzu bekannten Opéra comique vor. © 2019 www.klassik.com



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, May 2019

1844 uraufgeführt, erfreute sich diese musikalische Farce rund um neapolitanisches Theater, Impresarios, Sopran-Sirenen in den Bergen, falsche Herzöge, Banditen (=Operntruppe) und natürlich Liebe in der französischen Hauptstadt eines großen, anhaltenden Erfolgs. Adolphe Adam schrieb ein Potpourri der eingängigsten Melodien, Heinrich Heine pries das Stück als ideale Unterhaltung. Auch Albert Lortzing war ganz angetan von der spritzigen Gangster-Komödie und in Deutschland gab es zwischen 1844 und 1900 neun Auflagen der Partitur.

„La Sirène“ ist eine von 38 Opern, die aus der ungemein fruchtbaren Zusammenarbeit von Auber und Eugène Scribe hervorgingen. Die beiden kannten sich so gut, dass die Arbeitsweise dieser handwerklich geschickten Theaterleute sich manchmal umkehrte: Auber vertonte nicht den Text Scribes, sondern es war der Librettist, der für die musikalischen Ideen Aubers eigens dafür arrangierte Worten lieferte. Der Erfolg ihrer Arbeit rührte nicht zuletzt daher, dass die Stücke in ganz enger Zusammenarbeit mit den ausführenden Künstlern stattfand und die Musik den Sängern sozusagen auf den Leib komponiert wurde. So sollen die vokale Geläufigkeit und der Tonumfang der Sängerin der Titelrolle, Louise Lavoye, höchst bemerkenswert gewesen sein. Die Partie ist gespickt mit diatonischen und chromatischen Läufen, die Vokalisen und Verzierungen im oberen Register erreichen des öfteren das hohe D. Es ist einer der virtuosesten Gesangsparts, den Auber je geschrieben hat.

Sind heute nur noch die Auber-Opern „La Muette de Portici“, „Fra Diavolo“ oder „Le Domino Noir“ einigermaßen bekannt oder zumindest auf CD erhältlich, so schließt der vorliegende Mitschnitt zumindest bruchstückhaft einen kleinen Spalt einer gewaltigen Repertoirelücke. Leider wurde auf das Notenmaterial, das 1849 im Théâtre des Arts de Rouen verwendet wurde, zurückgegriffen. Das bedeutet, drei Nummern wurden ganz weggelassen und das Finale des zweiten Aktes ist nur in stark gekürzter Fassung zu hören. Spielzeit insgesamt: 70 Minuten.

Abgesehen davon kann von einer engagierten, musikalisch lebendigen Wiedergabe berichtet werden. Das Orchestre des Frivolités Parisiennes unter der Leitung von David Reiland, der Chor „Les Métaboles“ (Soldaten und Schmuggler) sowie eine achtköpfige Solistenschar sorgen für eine quecksilbrige Komödie im italienischen Stil, brütenden Sonnenschein und dunkle Leidenschaften inklusive. Jeanne Crousaud als bäuerliche Sirene Zerlina entzückt mit lyrisch unverbrauchtem Material, Dorothée Lorthiois als „alte“ Dienerin Mathéa assistiert mit wissender Anmut. Die höhentigernden Tenöre von Xavier Flabat (der Abenteurer und Wirt Scopetto) und Jean-Noël Teyssier (der junge Matrose Scipion) überstrahlen nicht nur die Ensembles. Die Spielbässe Benjamin Mayenobe (als Intendant Nicolaio Bolbaya) und Jean-Fernand Setti (als sein Gegenspieler Herzog von Popoli) bringen weniger Autorität, als stimmlich grüne Frische ins Spiel. Einen Bariton gibt es auch noch zu vermelden, Jacques Calatayud als Scopettos Kompagnon Pecchione.

Ein gewaschener Opernspaß mit viel zündender Musik und einem jungen Ensembles. Was will das Openrherz mehr? © 2019 Online Merker




Matthias Käther
kulturradio vom rbb, May 2019

Das Jacques-Offenbach-Jahr 2019 hat auch wieder die Aufmerksamkeit auf eines seiner großen Vorbilder und Vorläufer gelenkt, auf Daniel-Francois-Esprit Auber. Jetzt ist eine seiner völlig vergessenen komischen Opern auf CD bei Naxos erschienen, Le Sirene (Die Sirene).

Das Tolle an dem Werk: Das ist eine unglaublich lustige Geschichte, fast monty-pythonhaft. Scribe, der legendäre Librettist, hat die Legende der Sirenen in seine Gegenwart (1844) verlegt, das Ganze spielt in den italienschen Bergen nahe Neapel, und die Sirene ist eine Sängerin, die mit ihrer schönen Stimme Reisende vom Weg lockt, damit ihr Bruder, ein Räuberhauptmann, sie ausrauben kann.

Auch ein Talentesucher verirrt sich dorthin, der braucht einen neuen Opernstar. Er werden aber auch diverse Individuen angezogen, die endlich diese Bande zur Strecke bringen wollen. Einer der Höhepunkte ist, dass diese Bande so tut, als wäre sie eine Operntruppe, die ein Stück probt, in dem Banditen vorkommen. Das ist ein Twist, den es selten so absurd auf der Bühne gibt: Sänger in Kostümen von Banditen spielen Banditen, die Banditen in Opernkostümen spielen. Heine, der das Stück gesehen hat, war ziemlich amüsiert. Wen wunderts.

Er war nicht allein. Das Stück war ein unglaublicher Publikumshit, die Premiere in Paris zog viele Auslandsproduktionen nach sich, und dem Vernehmen nach soll die Sirene zu Lortzings Lieblingsopern gezählt haben. Und sie lebt denn auch von den vielen komischen Ensembles, die hier oft zusammen geballt sind in riesigen Monsternummern. Auber gelingen hin und wieder musikalisch sehr schöne Kabinettstückchen, die durchaus mit Offenbach auf Augenhöhe sind.

Mit Sutherland wärs ein Hit geworden

Und doch hat man das alles schon mal irgendwo gehört. Der Fall ist allerdings nicht justiziabel, denn Auber hat sich selbst beklaut.

Dies war schon der 2. Versuch, an den Erfolg seiner Räuberoper Fra Diavolo anzuknüpfen. Die Leute waren verrückt nach Fra Diavolo, und deswegen hat das Team Auber/Scribe diese Geschichte immer wieder aufgewärmt. Für mich wirkte vieles hier—trotz einiger schöner Momente—im Ganzen abgenutzt, und irgendwie nervt sie auch spätestens nach Track 9, diese hastig hüpfende, ruhelose Musik, die die zum Stillstand kommt und fast ohne lyrische Momente bleibt.

Vielleicht wäre das Werk besser dran mit großen Stars. Hätte Bonynge das 1980 mit Sutherland und Vanzo aufgenommen, wär die Platte heute vielleicht ein Hit. Eine Sirene, die Wanderer vom Weg lockt, muß auch betörend klingen, und Auber hat hier beileibe nicht die beste, aber doch die anspruchsvollste Sopranpartie seines Lebens geschrieben, in der es nur so wimmelt von Hohen D's. Und hier reicht eben nicht nur eine gute Sängerin. Es muß halt eine Sirene sein, wie der Titel suggeriert. Jeanne Crousaud ist wirklich gut, aber nicht gut genug für den Glamour, den die Schwarte braucht. Die Tenöre Xavier Flabat und Jean Noel Teyssier starten gut in den Abend, doch spätenstens im Dritten Akt hinterlassen die vielen hohen Noten hörbare Spuren bei ihnen. So bleibt das Ganze bestenfalls eine Art dokumentarischer Querschnitt einer Rarität.

Denn in der Produktion aus Compiegne, die der Aufnahme zugrundeliegt, wurden schon mal drei Nummern gestrichen (vielleicht hätten gerade die etwas Ruhe in das übernervöse Stück gebracht?) und das zweite Finale gekürzt, für die CD wurden dann auch noch alle Dialoge über Bord geworfen, so dass das Werk auf eine CD passt und nur noch 70 Minuten lang ist.

Das freche Orchester unter David Reiland agiert übrigens durchgehend exzellent und wird seinem schönen Namen sehr gerecht. © 2019 kulturradio vom rbb



Rolf Fath
Opera Lounge, May 2019

Die am 26. März 1844 an der Opéra Comique uraufgeführte La Sirène ist eines von 28 Werken Daniel-François-Esprit Aubers, die in Zusammenarbeit mit Eugène Scribe entstanden. Die großen Erfolge von La Muette de Portici, Fra Diavolo, Le cheval de bronze und Le domino noir lagen bereits hinter ihnen, als die Autoren mit der Opéra-comique in drei Akten an die Geschichte vom edlen Räuber Fra Diavolo, der eigentlich gar nicht so edel ist, anknüpften. Die neue Geschichte spielt natürlich ebenfalls im Land der knitzen Banditen, Italien, in den Abruzzen, wo der unter dem Namen Marco Tempesta bekannte Scopetto seinem Schmugglerhandwerk nachgeht und die Menschen von einer zauberhaften weiblichen Stimme erzählen, die in den Bergen gehört worden sei. Genau diese Stimme sucht der von seinem Diener Mathéa und dem jungen Marineoffizier Scipion begleitete Impresario Bolbaya für die Theater in Neapel. Sie treffen u.a. auf den Herzog von Popoli, dessen legitime Abstammung die Sirene anzweifelte. Die Sirene heißt Zerlina, ist die Schwester Scorpettos, die in Scipion ihren einstigen Geliebten erkennt. Scipion hat das Schiff der Schmuggler gekapert, die ihn deshalb töten wollen, Scopetto rettet ihn und nimmt ihm das Versprechen ab, die Bande nicht zu verraten und zwingt Bolbaya, die Räuber gegenüber dem Herzog als seine Operntruppe auszugeben, in der Zerlina mit überladen vokalem Zierwerk überzeugend die Primadonna gibt. Das Ganze spitzt sich im dritten Akt im Herzogspalast in Pescara noch zu, wo die Räuber vorgeben Ali Baba und die 40 Räuberaufzuführen, letztendlich Scipion als wahrer Herzog identifiziert wird und seine Braut Zerlina mit ihrem Gesang nochmals ihren Bruder vor den aus Neapel herbeigeeilten Militärs rettet. Das scheint komplizierter, aber auch spannender als manche der anderen komischen Opern Aubers, lebt von Überraschungen und Enthüllungen, von Theatercoups und traditioneller Buffokomödie und stellt am Ende die Ordnung wieder her. Aubers elegant und behände walzende Musik, die spritzige Ensemblekunst, beispielsweise im Quintett und Quartett des ersten Aktes und den elaborierten Finali, und die Partie der feenhaften Zerlina, die anspruchsvoller als die meisten Frauenpartien bei Auber ist, die Besetzung der beiden männlichen Hauptfiguren mit zwei Tenören—zu den drei tiefe Buffostimmen für den Herzog, den Impresario und Scopettos Begleiter Pecchione hinzukommen—machten La Sirène von Anfang an zum Erfolg, der sich u.a. in den diversen Potpourris zeigt, darunter in den Arrangements von Adolphe Adam.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Oper aufgeführt. Toll, dass sie in dem unter Napoleon III. erbauten Théâtre Impérial im nördlich von Paris gelegenen Compiègnevon den dort residierenden Frivolités parisiennes unter David Reiland im Januar 2018wieder zum Leben erweckt (in der guten und langen Tradition der vielen wunderbaren Titel der letzten 30 Jahre, ebendort auch die bislang einzige Medée Cherubinis mit den originalen Dialogen, von der hier in operalounge.de hinreichend geschwärmt wurde, aber auch Meyerbeers Dinorah oder Aubers Manon Lescaut erblickten nach langem Schlaf im Théâtre Imperial das neue Licht des Tages, wie auf den zahlreichen Dokumentationen nachzuhören und -zusehen ist/ G. H.)) und auf Naxos festgehalten wurde (8.660436)—auf einer CD, ohne Dialoge, mit lesenswertem Aufsatz. Allerdings, was uns nicht zu sehr bekümmern soll, in einer um drei Nummern gekürzten Fassung, wie sie 1849 in Rouen gespielt wurde, denn die von Reiland präzise einstudierte Aufführung ist hinreißend, klar in der instrumentalen Finesse, ausgewogen im Verhältnis der Stimmen und des Orchesters, prägnant, wenngleich nicht überragend in der Besetzung. Jeanne Croussaud mag zwar nicht die divenhafte Allüre und die zündende Höhe für die Zerlina haben, doch die Stimme ist süß und hinreichend sirenenhaft. Croussaud agiert musikalisch, ihr Couplet “Prends garde, Montagnarde” und ihre Cavatine am Ende des zweiten Aktes “Ah! Je n’ose pas” singt sie mit Verve und Temperament und einem charmanten Ton. Die beiden elegant französischen, mit enger Höhe, aber Witz singenden Tenöre Xavier Flabat als Bandit Scopetto und Jean-Noël Teyssier als Scipion sowie die Bässe Jean-Fernand Setti als Herzog und Benjamin Mayenobe als Bolbaya sowie der Bariton Jacques Calatayud als Pecchione und Dorothée Lorthiois als Mathéa runden mit charaktervollen Stimmen das Ensemble ab. © 2019 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, April 2019

Vor dem Hintergrund abstruser politischer Intrigen, gewürzt mit Schmuggel-Banditentum, entwickelt sich eine Liebesgeschichte um die Sirène, eine wunderbare Sängerin aus den Abruzzen, die ein Opernintendant an sein Theater holen will. Dass die Schmuggler vorübergehend zur Operntruppe mutieren, gibt Daniel-Francois-Esprit Auber (1782-1871) ausreichend Stoff für seine spritzige Oper, die hier in einer leicht gekürzten Fassung erklingt, zusammengeschnitten aus Live-Aufnahmen am Théâtre des Arts in Rouen.

Der belgische Dirigent David Reiland steht an der Spitze des Orchesters Les Frivolités Parisiennes, das 2012 gegründet wurde, um ein Ensemble zu haben, das dem des Orchesters der Pariser Opéra Comique entspricht, das 1960 abgeschafft wurde. Das erklärte Ziel ist es, für Produktionen des französischen Opernrepertoires der komischen Oper zur Verfügung zu stehen. Reiland zeigt viel Gespür für die leichte und elegante Musik Aubers, verpasst es aber auch nicht, den dramatischeren Passagen den nötigen Elan zu geben.

Jeanne Crousaud singt die Titelrolle mit einer leuchtenden, gut timbrierten Stimme und sicherer Vokalführung. Etwas mehr Spontaneität hätte der Darstellung allerdings nicht geschadet.

Der Tenor Xavier Flabat überzeugt in der Rolle des Banditen Scopetto, und der Baryton Jean-Fernand Setti als Duc de Popoli ist ein weiterer sehr guter Protagonist in dieser Aufführung. Auch die weiteren Rollen sind durchwegs zufriedenstellend besetzt, so dass man, unter dem Strich, eine sehr positive Bewertung dieser Opernproduktion geben kann. Da es sich auch noch um eine Welt-Ersteinspielung handelt, ist die CD sehr zu empfehlen. © 2019 Pizzicato





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