Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...


Remy Franck
Pizzicato, September 2020

Was heißt ‘Pathétique’? Oft wird es von Pianisten mit ‘majestätisch’ und ‘kraftdonnernd’ übersetzt. Es gibt andere Deutungen. Plausibel scheint mir, was Boris Giltburg in Beethovens Achter Sonate macht. Sein erster Satz ist teils reflektiv, teils aufgewühlt, aber diese Beethoven-Musik klingt auch manchmal sehr verletzt. Entsprechend ist auch der zweite Satz alles andere als sorgenfreies Singen. Mit einem sehr persönlichen Akzentuieren und einer deutlichen Aufwertung der linken Hand bekommt der Satz ein neues Gesicht. Die Transparenz bestimmt auch den Klang des Rondos, das ungewöhnlich klar artikuliert wird. Eine phänomenale Vielfalt des musikalischen Diskurses ist das Resultat.

Ein Maximum an Expressivität gewinnt Giltburg auch den beiden Sonaten op. 14 ab. Das ist herzerfrischend! Er sieht sie als Gegenmittel zur Pathétique an, Sonaten, mit denen Beethoven nach der Pathétique seinen Geist mit klaren Tönen reinigen musste. Und genau so spielt er sie auch.

Die vernachlässigte 11. Sonate op. 22 erlangt bei Giltburg den Status der Grande Sonate, mit allem, was dazu gehört. Er spielt sie aufregend rhetorisch. Im Adagio verlangt Beethoven ‘con molto espressione’, und Giltburg nimmt diese Vorgabe sehr ernst.  Er gibt dem Minuetto eine sehr vitale, tänzerische Leichtigkeit, nicht ohne etwas Grummeln einzufügen. Das Rondo erklingt mit reizvollen Charme.

Zum Klang der Giltburg-Interpretationen trägt sicherlich auch der hervorragende, bestens ausgewogene  Fazioli-Flügel bei, der dem Pianisten einen so klaren und fein konturierten Klang erlaubt. © 2020 Pizzicato





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group